19,8 Milliarden Yuan, umgerechnet rund 2,66 Milliarden Euro, überwiesen Investoren bis Freitag an Kling, die KI-Videotochter des Kurzvideo-Konzerns Kuaishou. Ein Geldgeber aus Abu Dhabi blieb seine Einlage schuldig, dafür stiegen der Softwarekonzern Kingdee und der Chipentwickler MetaX ein. Ohne Börsengang bis Oktober 2031 dürfen alle Investoren ihr Geld samt 8 Prozent Jahreszins zurückverlangen.
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„Objektive Gründe, die keiner Vertragspartei zuzurechnen sind“, nennt Kuaishou in seiner Pflichtmitteilung an die Hongkonger Börse vom 30. Oktober als Ursache für zwei geplatzte Zusagen.[1] BFI Midco aus Abu Dhabi überwies ihre Einlage nicht rechtzeitig, die chinesische Beteiligungsgesellschaft Dakang Lanwu blieb einen Restbetrag von 13,5 Millionen Euro schuldig. Kling hob die Verträge mit beiden auf.
Das Wichtigste in Kürze
- Kling erhält 2,66 Milliarden Euro, 87 Millionen weniger als geplant.
- Kingdee und der Chipentwickler MetaX übernehmen einen Teil der geplatzten Zusagen.
- Kuaishou behält 52,45 Prozent der Stimmen, Kling-Chef Gai Kun kommt auf 23,72 Prozent.
- Bis Ende Juli 2027 muss Kling eine Auslandsgesellschaft übernehmen, bis Oktober 2031 an die Börse gehen.
Warum fehlen Kling 87 Millionen Euro?

Die Zahlungsfrist endete am 30. Oktober, 120 Tage nach Unterzeichnung der Verträge am 2. Juli.[2] Bis dahin fehlten die 71,6 Millionen Euro der BFI Midco, gerechnet zum EZB-Kurs vom selben Tag. Die Gesellschaft mit Sitz im Finanzzentrum Abu Dhabi Global Market ist eine Tochter der BlueFive Investments Holding,[3] deren wirtschaftlich Berechtigter laut Kuaishou der Investor Hazem Ben-Gacem ist.[2]
Dakang Lanwu hatte rund 118 Millionen Euro zugesagt und trat 105 Millionen davon an fünf andere Investoren ab.[1] Der Softwarekonzern Kingdee übernahm rund 40 Millionen Euro. MetaX, ein in Schanghai notierter Entwickler von Grafikprozessoren für KI-Training, beteiligt sich mit 13,5 Millionen Euro. Mit MetaX sitzt ein Chiphersteller im Gesellschafterkreis eines Dienstes, der für jedes Video Rechenzeit auf Grafikprozessoren verbraucht.
Wer bestimmt bei Kling?
Kuaishou hält rund zwei Drittel des Kapitals und 52,45 Prozent der Stimmrechte. Kling-Chef Gai Kun besitzt über das Beteiligungsprogramm der Tochter 3,02 Prozent der Anteile, verfügt aber über 23,72 Prozent der Stimmen.[1] Die externen Investoren kommen zusammen auf gut 16 Prozent des Kapitals und knapp 13 Prozent der Stimmen, wenn alle Mitarbeiteranteile ausgegeben sind. Zu den Geldgebern zählen der staatliche KI-Fonds mit 188 Millionen Euro, Alibaba Cloud mit 183 Millionen Euro, Baidu und der Kuaishou-Großaktionär Tencent.
Gelingt Kling bis zum 30. Oktober 2031 kein Börsengang, darf jeder Geldgeber seine Anteile zum Einstiegspreis plus 8 Prozent einfacher Verzinsung pro Jahr zurückgeben.[2] Verlangen alle Investoren ihr Geld zurück, schuldet Kling nach fünf Jahren rechnerisch mindestens 3,7 Milliarden Euro. Im Oktober hatte Kling laut Bloomberg Banken für einen Börsengang in Hongkong ausgewählt.
Acht Prozent Zins bei Rückgabe machen aus Risikokapital ein Darlehen mit Börsenoption. Für Kling läuft die Uhr bis 2031.
Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was bedeutet der Abschluss für Kling-Kunden in Europa?
Mit dem Ende der Einzahlungen beginnt eine zweite Frist bis Ende Juli 2027. Bis dahin muss Beijing Kling eine Betriebsgesellschaft im Ausland vollständig übernehmen, eine Telekommunikationslizenz für Internetdienste erhalten und seine KI-Modelle bei den chinesischen Behörden registrieren.[2] Verpasst Kling diese Frist, dürfen die Investoren schon 2027 aussteigen. Welche Auslandsgesellschaft gemeint ist, nennt Kuaishou nicht.
Verträge mit europäischen Kunden schließt heute die Kling AI Pte. Ltd. in Singapur, die Daten liegen laut Datenschutzerklärung auf Servern dort.[4] Für Singapur hat die EU-Kommission keinen Angemessenheitsbeschluss erlassen. Unternehmen, die mit Kling Werbevideos erzeugen, sollten deshalb in Nutzungsbedingungen und Vereinbarung zur Auftragsverarbeitung nachsehen, wer ihr Vertragspartner ist. Wechseln bis Sommer 2027 Vertragspartner oder Serverstandort, müssen die Firmen die Übermittlung personenbezogener Daten nach Art. 44 ff. DSGVO neu prüfen, etwa ob Standardvertragsklauseln nach Art. 46 greifen.[5]
Quellen
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- Kuaishou Technology, Börsenmitteilung HKEXFurther Updates to and Completion of the Discloseable Transactions and Connected Transactions in Relation to the Subscriptions and the Grant of the Redemption Rights Thereof (englisch, PDF)
- Kuaishou Technology, Börsenmitteilung HKEXDiscloseable Transactions and Connected Transactions in Relation to the Subscription, the Grant of the Redemption Rights … (englisch, PDF)
- Kuaishou Technology, Börsenmitteilung HKEXUpdates to the Discloseable Transactions and Connected Transactions in Relation to the Subscriptions … (englisch, PDF)
- Kling AIPrivacy Policy (englisch, Stand 21. April 2026)
- Europäische UnionVerordnung (EU) 2016/679 (Datenschutz-Grundverordnung), Art. 44 bis 46
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