Im badischen Schwanau eskaliert ein Streit um 20 Blumenkübel zur Standortfrage. Martin Herrenknecht erwägt, Teile seines Unternehmens abzuziehen, ausgerechnet den größten Gewerbesteuerzahler der Gemeinde. Für Kommunen im DACH-Raum steckt darin eine Lehre über den Umgang mit ihren Ankerbetrieben.

drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügen

Rund 7,1 Millionen Euro Gewerbesteuer fließen jährlich in den Haushalt von Schwanau, der größte Teil davon stammt von Herrenknecht. Genau diesen Zahler verärgert die Gemeinde gerade mit 20 Blumenkübeln, die der Tunnelbauer als Verkehrshindernis vor seinem Werk sieht. Der 84-jährige Firmengründer denkt nun laut über einen Teilabzug nach.

Das Wichtigste in Kürze

  • Herrenknecht erwägt, Servicegeschäft und Tiefengeothermie aus dem Ortsteil Allmannsweier zu verlagern.
  • Auslöser sind 20 Blumenkübel, die seit Oktober 2025 in einer Tempo-30-Zone für Streit sorgen.
  • Schwanau bezieht über ein Drittel seiner Einnahmen aus der Gewerbesteuer, vor allem von Herrenknecht.
  • Als möglicher Ausweichstandort gilt das Nachbardorf Rust.

Warum riskiert Schwanau seinen größten Zahler?

Gekipptes Holzfass mit Erde und Eurosymbol, daran Schild
Gemeinde und Tunnelbauer Herrenknecht geraten wegen Verkehrsberuhigungsmaßnahmen aneinander. Das Unternehmen entfernte Holzkübel aus Sicherheitsgründen und weigert sich, erneut nachzugeben

Die Gemeinde wollte den Verkehr vor dem Werk beruhigen, doch die Aktion hat eine wirtschaftliche Dimension bekommen. Herrenknecht ließ einen Teil der massiven Holzkübel schon im Oktober 2025 entfernen, begründet mit der Sicherheit der Beschäftigten auf dem Anfahrtsweg. Ein zweites Mal will der Firmenchef nicht zurückweichen.

Die Zahlen geben dem Tunnelbauer Gewicht. Schwanau kalkuliert laut Schwarzwälder Bote mit rund 7,1 Millionen Euro Gewerbesteuer, über 1.000 Euro pro Kopf und mehr als ein Drittel der Gemeindeeinnahmen, getragen vor allem von Herrenknecht. Der Hebesatz liegt bei niedrigen 250 Prozent, ein Standortvorteil, den der Ort dem Konzern jahrelang gewährt hat. Eine Verwaltung, die diesen Pfeiler über Blumenkübel ins Wanken bringt, handelt gegen das eigene Budget.

Was bedeutet der Fall für andere Kommunen?

Eine Miniatur-TBM bohrt sich durch einen Blumentopf mit Tagetes und einem Schilderhinweis
Herrenknecht erwägt Umzug nach Rust, wo die Gewerbesteuer pro Kopf noch höher ausfällt als in Schwanau

Als Ausweichstandort nennt Herrenknecht das Nachbardorf Rust, bekannt durch den Europa-Park. Pikant daran: Rust zieht pro Kopf noch höhere Gewerbesteuer als Schwanau und hält den Hebesatz ebenfalls niedrig. Der drohende Wegzug ginge also nicht ins Ungewisse, sondern in die noch wirtschaftsfreundlichere Gemeinde von nebenan. Damit steht Schwanau nicht allein. Der Standort Deutschland ringt mit teurer Energie und ausufernder Bürokratie, wie zuletzt die Debatte um Arbeitsplätze in der Autoindustrie zeigte.

Herrenknecht trägt über sieben Millionen Euro Gewerbesteuer und damit ein Drittel des Schwanauer Haushalts. Eine Gemeinde, die ihren größten Zahler über Holzkübel verliert, hat ihre Prioritäten gründlich verwechselt.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web

Für Kommunen liegt darin eine klare Lehre. Wir haben solche Eskalationen schon öfter beobachtet, und am Ende verliert meist die Verwaltung das Gesicht, nicht der Betrieb. Ratsam wäre, Ankerbetriebe früh einzubinden, bevor Symbolpolitik den Haushalt belastet. Woran die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Industrie hängt, ordnet unsere Analyse zur deutschen Schraube ein.

Mehr Newshunger?

4,2 13 Bewertungen

Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?