Zum ersten Mal seit Beginn der Erhebung 2008 zahlt Deutschland häufiger bargeldlos als mit Bargeld. 55 Prozent aller Alltagszahlungen liefen 2025 ohne Scheine und Münzen, wie die neue Bundesbank-Studie zum Zahlungsverhalten belegt. Für den Handel und die Bezahl-Infrastruktur wiegt dieser Wendepunkt schwerer als jede einzelne neue App.

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Das Wichtigste in Kürze

  • Erstmals seit 2008 überwiegt die bargeldlose Zahlung: 55 Prozent der Transaktionen gegenüber 49 Prozent im Jahr 2023.
  • Gemessen am Umsatz liefen sogar 77 Prozent bargeldlos, weil Bargeld vor allem die kleinen Beträge deckt.
  • Mobiles Bezahlen hat sich auf 10 Prozent aller Bezahlvorgänge nahezu verdoppelt, angeführt von Apple Pay.
  • 29 Prozent der Befragten berichten, der Weg zum Geldautomaten sei in zwei Jahren aufwendiger geworden.

Warum kippt das Zahlungsverhalten?

Eine Hand wirft Münzen in ein weißes Sparschwein, beschriftet mit „RESERVIERT FÜR KAFFEELASTERN“
Bargeldanteil bei Transaktionen 45 Prozent, bei Umsatz nur 23 Prozent. Kleine Beträge werden bar gezahlt, große Summen digital

Umsatz gegen Stückzahl erklärt den Kern. Nach der Zahl der Transaktionen liegt Bargeld mit 45 Prozent nur knapp zurück, am Umsatz gemessen entfallen aber schon 77 Prozent auf unbare Verfahren.[1] Bargeld deckt die vielen kleinen Beträge an Kiosk und Bäckerei, Karte und Smartphone übernehmen die großen Summen.

Das Smartphone beschleunigt den Umschwung. Mobiles Bezahlen kommt inzwischen auf 10 Prozent aller Bezahlvorgänge und hat sich seit 2023 fast verdoppelt, Marktführer ist Apple Pay mit 41 Prozent der mobilen Zahlungen.[1] Immer mehr Menschen hinterlegen zudem ihre Debitkarte in einer Wallet. Damit wandert die Ladenkasse aufs Handy.

Bleibt Bargeld für die Menschen wichtig?

Der Zugang schrumpft schneller als die Nachfrage. An der Ladenkasse blieb Bargeld 2025 in 94 Prozent der Fälle möglich, doch an Selbstbedienungskassen und im Nahverkehr sinkt die Annahme spürbar.[1] 29 Prozent der Befragten sagen, der Weg zum nächsten Geldautomaten sei binnen zwei Jahren mühsamer geworden, besonders in den Großstädten.

Ein langer Trend setzt sich fort. Seit der ersten Erhebung 2008 verliert Bargeld Schritt für Schritt an Boden, von 49 Prozent unbarer Zahlungen 2023 auf jetzt 55 Prozent. Trotzdem bleibt Bargeld nach Stückzahl das meistgenutzte einzelne Zahlungsmittel. 80 Prozent der Menschen halten es für wichtig, auch künftig bar zahlen zu können.

Die Mehrheit zahlt inzwischen bargeldlos, doch die Schienen dahinter gehören überwiegend Apple, Google und PayPal. Der Handel, der europäische Wege wie Wero und den digitalen Euro links liegen lässt, verschenkt Marge und Kundendaten an genau diese Konzerne.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web

Die Bewegung reicht über die Studie hinaus. Parallel rüstet die Kreditwirtschaft die girocard für die In-App-Zahlung auf. Die EZB treibt den digitalen Euro voran, dessen Annahme für Händler zur Pflicht werden soll. An der Onlinekasse führt Wero bei dm bereits vor, dass eine europäische Konto-zu-Konto-Zahlung im Massenmarkt ankommt.

Deutschland kippt ins Bargeldlose
Die Bundesbank-Studie zum Zahlungsverhalten 2025 in Zahlen
55 %
der Alltagszahlungen liefen 2025 bargeldlos, erstmals die Mehrheit (2023: 49 %)
77 %
des Umsatzes liefen bargeldlos, weil Bargeld vor allem kleine Beträge deckt
10 %
aller Bezahlvorgänge liefen mobil, fast doppelt so viel wie 2023 (Apple Pay 41 %)
29 %
sagen, der Weg zum Geldautomaten wurde in zwei Jahren aufwendiger

Was den Deutschen wichtig bleibt

45 % bar
Bargeld bleibt nach Stückzahl das meistgenutzte einzelne Zahlungsmittel.
80 % dafür
halten es für wichtig, auch künftig bar zahlen zu können, 26 Prozent bevorzugen Bargeld.
63 % fordern
mehr europäische Autonomie im Zahlungsverkehr, etwa über den digitalen Euro.

Was heißt das für Handel und Entscheider?

Beides anbieten lautet die kurze Antwort. 73 Prozent der Bevölkerung befürworten eine Pflicht, neben Bargeld stets mindestens eine unbare Alternative bereitzuhalten. Die Akzeptanz unbarer Zahlung liegt bereits bei 86 Prozent der Käufe vor Ort.[1] Wie sehr der Zahlungsverkehr über den Geschäftserfolg entscheidet, unterschätzen viele Gründer noch.

Die Souveränitätsfrage rückt nach vorn. 63 Prozent der Befragten halten mehr europäische Autonomie im Zahlungsverkehr für nötig, während Apple Pay, Google Pay und PayPal die wachsende bargeldlose Hälfte dominieren.[1] Der digitale Euro und Verfahren wie Wero sollen dieses Gefälle verkleinern. Zugleich gerät der Kartenmarkt unter Druck, wie der jüngste Stellenabbau bei Visa zeigt.

FAQ: Deutschland zahlt erstmals mehrheitlich bargeldlos

Zahlen die Deutschen 2025 mehr bargeldlos als bar?

Ja. 2025 liefen erstmals seit Beginn der Bundesbank-Erhebung 2008 mehr Alltagszahlungen bargeldlos als bar, nämlich 55 Prozent gegenüber 45 Prozent mit Bargeld. Gemessen am Umsatz entfielen sogar 77 Prozent auf unbare Verfahren, weil Bargeld vor allem für kleine Beträge dient.

Wie viel Bargeld haben die Deutschen im Portemonnaie?

Im Schnitt tragen die Befragten 98 Euro Bargeld im Portemonnaie, wie die Bundesbank-Studie 2025 zeigt. Nur 4 Prozent verzichten ganz auf Bargeld, und 43 Prozent halten zusätzliche Barbeträge zu Hause, etwa als Notreserve oder zum Sparen.

Warum wird das Bargeldabheben schwieriger?

Banken dünnen ihr Filial- und Geldautomatennetz aus, deshalb berichten 29 Prozent der Befragten, der Weg zum Automaten sei in zwei Jahren aufwendiger geworden, vor allem in Großstädten. Über 80 Prozent des benötigten Bargelds kommen weiterhin aus Geldautomaten.

Was ist der digitale Euro?

Der digitale Euro ist eine geplante digitale Ergänzung zum Bargeld, die das Eurosystem für 2029 vorsieht. Er soll ein einheitliches europäisches Bezahlverfahren für alle Situationen schaffen und die Abhängigkeit von US-Anbietern verringern. 46 Prozent der Befragten haben bereits von ihm gehört.

Quelle

[1] Deutsche Bundesbank: „Zahlungsverhalten in Deutschland 2025“

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