IBM und der US-Versicherer Allstate haben einen Quantencomputer auf ein klassisches Versicherungsproblem angesetzt: Wie stellt man ein Risikoportfolio zusammen, wenn ein einziger Tornado gleich eine ganze Nachbarschaft trifft? Der Ansatz zeigt, wo Quantenrechnen praktisch wird.

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Die Branche wartet seit Jahren auf den Moment, in dem Quantencomputer echte Geschäftsprobleme lösen. Das Quantencomputing bei Allstate ist ein konkreter Schritt in diese Richtung. Gemeinsam mit IBM hat der Versicherer einen hybriden Ansatz aus Quanten- und klassischem Rechnen auf die Optimierung von Risikoportfolios angewendet.

Das Wichtigste in Kürze

  • IBM und Allstate demonstrieren hybride Quanten-klassische Workflows für Versicherungsportfolios
  • Im Kern steht das Rucksackproblem, eine klassische Aufgabe der Informatik
  • Die gemeinsame Arbeit wurde im Mai 2026 auf arXiv veröffentlicht
  • Allstate sieht die Stärke im Denken vom Portfolio her, nicht vom Einzelrisiko

Was ist das Rucksackproblem bei Versicherungen?

Grauer Rucksack mit blauem Anhänger „Police“ und Haus-Symbol auf weißem Hintergrund
Das Rucksackproblem zeigt, wie Versicherer die wertvollste Risikokombination auswählen, ohne ihre Tragfähigkeit zu überschreiten

Das sogenannte Rucksackproblem fragt, wie man einen Behälter mit der wertvollsten Kombination von Gegenständen füllt, ohne ein Gewichtslimit zu überschreiten. Übertragen auf eine Versicherung heißt das: Welche Kombination von Risiken ergibt das beste Portfolio, ohne die Tragfähigkeit zu sprengen? Bei vielen miteinander verflochtenen Risiken wird die Rechnung für klassische Computer schnell unlösbar.

Genau diese Verflechtung macht das Problem hart. Ein einzelnes Schadenereignis kann mehrere Policen gleichzeitig treffen, wenn die versicherten Objekte räumlich nah beieinander liegen. Wer Wohngebäude versichert, muss daher vom Gesamtbestand her denken, nicht von der einzelnen Police.

Warum eignet sich gerade ein Quantencomputer?

Präzisionsgerät aus Gold und Kupfer mit kleiner Dinosaurierfigur in der Mitte auf weißem Grund
Quantencomputer optimieren Versicherungsportfolios mit korrelierten Risiken effizienter als klassische Systeme, indem sie komplexe Wechselwirkungen zwischen Policen schneller berechnen

Korrelierte Risiken sind der Stoff, an dem klassische Optimierung scheitert. Trifft ein Tornado eine Gemeinde, zahlt der Versicherer womöglich für das eigene Haus, das des Nachbarn und für jedes weitere Gebäude im Umkreis. Die Wechselwirkungen zwischen den Risiken vervielfachen die Rechenlast, je mehr Policen einbezogen werden.

Die im Mai auf arXiv veröffentlichte Arbeit untersucht, wie Quantenrechnen diese bisher unüberwindbaren Hürden angeht. Der Ansatz ist hybrid: Quanten- und klassische Verfahren arbeiten zusammen, statt dass ein Quantencomputer alles allein löst. Das passt zum aktuellen Stand der Technik, in dem reine Quantenhardware noch begrenzt ist.

Die Verzahnung von Quanten- und klassischem Rechnen ist ein Muster, das sich auch in Europa zeigt. Der Aufbau der entsprechenden Infrastruktur läuft parallel zum allgemeinen Forschungsschub bei deutschen Instituten.

Was bedeutet das für Entscheider?

Weißes Sparschwein mit Aufschrift „VERSICHERT“ und Geldschein in Trichteröffnung auf Weiß
Quantencomputer verlassen Labore und werden bei komplexen Optimierungsproblemen in Logistik, Finanzen und Versicherung eingesetzt

Der Fall markiert den Übergang vom Versprechen zur Praxis. Quantencomputing verlässt die Laborphase und wird auf reale Optimierungsprobleme angesetzt, bei denen klassische Rechner an Grenzen stoßen. Für Branchen mit komplexen Optimierungsaufgaben, etwa Logistik, Finanzen und Versicherung, lohnt der frühe Blick auf hybride Verfahren.

Praktisch heißt das, eigene Optimierungsprobleme darauf zu prüfen, ob sie eine Struktur wie das Rucksackproblem haben, und Pilotprojekte mit hybriden Methoden zu erwägen.

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