Die EU-Kommission will Unternehmen in strategisch wichtigen Sektoren per Gesetz zwingen, ihre Lieferketten breiter aufzustellen. Handelskommissar Maroš Šefčovič kündigte in Brüssel ein neues Diversifizierungsinstrument an, das Firmen zu mindestens drei Bezugsquellen verpflichtet.

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Die Seltenen Erden stehen dabei im Zentrum, denn über 90 Prozent des europäischen Bedarfs an Seltenerdmagneten stammen aus China. Das neue Instrument soll diese Abhängigkeit gesetzlich aufbrechen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die EU-Kommission plant ein Diversifizierungsinstrument, das Firmen in sensiblen Sektoren zu mindestens drei Bezugsquellen verpflichtet.
  • Betroffen sind strategisch wichtige Bereiche wie die Mikrochip-Produktion und die Versorgung mit Seltenen Erden.
  • Bis zum dritten Quartal 2026 will die Kommission das Instrument abschließen, beraten wird Mitte Juni auf einem EU-Gipfel.
  • Aus Berlin kommt Widerstand, die Bundesregierung warnt vor Risiken für deutsche Exportchancen, besonders im Automobilsektor.

Was sieht das neue Instrument vor?

Drei orange Hufeisenmagnete mit N/S-Kennzeichnung stehen in einer Reihe auf weißem Grund
EU verpflichtet strategische Firmen, Lieferketten auf mindestens drei Anbieter zu verteilen, um Abhängigkeiten zu reduzieren

Der Kern des Vorhabens ist eine Pflicht zur Streuung. Firmen in strategisch wichtigen Bereichen müssen ihre Bezugsquellen künftig auf mindestens drei verschiedene Anbieter verteilen. Damit reagiert Brüssel auf die Erfahrung, dass eine einzelne dominante Quelle die gesamte europäische Industrie verwundbar macht.

Die Abhängigkeit ist in Zahlen erdrückend. Bei Seltenerdmagneten stammen über 90 Prozent des europäischen Bedarfs aus China, das nicht nur den Abbau, sondern auch die Weiterverarbeitung dominiert. Peking hat die Exportregeln zuletzt verschärft und Ende Mai ein Tracking-System eingeführt, in das chinesische Produzenten ihre Kunden und Liefermengen eintragen müssen.

Der Zeitplan ist gesetzt. Bis zum dritten Quartal 2026 will die Kommission das Diversifizierungsinstrument abschließen, die Pläne zur wirtschaftlichen Sicherheit werden Mitte Juni auf einem EU-Gipfel beraten. Wie schwierig der Aufbau eigener Kapazitäten bleibt, zeigt unser Hintergrund zu den Seltenen Erden.

Eine Drei-Lieferanten-Pflicht klingt nach Bürokratie, ist aber eine Lehre aus dem chinesischen Exportstopp. Deutsche Hersteller müssen jetzt eine Risikoprämie einkalkulieren, sonst stehen 2027 die Bänder still.

— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web

Warum bremst ausgerechnet Berlin?

Pappkarton „Seltene Erden“ mit blockierten Lieferquellen und ausgewähltem EU-Lieferant
Bundesregierung warnt vor Risiken für deutsche Exporte durch Lieferketten-Diversifizierung. Unternehmen müssen Risikoprämien einkalkulieren; Mehrkosten erreichen bis zu 20 Prozent

Die Bundesregierung mahnt zur Vorsicht und verweist auf mögliche Risiken für deutsche Exportchancen, besonders im Automobilsektor. Unternehmen müssten künftig eine Risikoprämie einkalkulieren, um die höheren Kosten diversifizierter Lieferketten aufzufangen. Eine europäische Blitzumfrage zeigte bereits, dass ein Unternehmen die Mehrkosten der Diversifizierung auf bis zu 20 Prozent seines weltweiten Bruttoumsatzes schätzte.

Für Industriebetriebe mit Abhängigkeit von kritischen Rohstoffen heißt das, jetzt eine Risikoanalyse der eigenen Lieferkette anzustoßen. Prüfen Sie, ob Ihre Bezugsquellen die kommende Drei-Anbieter-Vorgabe erfüllen und planen Sie Ihren Compliance-Kalender fristgerecht. Ein verwandter Hebel ist das Recycling, wie unser Beitrag zur KI-gestützten Rohstoffsortierung zeigt.

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