33 Großstädte haben sich beim World Urban Forum in Baku verpflichtet, ihre Stadtplanung bis 2035 klimaresilient umzustellen. Mit dabei: Chicago, Paris, Tokio, Jakarta, Karachi. Nicht dabei: Berlin, Hamburg, München.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenStellen Sie sich vor, eine Stadt darf nicht mehr in Hochwasserzonen bauen, muss Bestandsgrün schützen und Klimadaten direkt in den Flächennutzungsplan schreiben. Genau das verspricht der C40-UN-Habitat Urban Planning Accelerator. Die Vereinbarung wurde am 20. Mai in Baku vorgestellt und ist die bislang konkreteste Selbstverpflichtung großer Städte zum klimaresilienten Stadtumbau.
Das Wichtigste in Kürze
- 33 Großstädte verpflichten sich bis 2035 auf klimaresiliente Stadtplanung
- Sechs Kontinente vertreten, darunter Chicago, Paris, Tokio, Jakarta, Madrid, Mailand
- Verdichtung statt Zersiedelung, Bebauungsverbote in Klimarisikozonen
- Keine deutsche Stadt bei den Unterzeichnern
- Städte könnten bis 2050 ihre Emissionen um bis zu 25 Prozent senken
Was verpflichten sich die Städte konkret?

Die Selbstverpflichtung umfasst sieben Punkte, die zusammen ein klimaresilientes Planungsmodell ergeben. Verdichtung tritt an die Stelle von Zersiedelung, mit polyzentrischer, kompakt verknüpfter Stadtstruktur. Neubauten in Hochrisikozonen für Starkregen, Hitze oder Erdrutsch werden eingeschränkt.
Natürliche Schutzsysteme wie Auenwälder, Stadtparks und Feuchtgebiete werden geschützt und wiederhergestellt. Bezahlbarer Wohnraum bleibt Priorität, weil Klimaresilienz ohne soziale Balance nicht funktioniert.
Der zweite wichtige Punkt: Klimadaten direkt in Flächennutzungspläne. Statt Klimaanpassung als nachträgliches Add-on zu behandeln, sollen Risikokarten und Hitzemodelle Pflichtbestandteil der Masterpläne werden.
Das ist der Kern dessen, was Paris seit der Hidalgo-Phase und Kopenhagen seit den Cloudburst-Konzepten praktisch vormachen. Neu ist der weltweite Anspruch: 33 Städte gleichzeitig, von Bogotá bis Quezon City.
Warum fehlt Deutschland in der Liste?

Die Unterzeichnerliste umfasst Accra, Amman, Athen, Barcelona, Bogotá, Buenos Aires, Cape Town, Chicago, Kopenhagen, Curitiba, Dar es Salaam, Durban, Fortaleza, Freetown, Guadalajara, Istanbul, Jakarta, Jeddah, Johannesburg, Karachi, Lima, Madrid, Medellín, Mailand, Paris, Portland, Quezon City, Quito, Rio de Janeiro, Tokio, Tshwane und weitere.
Keine deutsche Stadt hat unterschrieben. Hamburg, Berlin, München, Frankfurt und Köln sind C40-Mitglieder, aber im Accelerator nicht vertreten.
Eine Selbstverpflichtung ohne Sanktion ist halb so viel wert wie eine mit. Aber sie zwingt deutsche Großstädte, sich zu erklären, warum sie nicht dabei sind. Berlin und Hamburg haben Klimaanpassungspläne. Sie könnten jederzeit beitreten und sollten es 2027 tun.
— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Was sind die Zahlen hinter der Eile?

Städtische Flächen wachsen heute laut UN-Habitat 50 Prozent schneller als die städtische Bevölkerung. Wenn der Trend so weiterläuft, werden Städte bis 2050 ihre Fläche verdreifachen. Grünflächen in und um Städte sind zwischen 1990 und 2020 um knapp 29 Prozent geschrumpft. Mehr als eine Milliarde Menschen leben in Slums und informellen Siedlungen.
Der Weltklimarat IPCC rechnet vor, dass kompakte, gemischt genutzte und auf den ÖPNV ausgerichtete Stadtentwicklung die Emissionen bis 2050 um bis zu 25 Prozent senken kann.
Für DACH-Stadtverwaltungen lohnt der genaue Blick auf den Berichtsblock aus Baku, vor allem auf die konkreten Beispiele aus Tshwane (Südafrika), Fortaleza (Brasilien) und Bogotá (Kolumbien). Wer als deutsche Mittelstadt 2027 selbst beitreten will, kann sich an den Punkten orientieren: Risiko-Daten in den Masterplan, Verdichtung statt Außenring, Schutz natürlicher Systeme. Bonn macht das mit seinem Schwammstadt-Konzept bereits ansatzweise vor.
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