Sechs Wochen bleiben den deutschen Großstädten. Bis zum 30. Juni 2026 müssen sie nach Wärmeplanungsgesetz einen Wärmeplan vorlegen. Wer die Frist verpasst, hat ein politisches Problem und ein praktisches. Die kommunale Energiewende läuft ohne diesen Plan ins Leere. Und die Bürger, die jetzt ihre Heizung erneuern, brauchen die Information aus dem Plan.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenWann haben Sie zuletzt geprüft, ob Ihre Stadt schon einen Wärmeplan vorgelegt hat? Für viele Eigentümer ist genau das die Antwort darauf, ob die nächste Investition Gas, Wärmepumpe oder Fernwärme heißt.
Das Wichtigste in Kürze
- Stichtag 30. Juni 2026 für alle deutschen Großstädte über 100.000 Einwohner
- Städte unter 100.000 Einwohner: Frist 30. Juni 2028
- Rechtsgrundlage Wärmeplanungsgesetz (WPG), gekoppelt an das Gebäudeenergiegesetz
- Wärmeplan ist Voraussetzung für die kommunale Dekarbonisierungs-Förderung
Was verlangt das WPG genau?

Das Gesetz für die Wärmeplanung und Dekarbonisierung der Wärmenetze ist seit Anfang 2024 in Kraft. Es verpflichtet alle Kommunen, einen flächendeckenden Plan vorzulegen, der zeigt, wie die Wärmeversorgung im jeweiligen Gebiet künftig aussieht. Das umfasst Bestandsaufnahme, Eignungsprüfung, Zielszenario und Maßnahmenplanung. Großstädte über 100.000 Einwohner müssen den Plan bis 30. Juni 2026 vorlegen. Kleinere Kommunen haben bis 30. Juni 2028 Zeit.
Der Paragraf 10f WPG gibt den Planungsstellen das Recht, große Datenmengen einschließlich personenbezogener Informationen elektronisch zu erfassen und maschinell zu verarbeiten. Das ist die juristische Basis für den Einsatz digitaler Zwillinge in der Wärmeplanung. Wer den Schwammstadt-Ansatz kennt, sieht die Verzahnung: Klimaanpassung, Wassermanagement und Wärmeplanung greifen zunehmend ineinander.
Wer steht wo?

Eine bundesweite Übersicht liegt aktuell nicht offiziell vor, weil die Pläne im Verfahren der jeweiligen Gemeindevertretung beschlossen werden. Branchenkenner schätzen, dass rund 70 Prozent der betroffenen Großstädte den Stichtag halten werden. Die übrigen 30 Prozent reichen entweder verspätet ein oder legen Pläne mit Lücken vor. Hamburg, München, Köln, Frankfurt und Stuttgart gelten als fortgeschritten. Mehrere Ruhrgebietsstädte sind in Verzug, weil die kommunalen Werke noch Daten aufarbeiten.
Praktisch wird der Plan überwiegend extern vergeben. Stadtwerke und private Beratungen übernehmen die Arbeit, die Kommunen prüfen das Ergebnis. Das schafft ein Datensouveränitätsproblem: Kontrolliert jemand die Plausibilität der Annahmen? Wer hält die Daten langfristig vor? Diese Fragen sind in vielen Kommunen ungeklärt.
Ein Wärmeplan, der nur als PDF im Schubladenfach verschwindet, ist keine Erfüllung des Gesetzes. Der eigentliche Wert liegt in der Datengrundlage, die für Bauleitplanung, Flächennutzungsplan und Klimaanpassung weiterverwendet wird. Wer als Stadt diese Souveränität nicht sichert, hat 2026 erfüllt und 2030 nichts.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was bedeutet das für Eigentümer?

Für Eigenheim- und Wohnungsbesitzer ist der Wärmeplan die Entscheidungsgrundlage für die nächste Heizungsinvestition. Sobald die Stadt einen Plan vorlegt, ist klar, welche Gebiete an die Fernwärme angeschlossen werden, welche Quartiere auf Wärmepumpen umgestellt werden und welche Bereiche Wasserstoff oder Biogas-Hybrid sehen.
Wer vor Veröffentlichung des Plans eine neue Gas-Brennwerttherme einbaut, riskiert, in zwei Jahren auf Fernwärme umstellen zu müssen.
Branchenkenner empfehlen Eigentümern, die Heizung-Erneuerung wenn möglich bis zur Verabschiedung des kommunalen Wärmeplans zu verschieben. Falls die Therme einen akuten Defekt hat, helfen vorläufige Auskünfte des Stadtwerks weiter.
Welche Rolle spielen digitale Zwillinge?

Die Wärmeplanung ist eines der ersten kommunalen Aufgabenfelder, in dem digitale Zwillinge produktiv eingesetzt werden. Hamburg, München und Köln arbeiten mit datenbasierten Stadtmodellen, die Gebäudealter, Heizungstypen, Energieverbräuche und Netzlast simulieren. Das beschleunigt die Plan-Erstellung und macht Szenarien sichtbar. Für die anschließende Klimaanpassung, etwa die Steuerung von Hitzeschutz und Starkregenreaktion, lassen sich die Daten weiterverwenden. Damit verbinden sich Wärmeplanung und 15-Minuten-Stadt-Konzepte zu einer durchgängigen Stadtentwicklungsstrategie.
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