Kohle gilt vielen als Auslaufmodell, als rußiges Relikt, das Europa entschlossen hinter sich lässt. Doch während Deutschland seine letzte Zeche längst geschlossen hat, verbrennt die Welt heute mehr davon als in jedem Jahr zuvor. Der totgesagte Rohstoff hält weiterhin den halben Planeten am Laufen.
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- Was ist Kohle und wie entsteht sie?
- Wer entdeckte die Kohle und wie begann der Rausch?
- Wie hat Kohle die Weltkarte verändert?
- Warum ist Kohle für die Weltwirtschaft so wichtig?
- In welchen Produkten steckt Kohle, und was verschwindet ohne sie?
- Wie setzt sich der Preis einer Kilowattstunde Kohlestrom zusammen?
- Wer verdient an der Kohle und wer zahlt drauf?
- Wie mächtig ist die Kohle-Lobby?
- Wie kommen wir von der Kohle los?
- Was bedeutet der weltweite Kohle-Rekord für Deutschland?
- Glossar: 13 wichtige Fachbegriffe zur Kohle
- FAQ: Kohle: Der Rohstoff, den alle totsagen
Kohle erreichte 2024 eine weltweite Nachfrage von rund 8,8 Milliarden Tonnen, ein historisches Rekordhoch, das die Internationale Energieagentur mindestens bis 2027 erwartet. Getrieben wird der Boom von China und Indien, nicht von den Industrieländern. Für Sie als Entscheider bedeutet das: Der Rohstoff, der klimapolitisch abgeschrieben ist, bleibt wirtschaftlich ein Schwergewicht.
Das Wichtigste in Kürze
- Rekordnachfrage: 2024 erreichte der Kohleverbrauch mit rund 8,8 Milliarden Tonnen einen historischen Höchststand.
- China dominiert den Markt mit etwa 56 Prozent des Weltverbrauchs, Indien wächst am schnellsten.
- Stahl und Zement hängen an der Kohle, hier fehlt bislang ein serienreifer Ersatz.
- Deutschland trägt nur 0,6 Prozent zum Weltverbrauch bei und steigt bis 2038 ganz aus.
- Der CO2-Preis, nicht der Kohlepreis, entscheidet heute über die Wirtschaftlichkeit von Kohlestrom.
Bluff oder Wissen? Der Kohle-Check
1Wie alt sind die großen Steinkohle-Vorkommen ungefähr?Aufklappen ↓
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2Welches Land verbraucht mit Abstand am meisten Kohle?Aufklappen ↓
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3Wofür braucht die Industrie vor allem Kokskohle?Aufklappen ↓
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4Wie groß ist Deutschlands Anteil am weltweiten Kohleverbrauch?Aufklappen ↓
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5Welche europäische Institution ging direkt aus Kohle und Stahl hervor?Aufklappen ↓
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Was ist Kohle und wie entsteht sie?

Kohle ist versteinerte Sonnenenergie. Vor rund 300 Millionen Jahren, im Erdzeitalter Karbon, versanken riesige Sumpfwälder im Morast, bevor sie verrotten konnten. Unter Druck und Hitze presste die Erde über Jahrmillionen das Wasser heraus und formte aus dem Pflanzenbrei ein kohlenstoffreiches Gestein.
Der Weg führt über mehrere Stufen: Aus Torf wird Braunkohle, daraus Steinkohle, am Ende Anthrazit. Mit jeder Stufe steigt der Kohlenstoffgehalt, von rund 60 Prozent in der Braunkohle über 75 bis 90 Prozent in der Steinkohle bis etwa 92 Prozent im Anthrazit. Je reiner der Kohlenstoff, desto höher der Heizwert.
Die größten Lager liegen in China, den USA, Indien, Australien und Russland. Die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe beziffert die weltweiten Reserven auf rund 1,08 Billionen Tonnen. Bei gleichbleibender Förderung reichte dieser Vorrat noch fast 280 Jahre, länger als bei jedem anderen fossilen Energieträger.
Wer entdeckte die Kohle und wie begann der Rausch?

Schon die alten Chinesen und Römer verheizten Kohle, doch zum Weltrohstoff wurde sie erst mit der Dampfmaschine. Als James Watt seine verbesserte Maschine 1769 zum Patent anmeldete, brauchte die junge Industrie einen Brennstoff, der mehr Energie lieferte als Holz. Die Kohle lieferte ihn im Überfluss.
Nirgendwo verdichtete sich der Rausch so wie im Ruhrgebiet. Zechen wie Zollverein in Essen zogen Hunderttausende an, Dörfer wuchsen binnen Jahrzehnten zu Industriestädten. Die Kohle unter dem Revier machte aus einer Agrarlandschaft das industrielle Herz Europas.
Aus dem Boden stiegen ganze Dynastien. Namen wie Krupp, Thyssen und Stinnes verbanden Kohle und Stahl zu Imperien, die Politik und Krieg mitbestimmten. Wer die Flöze kontrollierte, kontrollierte die Schwerindustrie eines ganzen Kontinents.
Wie hat Kohle die Weltkarte verändert?

Kohle und Stahl waren jahrhundertelang das Material der Kriege. Um die Kohlereviere an Saar und Ruhr rangen Frankreich und Deutschland über Generationen, weil ohne sie keine Kanonen und keine Panzer entstanden. Der Rohstoff verschob Grenzen und stürzte Regierungen.
Aus dieser Erbfeindschaft entstand ausgerechnet die europäische Einigung. 1951 unterstellten sechs Staaten ihre Kohle- und Stahlproduktion einer gemeinsamen Behörde, der Montanunion. Der Gedanke dahinter war radikal: geteilte Rüstungsrohstoffe machen einen Krieg zwischen den Partnern praktisch unmöglich. Aus dieser Keimzelle wuchs die heutige EU.
Heute liegt die Macht in Asien. China verbrennt allein rund 56 Prozent der Weltkohle, Indonesien ist mit etwa 555 Millionen Tonnen der größte Exporteur, Australien beherrscht den Handel mit Kokskohle. Europa hat sich aus dieser Landkarte weitgehend verabschiedet.
Wie schnell Kohle wieder zur Waffe wird, zeigte der Krieg gegen die Ukraine. Seit August 2022 verbietet die EU den Import russischer Kohle, ganze Lieferketten mussten über Nacht neu geknüpft werden. Der Rohstoff, den alle totsagen, bleibt ein geopolitischer Hebel.
Warum ist Kohle für die Weltwirtschaft so wichtig?

Kohle liefert bis heute rund 35 Prozent des weltweiten Stroms, mehr als jede andere Quelle. Sobald in Delhi die Klimaanlagen laufen und in Shenzhen die Fabriken, fließt meist Kohlestrom. Der Rohstoff ist das Rückgrat der industriellen Schwellenländer.
Der Hunger wächst dort, wo Wohlstand entsteht. Indien verbraucht 2025 nach Angaben der Internationalen Energieagentur mehr Kohle als die EU und die USA zusammen, mit einem jährlichen Plus von über fünf Prozent. In der EU dagegen sank die Nachfrage im selben Zeitraum um 16 Prozent.
Über die Weltmeere fließt der Rohstoff in Rekordmengen, rund 1,55 Milliarden Tonnen jährlich. Deutschland fördert seit 2018 keine Steinkohle mehr und deckt seinen Restbedarf vollständig aus Importen. Ähnlich abhängig zeigt sich die Republik beim Erdgas als zweitem fossilen Standbein, dessen Lieferketten der Ukrainekrieg schlagartig offenlegte.
In welchen Produkten steckt Kohle, und was verschwindet ohne sie?

Die meisten Menschen verbinden Kohle mit dem Kraftwerk, doch ihr härtester Hebel ist der Stahl. Rund 70 Prozent des Weltstahls entstehen im Hochofen, und der braucht Koks aus Kokskohle als Brennstoff und Reduktionsmittel zugleich. In einer Tonne Rohstahl stecken etwa 770 Kilogramm Kohle.
Von dort zieht sich die Spur durch den Alltag. Zementöfen glühen mit Kohle, Aktivkohle filtert Trinkwasser, aus Kohleteer gewann die Chemie einst Farben und Schmerzmittel. Selbst das energiehungrige Leichtmetall Aluminium schmilzt in China überwiegend mit Strom aus Kohle.
Beim Strom lässt sich die Kohle ersetzen, beim Hochofen bislang kaum. Einen serienreifen Ausweg, der ohne Kohlenstoff auskäme, kennt die Branche dort noch nicht. Fiele die Kokskohle aus, stünden Autobau, Maschinenbau und Bauindustrie still, ganz gleich, wie viele Windräder sich drehen.
Wie setzt sich der Preis einer Kilowattstunde Kohlestrom zusammen?

Der Preis für Kohlestrom ist längst nicht mehr nur der Preis der Kohle. Die Tonne Kraftwerkskohle kostet am Weltmarkt rund 100 Euro, doch dieser Posten ist ins zweite Glied gerutscht. Entscheidend geworden ist ein anderer Faktor.
Jede Kilowattstunde aus Kohle setzt fast ein Kilogramm CO2 frei, und für jede Tonne davon muss der Betreiber im EU-Emissionshandel ein Zertifikat kaufen. Bei einem Zertifikatspreis um 80 Euro je Tonne wird dieser Aufschlag zum größten Einzelposten des Strompreises. Der Staat verteuert die Kohle also gezielt über den Markt.
Dazu kommen Betrieb und Kapital, Netzentgelte sowie Steuern und Abgaben. Sinkt der Kohlepreis, gibt der Erzeuger das selten sofort weiter, steigt der CO2-Preis, landet er schnell auf der Rechnung. Diese Schieflage trägt am Ende der Verbraucher.
Wer verdient an der Kohle und wer zahlt drauf?

An der Kohle verdienen die Förderländer und die großen Handelshäuser. Konzerne wie Glencore verdienen an jeder Tonne, Exportnationen wie Australien und Indonesien füllen mit ihr die Staatskassen. Solange Asien Strom und Stahl braucht, fließt das Geld.
Die Rechnung zahlen andere. In den Kohleregionen der Appalachen blieb trotz jahrzehntelanger Förderung die Armut, in Indiens Bergbaugebieten leiden Anwohner unter Staub und verseuchtem Wasser. Der Reichtum unter der Erde macht die Menschen darüber oft nicht reicher.
Deutschland schließt seine letzte Zeche und verbucht das als Klimaschutz. Zur selben Zeit verbrennt Indien mehr Kohle als die EU und die USA zusammen. Der Ausstieg eines 0,6-Prozent-Verbrauchers verändert an dieser Weltbilanz kein Gramm.
Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Wie mächtig ist die Kohle-Lobby?

Fossile Energien werden weltweit massiv gestützt. Der Internationale Währungsfonds beziffert die Subventionen inklusive nicht bezahlter Umwelt- und Gesundheitsschäden auf rund sieben Billionen Dollar im Jahr, davon entfällt ein großer Teil auf die Kohle. Kein anderer Rohstoff wird so stark gefördert und zugleich so scharf bekämpft.
Auch der deutsche Ausstieg kostet Milliarden. Mit dem Strukturstärkungsgesetz Kohleregionen stellt der Bund bis 2038 bis zu 40 Milliarden Euro bereit, um Lausitz, Rheinland und mitteldeutsches Revier für die Zeit nach der Kohle zu wappnen. Dazu kommen Entschädigungen für die Kraftwerksbetreiber.
Rhetorisch kämpft die Branche mit dem Argument der Versorgungssicherheit. Kohle sei grundlastfähig, verlässlich, notfalls unverzichtbar, so das Bild, das jeden Winter neu gezeichnet wird. Die Zahlen zum Ausbau der Erneuerbaren erzählen eine andere Geschichte.
Wie kommen wir von der Kohle los?

Beim Strom läuft die Ablösung bereits. Wind und Sonne liefern in guten Stunden mehr, als Deutschland verbraucht, und verdrängen die teure Kohle aus dem Markt. Dieser Sektor wird als erster unabhängig.
Schwerer tut sich der Stahl. Thyssenkrupp nimmt Ende 2026 eine erste große Direktreduktionsanlage in Betrieb, die statt Koks künftig Wasserstoff nutzen soll, Salzgitter zieht mit dem Programm SALCOS ab 2027 nach. Der Umbau verschlingt neben Wasserstoff auch enorme Mengen an Kupfer für die neuen Elektroöfen und Stromnetze.
Der grüne Wasserstoff bleibt vorerst der Engpass. Ein Liefervertrag zwischen Salzgitter und dem Versorger EWE sieht ab 2030 rund 10.000 Tonnen jährlich vor, das deckt nur etwa 6,5 Prozent des Bedarfs einer einzigen Anlage. Bis der Ausstieg beim Stahl trägt, vergehen noch Jahre.
Ein zweiter Weg führt über den Schrott. Beim Einschmelzen von Stahl im Elektrolichtbogenofen fällt keine Kohle an, und schon heute stammt fast ein Drittel des Stahls aus Altmetall. Die Grenze liegt darin, dass Schrott allein die wachsende Nachfrage nicht deckt.
Was bedeutet der weltweite Kohle-Rekord für Deutschland?

Deutschland hat den Ausstieg früh begonnen. 2018 schloss mit Prosper-Haniel in Bottrop die letzte Steinkohlezeche, bis 2038 soll auch der letzte Kohlemeiler vom Netz gehen. Und doch klettert der Weltverbrauch Jahr für Jahr auf neue Rekorde.
Für deutsche Unternehmen zählt vor allem der CO2-Preis. Er verteuert Kohlestrom gezielt und macht den Umstieg auf Erneuerbare und Wasserstoff wirtschaftlich, treibt aber kurzfristig die Energiekosten der Industrie. Energieintensive Betriebe müssen die Transformation jetzt einplanen.
Drei Szenarien zeichnen sich ab. Optimistisch verdrängen fallende Kosten der Erneuerbaren die Kohle schneller als geplant, realistisch bleibt sie in Asien noch Jahrzehnte im Einsatz, pessimistisch bremsen Wasserstoffmangel und Netzausbau den Umbau aus. In jedem Fall gilt: Die Kohle stirbt nicht am deutschen Ausstieg.
Für Sie als Entscheider heißt das konkret: Rechnen Sie den steigenden CO2-Preis in jede langfristige Energieentscheidung ein und prüfen Sie Lieferketten auf versteckte Kohleabhängigkeiten. Der Rohstoff verschwindet aus dem deutschen Boden, nicht aus der Weltwirtschaft.
Glossar: 13 wichtige Fachbegriffe zur Kohle

Anthrazit
Anthrazit ist die hochwertigste Kohle mit einem Kohlenstoffgehalt von rund 92 Prozent und dem höchsten Heizwert. Sie entsteht als letzte Stufe der Inkohlung und verbrennt nahezu rauchfrei, ist aber selten und teuer.
Braunkohle
Braunkohle ist eine junge, wasserreiche Kohle mit geringerem Kohlenstoffgehalt. Sie liegt oberflächennah und wird im Tagebau gewonnen, was in Deutschland ganze Dörfer weichen ließ. Ihr Heizwert ist niedrig, ihr CO2-Ausstoß hoch.
CO2-Zertifikat
CO2-Zertifikat nennt sich die handelbare Berechtigung, eine Tonne Kohlendioxid auszustoßen. Im EU-Emissionshandel müssen Kraftwerke solche Zertifikate kaufen, was Kohlestrom gezielt verteuert und heute den größten Kostenblock bildet.
Direktreduktion
Direktreduktion bezeichnet ein Verfahren, das Eisenerz nicht im Hochofen mit Koks, sondern mit Wasserstoff oder Erdgas zu Eisen umwandelt. Sie gilt als Schlüsseltechnik für klimaneutralen Stahl und kommt ab 2026 in Deutschland in den Großbetrieb.
EU-Emissionshandel
EU-Emissionshandel (ETS) ist das europäische Handelssystem für CO2-Verschmutzungsrechte. Die Zahl der Zertifikate sinkt planmäßig, wodurch der Preis steigt und fossile Stromerzeugung Schritt für Schritt unwirtschaftlich wird.
Grundlast
Grundlast meint die ständig benötigte Mindestmenge an Strom im Netz. Kohlekraftwerke galten lange als ideale Grundlastlieferanten, weil sie rund um die Uhr laufen, ein Argument, das die Branche gegen den schwankenden Ökostrom ins Feld führt.
Hochofen
Hochofen heißt der Reaktor, in dem aus Eisenerz und Koks flüssiges Roheisen wird. Er ist das Herz der klassischen Stahlerzeugung und der Grund, warum Kokskohle bislang so schwer zu ersetzen ist.
Inkohlung
Inkohlung beschreibt den geologischen Prozess, in dem aus Torf über Braun- und Steinkohle schließlich Anthrazit entsteht. Druck, Hitze und Zeit erhöhen dabei den Kohlenstoffgehalt und damit den Energiegehalt des Gesteins.
Kokskohle
Kokskohle ist eine besonders hochwertige Steinkohle, die zu Koks verarbeitet wird. Anders als Kraftwerkskohle dient sie nicht dem Heizen, sondern der Stahlerzeugung, wo sie als Brennstoff und Reduktionsmittel zugleich wirkt.
Montanunion
Montanunion nennt man die 1951 gegründete Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl. Sie stellte die Rüstungsrohstoffe unter gemeinsame Kontrolle, sollte Kriege zwischen den Mitgliedern verhindern und wurde zur Keimzelle der EU.
Ressourcenfluch
Ressourcenfluch bezeichnet das Paradox, dass rohstoffreiche Regionen oft ärmer und instabiler sind als rohstoffarme. Bei der Kohle zeigt sich das in Fördergebieten, die trotz Bodenschätzen von Armut und Umweltschäden geprägt bleiben.
Steinkohle
Steinkohle ist eine im Karbon entstandene, kohlenstoffreiche Kohle mit 75 bis 90 Prozent Kohlenstoff. Sie liefert mehr Energie als Braunkohle, liegt aber tief und teuer im Untergrund, weshalb Deutschland ihren Abbau 2018 einstellte.
Strukturstärkungsgesetz
Strukturstärkungsgesetz heißt das 2020 beschlossene Gesetz, das den Kohleregionen bis 2038 bis zu 40 Milliarden Euro für den Wandel nach der Kohle bereitstellt. Das Geld soll Arbeitsplätze und neue Industrien in Lausitz, Rheinland und Mitteldeutschland schaffen.
FAQ: Kohle: Der Rohstoff, den alle totsagen

Warum steigt der Kohleverbrauch trotz Energiewende?
Der weltweite Kohleverbrauch steigt, weil China und Indien ihren wachsenden Strombedarf vor allem mit Kohle decken. Die Rückgänge in Europa und den USA werden vom Wachstum in Asien mehr als ausgeglichen, sodass die globale Nachfrage 2024 ein Rekordhoch erreichte.
Ist Kohle in Deutschland verboten?
Nein, Kohle ist in Deutschland nicht verboten, wird aber schrittweise abgeschaltet. Die Steinkohleförderung endete 2018, der Ausstieg aus der Kohleverstromung ist gesetzlich bis spätestens 2038 vorgesehen. Bis dahin laufen einzelne Kraftwerke weiter, vor allem zur Absicherung des Netzes.
Was ist der Unterschied zwischen Braunkohle und Steinkohle?
Steinkohle ist älter, härter und enthält mehr Kohlenstoff als Braunkohle, deshalb liefert sie mehr Energie. Braunkohle liegt oberflächennah und wird im Tagebau gewonnen, Steinkohle liegt tief und musste in Deutschland bergmännisch abgebaut werden.
Wofür wird Kohle heute noch gebraucht?
Kohle liefert weltweit rund 35 Prozent des Stroms und ist zugleich unverzichtbar für Stahl und Zement. Als Kokskohle befeuert sie den Hochofen, in dem der Großteil des Weltstahls entsteht. Damit steckt sie indirekt in Autos, Gebäuden und Maschinen.
Wann steigt Deutschland endgültig aus der Kohle aus?
Der gesetzliche Kohleausstieg ist bis spätestens 2038 festgelegt, einzelne Bundesländer und Betreiber streben ein früheres Ende an. Der genaue Zeitpunkt hängt vom Ausbau der Erneuerbaren, vom CO2-Preis und von der Versorgungssicherheit ab.
Warum kann man Stahl nicht einfach ohne Kohle herstellen?
Der klassische Hochofen braucht Koks aus Kohle sowohl als Brennstoff als auch, um dem Eisenerz den Sauerstoff zu entziehen. Ein gleichwertiger Ersatz ist die Direktreduktion mit Wasserstoff, doch dafür fehlt es bislang an ausreichend grünem Wasserstoff, weshalb der Umbau Jahre dauert.
Quellen
7 Quellen anzeigenQuellen ausblendenabgerufen am 24.07.2026
- Internationale Energieagentur (IEA)Coal 2024
- Internationale Energieagentur (IEA)Coal Mid-Year Update 2025
- Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR)Kohle
- Bundesministerium für Wirtschaft und EnergieStrukturstärkungsgesetz Kohleregionen
- BundesnetzagenturKohleausstieg
- thyssenkrupp SteelTransformation zu klimaneutralem Stahl
- Internationaler Währungsfonds (IWF)Fossil Fuel Subsidies
