Schattenkredit statt Kreditkarte: das BNPL-Risiko

Michael Dobler
Autor Dr. Web
3 Min. Lesezeit
Schattenkredit statt Kreditkarte: das BNPL-Risiko

Amerikaner schieben einen Kreditkarten-Berg von 1,25 Billionen Dollar vor sich her. In Deutschland ist die Kreditkarte selten das Problem, dafür wächst ein anderes Risiko im Verborgenen. Buy Now, Pay Later verschiebt die Rechnung, und immer mehr junge Käufer verlieren den Überblick.

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Der Schattenkredit per BNPL ist der deutsche Gegenpol zum amerikanischen Kreditkarten-Problem. Während US-Haushalte ihre Schulden offen auf der Kartenabrechnung sehen, taucht die deutsche Variante auf keinem Kontoauszug auf. Genau das macht sie tückisch.

Das Wichtigste in Kürze

  • US-Haushalte halten 1,25 Billionen Dollar an Kreditkartenschulden, die Verzugsquote stabilisiert sich laut NY Fed zuletzt.
  • In Deutschland ist nicht die Karte das Risiko, sondern Buy Now, Pay Later.
  • Laut SCHUFA lag die Zahl neuer Zahlungsstörungen 2025 rund 13 Prozent über dem Vorjahr.
  • Eine BaFin-Umfrage zeigt: 24 Prozent der Unter-30-Jährigen nutzen BNPL, 14 Prozent verlieren den Überblick über offene Rechnungen.

Wie groß ist das US-Problem wirklich?

Papiertüte wirft Schatten „SCHATTENKREDIT“ und Untertitel auf Weiß
US-Haushalte schulden 1,25 Billionen Dollar auf Kreditkarten. Verzugsquoten bleiben stabil, Subprime-Haushalte am stärksten belastet

Die Zahl klingt dramatisch, die Entwicklung ist es weniger. US-Haushalte schulden auf Kreditkarten 1,25 Billionen Dollar, der Wert ging im ersten Quartal saisonal sogar zurück. Die Verzugsquoten veränderten sich laut New Yorker Fed kaum, bei Kreditkarten sank der Übergang in frühen Verzug von 8,7 auf 8,6 Prozent. Subprime-Haushalte tragen den größten Teil der Last, während Kunden mit guter Bonität stabil bleiben.

Warum trifft Deutschland das anders?

Grüne Lederhose trägt einen Münzstapel mit Aufschrift „BNPL“ und „Schattenkredit“-Schild
Buy-Now-Pay-Later-Services ermöglichen Rechnungs- und Ratenkäufe mit Zahlungsfristen von 14 bis 60 Tagen und Zinsen von 10 bis 18 Prozent

Hierzulande zahlen die wenigsten ihren Konsum auf Pump per Kreditkarte. An ihre Stelle tritt Buy Now, Pay Later, also der Rechnungs- oder Ratenkauf im Onlineshop. Anbieter räumen Zahlungsfristen von 14 bis 60 Tagen ein, bei Ratenzahlung werden 10 bis 18 Prozent Zinsen fällig. Unsichtbarkeit ist das eigentliche Problem. Diese Kleinkredite stehen weder auf der Kartenabrechnung noch fallen sie sofort auf. Laut SCHUFA hat fast jeder zweite BNPL-Nutzer in den vergangenen sechs Monaten mindestens eine Zahlungsfrist versäumt, ein Jahr zuvor war es nur gut ein Fünftel. Wie stark steigende Leitzinsen die Lage verschärfen, hängt am nächsten EZB-Entscheid.

Das eigentliche Risiko ist nicht die Höhe der Schuld, sondern ihre Unsichtbarkeit. Fünf parallele BNPL-Konten ergeben eine Summe, die nirgends auftaucht, und genau dort beginnt der Kontrollverlust.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web

Was bedeutet das für Entscheider?

Kreditkarte mit der Aufschrift „SCHATTENKREDIT“, angekettet an eine Kugel
Buy-now-pay-later treibt Umsätze, gefährdet aber Ruf durch steigende Ausfallquoten bei jungen und einkommensschwachen Kunden

Für Händler und Marketingverantwortliche im DACH-Raum ist BNPL Umsatztreiber und Reputationsrisiko zugleich. Steigende Zahlungsausfälle bei jungen Kunden belasten Retouren, Inkasso und Markenbild. Auch die Vermögensverteilung spielt hinein, denn das Finanzvermögen konzentriert sich weiter, während untere Einkommensgruppen anfälliger für solche Kleinkredite sind. SCHUFA-Vorstandschefin Tanja Birkholz mahnt, auch neue Kreditformen müssten verantwortungsvoll reguliert werden.

Konkret heißt das für Sie: Wenn Sie BNPL im Checkout anbieten, kommunizieren Sie Fristen und Ratenkosten transparent und kombinieren das mit einer sauberen Bonitätsprüfung. So sichern Sie den Umsatz, ohne Kunden in eine Schuldenfalle zu locken, die am Ende auf Ihr Geschäft zurückfällt.

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Michael Dobler
Autor
Ich bin der Herausgeber von Dr. Web. Um praxisfit zu bleiben, unterstütze ich darüber hinaus Kunden bei der digitalen Kundengewinnung und Kundenbindung. Erste eigene Gehversuche im Internet unternahm ich 1999 mit einem Kinomagazin. Nach 15 Jahren in Lohn und Brot, u.a. als Projektmanager für digitale Medien, machte ich mich schließlich Ende 2005 selbständig. Das war die beste berufliche Entscheidung meines Lebens.
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