Die girocard bekommt 2027 vier neue Funktionen und rückt damit erstmals in Bereiche vor, die bislang der Kreditkarte gehörten. Ab dem Frühjahr zahlen Verbraucher damit auch in Apps und hinterlegen Hotelkautionen ohne Kreditkarte. Für den deutschen Handel verschiebt der Umbau die Kostenrechnung an der Kasse.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenRund 8,3 Milliarden Mal zückten Verbraucher 2025 die girocard, mehr als jede andere Bezahlkarte in Deutschland. Trotzdem endete ihr Einsatz bisher am Hoteltresen und an der Mietwagentheke, wo die Kreditkarte Pflicht blieb. Genau diese Lücke schließt der Kartenbetreiber Euro Kartensysteme ab 2027.
Das Wichtigste in Kürze
- Vier neue Funktionen starten ab Frühjahr 2027: In-App-Zahlung, Vorautorisierung, Hotel- und Mietwagenreservierung sowie ein digitaler Altersnachweis.
- Die Vorautorisierung trennt die Freigabe vom Abbuchen und macht die girocard erstmals kautionsfähig.
- 2025 kam die girocard auf rund 308 Milliarden Euro Umsatz an bis zu 1.344.000 aktiven Terminals.
Was ändert sich 2027 an der girocard?

Der Kartenbetreiber Euro Kartensysteme bündelt vier Neuerungen in einem Rollout ab Frühjahr 2027. Christopher Kirsch, Direktor Produktentwicklung bei Euro Kartensysteme, nennt In-App-Zahlungen, die Vorautorisierung, Reservierungen für Hotels und Mietwagen sowie einen digitalen Altersnachweis am Automaten. Beim Bezahlen in Händler-Apps hinterlegen Kunden die Karte einmalig und stufen einen Anbieter per Whitelist als vertrauenswürdig ein.[1]
Payback Pay etwa setzt heute noch auf Lastschrift und Kreditkarte. Künftig ließe sich der Dienst direkt mit der girocard verknüpfen.
Warum die Kreditkarte ihr Monopol verliert?
Die Vorautorisierung ist der eigentliche Hebel. Bislang buchte eine Debitkarte einen Betrag sofort ab oder gar nicht, weshalb Hotels und Autovermieter auf die Kreditkarte bestanden. Künftig reserviert die girocard eine Kaution auf dem Konto, ohne den Betrag sofort abzubuchen. So trennt der Betreiber die Freigabe vom eigentlichen Abbuchen. Diese Entkopplung kennt der internationale Zahlungsverkehr längst; wie eine einzelne Transaktion technisch abläuft, zeigt das Beispiel des indischen Systems UPI.
Für Händler zählt vor allem der Preis. Eine Kreditkartenzahlung kostet den Handel rund ein halbes Prozent mehr als die girocard, die 2025 auf 8,3 Milliarden Transaktionen und rund 308 Milliarden Euro Umsatz kam.[2] Gegen europäische Alternativen wie Wero, das Lidl bereits im Onlineshop akzeptiert, positioniert der Betreiber die girocard neu.
Die girocard war jahrelang die Karte fürs Bezahlen an der Kasse und sonst nichts. Mit der Vorautorisierung greift die Bankenkarte erstmals das lukrativste Feld der Kreditkarte an, die Kaution.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Vier neue Funktionen ab Frühjahr 2027
Was bedeutet das für Händler und Verbraucher im DACH-Raum?
Für den Handel bedeutet der Schritt mehr Unabhängigkeit von Visa und Mastercard, deren Netze aus den USA gesteuert werden. Die girocard läuft über die deutsche Kreditwirtschaft und hält die Zahlungsdaten im europäischen Rechtsraum, was unter der DSGVO zählt. Der digitale Altersnachweis verlagert zugleich die Jugendschutz-Prüfung an den Automaten, ähnlich der Alterskontrolle, die Google gerade auf Android ausweitet.
Verbraucher profitieren vor allem bei der Kaution. Eine Reservierung per girocard schont den Kreditrahmen und meidet die Zinsfallen mancher Ratenzahlung, wie sie das BNPL-Modell birgt. Händler prüfen am besten früh, ob ihre Kassen- und App-Anbieter die vier Funktionen bis 2027 unterstützen.
Quellen
[1] girocard / Euro Kartensysteme: „In-App-Zahlungen mit der girocard“
[2] girocard / Euro Kartensysteme: „Jahreszahlen 2025: Bezahlen mit girocard weiterhin beliebt“
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