Die Europäische Zentralbank hat zwei Bietergemeinschaften beauftragt, Banken und Zahlungsdienstleister an die Plattform des digitalen Euro anzuschließen. Auf Rang eins stehen der italienische Zahlungsdienstleister Nexi und eine Tochter der Deutschen Telekom, ihr Vertrag läuft seit dem 28. September. Die Vergabebekanntmachungen beziffern den Wert jedes der beiden Verträge auf 177,66 Millionen Euro.
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Eine Verordnung für den digitalen Euro gibt es noch nicht, die Leitungen dafür sind schon bestellt. Die EZB machte die Vergabe am Freitag öffentlich, gut einen Monat nach Beginn des ersten Vertrags.[1] Beide Dienstleistungsverträge laufen jeweils 120 Monate.[2]
Das Wichtigste in Kürze
- Nexi Payments und Deutsche Telekom Business Solutions bilden die erstplatzierte Bietergemeinschaft, Telefónica und Indra die zweite.
- Für das Los von Nexi und Telekom durften sich nur Unternehmen bewerben, die ihren Sitz in der EU haben und von EU-Eigentümern kontrolliert werden.
- Jeder Zahlungsdienstleister kann sich später über einen der beiden Anbieter anschließen lassen.
- Ob der digitale Euro kommt, entscheidet die EZB erst, wenn die Verordnung verabschiedet ist.
Was liefern Nexi und die Telekom?

Die beiden Netzwerkdienstleister verbinden teilnehmende Zahlungsdienstleister und nationale Zentralbanken mit der Plattform für den digitalen Euro und sorgen dafür, dass deren Bausteine untereinander Daten austauschen.[1] Das ist nötig, weil diese Bausteine laut Ausschreibung in verschiedenen Rechenzentren verschiedener Anbieter laufen können, die sonst keinen direkten Weg zueinander hätten.[2] Nexi kombiniert die Anbindung nach eigenen Angaben mit einer Plattform, die die Zahlungsdaten zwischen den Beteiligten weiterleitet und sich an Lastspitzen anpasst.[4]
Der Vertrag mit Nexi und der Telekom gilt zunächst für die Pilotphase, der zweite mit Telefónica und Indra beginnt im Mai 2027.[1] Für das erste Los gingen drei Angebote ein, für das zweite vier.[2][3] Nexi-Chef Bernardo Mingrone nennt den Zuschlag laut The Paypers einen wichtigen Meilenstein und den digitalen Euro ein Schlüsselprojekt für die digitale Souveränität Europas. Telekom-Manager Gottfried Ludewig verweist auf die Arbeit seines Hauses an der Quantenkommunikation und am Satellitenprogramm IRIS².[4]
Vom Aufruf bis zur Ausgabe
Europa verlegt die Leitungen für den digitalen Euro, bevor das Gesetz steht. Für 2029 bliebe sonst zu wenig Zeit.
Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Warum vergibt die EZB das Netz zweimal?
Zwei Anbieter senken die Abhängigkeit von einem einzelnen Netz. Das Muster kennen Banken schon: Den Zugang zu den TARGET-Diensten des Eurosystems stellen ebenfalls zwei Netzwerkdienstleister bereit, Swift und Nexi-Colt.[5] Nexi ist damit schon heute an einem der beiden Zugänge zu den Zahlungssystemen der Notenbanken beteiligt.
Neu ist die Bedingung zur Herkunft. Für das erste Los wich die EZB von ihren Beschaffungsregeln ab: Alle Beteiligten bis hin zu den Unterauftragnehmern mussten EU-Unternehmen sein, die von EU-Eigentümern kontrolliert werden.[2] Damit war das Los, das die Pilotphase trägt, für Anbieter mit außereuropäischen Eigentümern gesperrt. Genau von solchen Anbietern will sich die EZB lösen: Digitale Zahlungen in Europa laufen heute vor allem über US-Konzerne wie Visa und Mastercard.[6]
Was heißt das für Banken und Sparkassen?
Zahlungsdienstleister, die den digitalen Euro anbieten, wählen zwischen den beiden Netzen.[1] Was sie für die Anbindung zahlen, nennt die EZB nicht. Die Verträge lassen ihr Spielraum, den Umfang der Leistungen an den Projektverlauf anzupassen.[1]
Die EZB strebt 2027 ein Pilotprojekt und 2029 eine mögliche Ausgabe an.[6] Über die Ausgabe will sie erst entscheiden, wenn die Verordnung über den digitalen Euro verabschiedet ist.[7] Zugleich wächst die private Alternative: Wero, das Bezahlverfahren europäischer Banken, gewinnt weitere Händler.
Quellen
7 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
- Europäische ZentralbankECB selects network service providers for the digital euro
- Tenders Electronic DailyVergabebekanntmachung 753352-2026, Network Service Provider Connectivity for the Digital Euro Service Platform, Los 1
- Tenders Electronic DailyVergabebekanntmachung 756210-2026, Los 2
- The PaypersNexi, Deutsche Telekom win digital euro deal
- Deutsche BundesbankContracts with network service providers, ESMIG connection, bundesbank.de
- dpa (über IT Finanzmagazin)Digitaler Euro: EZB vergibt das Netz doppelt an Nexi/Telekom und Telefónica
- Europäische ZentralbankECB selects digital euro service providers (2. Oktober 2025, aktualisiert am 15. Oktober 2025)
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