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Oracle hat im vergangenen Geschäftsjahr 23,7 Milliarden Dollar mehr ausgegeben, als das Geschäft einbrachte, umgerechnet 20,6 Milliarden Euro. Beim Kapitalmarkttag am Mittwoch nannte der Konzern einen Zeitpunkt für die Wende: Ab Dezember 2027 soll der freie Cashflow positiv sein. Bis dahin finanzieren Kunden und Lieferanten einen Teil der Rechenzentren.

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Inhalt 4 Abschnitte
  1. Was hat Oracle beim Kapitalmarkttag angekündigt?
  2. Woher kommt das Geld bis zur Wende?
  3. Was bedeutet das für Cloud-Kunden in Europa?
  4. Mehr Newshunger?

Die Aktie stieg am Mittwoch um 10,7 Prozent. Am Freitag schloss sie wieder auf dem Stand vom Dienstag vor dem Kapitalmarkttag.[2] Die Käufer der 141 Millionen neuen Aktien, die Oracle im Sommer ausgegeben hat, liegen damit im Schnitt rund 7 Prozent im Minus.[4]

Auf einen Blick

Das Wichtigste in Kürze

  • Oracle will im Geschäftsjahr 2030 mindestens 195,8 Milliarden Euro umsetzen, gut dreimal so viel wie 2026.
  • Im Geschäftsjahr 2029 soll der freie Cashflow mindestens 26,1 Milliarden Euro erreichen.
  • Am Kapitalmarkt will Oracle bis 2030 nur noch 17,4 Milliarden Euro zusätzlich aufnehmen.
  • Im ersten Quartal des Geschäftsjahrs 2027 stammte fast die Hälfte des Geldzuflusses aus Vorauszahlungen von Kunden.

Was hat Oracle beim Kapitalmarkttag angekündigt?

Kabinettmodell mit „Vorkasse“-Schild und orangefarbenem Geldpaket auf weißem Grund
Clay Magouyrk, Mike Sicilia und Hilary Maxson präsentieren in Las Vegas Wachstumsziele: Umsatz soll bis 2030 von 58,6 auf 195,8 Milliarden Euro steigen, operative Marge über 40 Prozent

Die beiden Konzernchefs Clay Magouyrk und Mike Sicilia sowie Finanzchefin Hilary Maxson stellten in Las Vegas die Ziele bis zum Geschäftsjahr 2030 vor, das Ende Mai 2030 endet. Der Umsatz soll von 58,6 Milliarden Euro im Geschäftsjahr 2026 auf mindestens 195,8 Milliarden Euro steigen, im Schnitt um mehr als 35 Prozent im Jahr. Die bereinigte operative Marge soll dann über 40 Prozent liegen. Für das laufende Geschäftsjahr bestätigte Oracle mindestens 78,3 Milliarden Euro Umsatz.[1]

Die Investitionen erreichen laut Oracle in den Geschäftsjahren 2027 und 2028 ihren Höhepunkt und sinken danach. Bis 2030 will der Konzern über Aktien und Anleihen nur noch 17,4 Milliarden Euro aufnehmen, je zur Hälfte, ohne die Refinanzierung bestehender Schulden. Hinzu kommen 17,4 Milliarden Euro aus den neuen Aktien, die Oracle im Sommer verkauft hat. Ab 2029 will der Konzern das Wachstum aus eigener Kraft bezahlen.[1]

Woher kommt das Geld bis zur Wende?

Oracle nennt drei Hebel: Lieferantenkredite, Hardware, die Kunden selbst stellen, und Vorauszahlungen. Wie stark der dritte wirkt, zeigt das erste Quartal. Von Juni bis August flossen aus dem laufenden Geschäft 20,1 Milliarden Euro zu, davon 9,9 Milliarden Euro als Vorauszahlungen für Rechenkapazität. Die Investitionen lagen bei 24,8 Milliarden Euro. Ohne das Geld der Kunden hätte der freie Cashflow bei minus 14,6 statt minus 4,7 Milliarden Euro gelegen.[3]

Der Kunde übernimmt damit die Rolle eines Kreditgebers: Er zahlt heute für Rechenleistung, die Oracle erst später liefert. Oracle verbucht diese Vorauszahlungen deshalb mit einer Finanzierungskomponente, also wie einen verzinsten Kredit.[4] Grundlage sind langfristige Verträge, der Auftragsbestand liegt inzwischen bei 577,7 Milliarden Euro. Anleihen und Kredite summierten sich Ende August trotzdem auf 109,0 Milliarden Euro.[4] Andere Konzerne gehen den direkten Weg: Microsoft gibt Anleihen aus, Amazon hat seine langfristigen Schulden fast verdreifacht.

Oracles Kunden haben im Quartal 40 Prozent der Investitionen vorab bezahlt. Der Plan für 2029 hängt an ihrer Zahlungsfähigkeit.

Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
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Oracles Weg vom Minus zum Überschuss
Freier Cashflow und Finanzierung, Geschäftsjahr jeweils bis Ende Mai
−20,6 Mrd. €
freier Cashflow im Geschäftsjahr 2026
24,8 Mrd. €
Investitionen im ersten Quartal des Geschäftsjahrs 2027
9,9 Mrd. €
Vorauszahlungen von Kunden im selben Quartal
26,1 Mrd. €
freier Cashflow, den Oracle im Geschäftsjahr 2029 mindestens erreichen will
Der Zeitplan
2027 und 2028
Investitionen auf dem Höhepunkt
ab Dezember 2027
freier Cashflow wieder positiv
bis 2030
höchstens 17,4 Mrd. € neues Geld vom Kapitalmarkt

Was bedeutet das für Cloud-Kunden in Europa?

Neue KI-Aufträge über mehr als 26,1 Milliarden Euro im ersten Quartal hat Oracle nach eigenen Angaben so gestaltet, dass kein zusätzlicher Kapitalbedarf entsteht.[3] Für die meisten Unternehmen zählt ein Datum: Ab dem 12. Januar 2027 dürfen Cloud-Anbieter in der EU für den Wechsel zu einem anderen Anbieter keine Wechselentgelte mehr verlangen.[5]

Prüfen Sie deshalb vor dem nächsten Vertrag über Oracle-Datenbanken in der Cloud, ob er eine Vorauszahlung oder eine Mindestabnahme über Januar 2027 hinaus verlangt. Ab 2027 kostet der Wechsel selbst nichts mehr, vorab bezahltes Geld und Abnahmeverpflichtungen binden aber weiter. Wie Oracle sein Geld bisher verdient, zeigt das Unternehmensporträt.

Quellen

5 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
  1. Oracle CorporationOracle Investor Day 2026: Accelerating Value Creation (Pflichtmitteilung an die US-Börsenaufsicht SEC)28.10.2026
  2. Yahoo FinanceOracle Corporation (ORCL) (Schlusskurse 27. Oktober 2026: 130,53 Dollar, 28. Oktober: 144,54 Dollar, 30. Oktober: 130,67 Dollar)
  3. Oracle CorporationOracle Announces Q1 Results Driven by Triple Digit Growth in Cloud Infrastructure Revenues (Pflichtmitteilung an die SEC)10.09.2026
  4. Oracle CorporationForm 10-Q für das Quartal bis 31. August 2026 (Quartalsbericht an die SEC)11.09.2026
  5. Europäisches Parlament und RatVerordnung (EU) 2023/2854 über harmonisierte Vorschriften für einen fairen Datenzugang und eine faire Datennutzung (Datenverordnung), Artikel 29 (Amtsblatt der EU)22.12.2023

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