Der chinesische Streaming-Konzern iQIYI produziert seine ersten KI-Filme jetzt zum Bruchteil der bisherigen Kosten, der Quartalsverlust wuchs trotzdem. Im zweiten Quartal 2026 sank der Umsatz um 5 Prozent auf 805 Millionen Euro, der Nettoverlust hat sich auf 36,8 Millionen Euro mehr als verdoppelt. Vorstandschef Gong Yu setzt auf durchgängig maschinell erzeugte Inhalte, um die Produktion zu verbilligen. Ob billigere Filme die Abonnenten zurückholen, ist die eigentliche Frage.

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Das Wichtigste in Kürze

  • iQIYIs Nettoverlust stieg im zweiten Quartal 2026 auf 36,8 Millionen Euro, nach 17,1 Millionen Euro ein Jahr zuvor.
  • Vollständig KI-generierte Netz-Spielfilme senken laut iQIYI Produktionskosten und Produktionszeit um 70 bis 90 Prozent.
  • Chinas erster KI-Langfilm mit regulärer Sendelizenz startete am 23. Juli 2026.
  • Auch Baidu, Kuaishou und ByteDance industrialisieren die KI-Content-Produktion.

Warum setzt iQIYI auf Filme aus der KI-Fabrik?

Filmklappe mit „minus 90 Prozent“-Zettel auf Fließband, weitere Klappen im Hintergrund
iQIYI senkt Produktionskosten durch KI-generierte Inhalte um 70 bis 90 Prozent. Ein KI-Team ersetzt Drehorte, Kamerateams und Postproduktion vollständig

iQIYI verbilligt mit durchgängig KI-generierten Produktionen den teuersten Posten seiner Bilanz, die Inhalte, um 70 bis 90 Prozent. Der Mechanismus dahinter bleibt schlicht: Ein KI-Team ersetzt Drehorte, Kamerateams und Postproduktion.

Für seinen ersten KI-Mystery-Film entwarf ein rund zwanzigköpfiges Team über 200 Figuren- und Bildwelten am Rechner und lieferte gut 60 Minuten in 4K. Als erster KI-Langfilm Chinas mit regulärer Sendelizenz startete der Titel am 23. Juli 2026. Sechzehn weitere KI-Mitteldramen laufen bereits im Programm.

Der Antrieb liegt im Geschäftsmodell. Die Mitgliedserlöse, iQIYIs größte Einnahmequelle, schrumpften auf 513 Millionen Euro, das Werbegeschäft kommt auf 160 Millionen Euro. Billige KI-Inhalte füllen den Katalog, ohne die Kasse weiter zu belasten.

Rechnet sich der KI-Umbau schon?

Noch nicht: Trotz billigerer Produktion vertiefte sich iQIYIs Quartalsverlust auf 36,8 Millionen Euro, nach 17,1 Millionen ein Jahr zuvor.[1] Der operative Verlust lag bei 13,4 Millionen Euro, vor allem eine höhere Steuerlast belastete das Ergebnis.

Die Kostensenkung ändert damit wenig am Kernproblem: Zahlende Abonnenten bleiben aus, und günstigere Filme holen das Publikum nicht automatisch zurück.

iQIYI steht mit dieser Wette nicht allein. Baidu produziert inzwischen 170.000 KI-Kurzdramen pro Quartal am Fließband, Kuaishou verdreifachte den Umsatz seines Videogenerators Kling. Auch ByteDance ordnet seine KI-Videomodelle neu und verhandelt mit Hollywood über Leitplanken. Chinas Plattformen industrialisieren die Bewegtbild-Produktion im Rekordtempo.

iQIYI beweist gerade, dass sich Filmproduktion auf zehn Prozent der Kosten drücken lässt. Nur kauft niemand ein Abo, weil ein Katalog billiger entstanden ist.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web

Der Sprung von Einzelversuchen zur regulierten Serienproduktion reiht sich in eine breite KI-Entwicklung ein. Für europäische Anbieter verschiebt diese Kostenkurve den Wettbewerb.

iQIYIs KI-Filme in Zahlen
Zweites Quartal 2026, alle Beträge in Euro
805 Mio. €
Quartalsumsatz, 5 Prozent unter dem Vorjahr
36,8 Mio. €
Nettoverlust, nach 17,1 Mio. € ein Jahr zuvor
70 bis 90 %
weniger Produktionskosten mit vollständiger KI-Produktion
513 Mio. €
Mitgliederumsatz, 2 Prozent unter dem Vorjahr
Ein KI-Langfilm, gerechnet in Aufwand
Rund 20 Personen, über 200 selbst erzeugte Figuren- und Bildwelten, gut 60 Minuten Laufzeit in 4K. Chinas erster KI-Langfilm mit regulärer Sendelizenz startete am 23. Juli 2026.

Was bedeutet der KI-Content-Boom für den DACH-Raum?

Für deutschsprachige Anbieter zählt zweierlei: die Kennzeichnungspflicht des EU AI Act und der Kostendruck durch KI-Kataloge aus China. Seit dem 2. August 2026 verlangt Artikel 50 der KI-Verordnung, dass synthetische Bild- und Videoinhalte maschinenlesbar markiert sind.[2] Bei Verstößen drohen bis zu 15 Millionen Euro oder 3 Prozent des weltweiten Jahresumsatzes.

Urheberrechtlich bleibt ein rein maschinell erzeugter Film heikel. Ohne menschliche Schöpfungshöhe genießt der Film nach deutschem Recht keinen Schutz, ein billiger KI-Katalog lässt sich damit auch frei kopieren. Persönlichkeitsrechte an Gesicht und Stimme realer Personen bleiben dagegen bestehen.

Strategisch verschiebt sich die Kostenbasis der ganzen Branche. Produzenten in Deutschland, Österreich und der Schweiz konkurrieren künftig mit Inhalten, deren Herstellung ein Zehntel kostet. Ratsam sind vor dem nächsten Projekt drei Handgriffe:

  • die KI-Anteile jeder Produktion sauber kennzeichnen und dokumentieren
  • die Rechtekette bis zu Gesichtern, Stimmen und Trainingsdaten prüfen
  • die eigenen Stückkosten gegen den neuen KI-Benchmark rechnen

Quellen

[1] iQIYI: „iQIYI Announces Second Quarter 2026 Financial Results“

[2] Amtsblatt der EU: Verordnung (EU) 2024/1689 (KI-Verordnung), Artikel 50

FAQ: iQIYIs KI-Filme

Was ist ein KI-generierter Netz-Spielfilm?

Ein KI-generierter Netz-Spielfilm entsteht komplett am Rechner. Ein Team beschreibt Figuren, Szenen und Dialoge, KI-Modelle erzeugen daraus Bild, Bewegung und Ton. Klassische Drehorte und Kamerateams entfallen. iQIYIs erster lizenzierter Titel läuft rund 60 Minuten in 4K.

Wie viel spart KI in der Filmproduktion?

iQIYI beziffert die Ersparnis bei vollständig KI-generierten Projekten auf 70 bis 90 Prozent, sowohl bei den Produktionskosten als auch bei der Produktionszeit. Der genaue Wert hängt von Umfang, Qualitätsanspruch und Nachbearbeitung ab.

Dürfen KI-Filme in der EU ohne Kennzeichnung laufen?

Nein. Seit dem 2. August 2026 verlangt Artikel 50 des EU AI Act, dass KI-erzeugte Bild- und Videoinhalte maschinenlesbar gekennzeichnet werden. Bei Verstößen drohen Bußgelder bis zu 15 Millionen Euro oder 3 Prozent des weltweiten Jahresumsatzes.

Sind rein KI-generierte Filme urheberrechtlich geschützt?

Nach deutschem Recht genießt ein rein maschinell erzeugtes Werk keinen Urheberrechtsschutz, weil die persönliche geistige Schöpfung fehlt. Ein KI-Katalog lässt sich damit frei kopieren. Persönlichkeitsrechte an Gesicht und Stimme realer Personen bleiben davon unberührt.

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