Der chinesische KI-Entwickler Zhipu sammelt in einem Zug rund 4,35 Milliarden Euro ein, ohne dafür einen Cent Zinsen zu zahlen. Rund 1,74 Milliarden Euro stammen aus einer Aktienplatzierung, gut 2,6 Milliarden aus einer zinslosen Wandelanleihe. Das Kapital fließt vor allem in Rechenleistung und die nächste Modellgeneration.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenZhipu, in Hongkong als Z.AI notiert, kündigte die Runde am 13. September 2026 an, die zweite binnen zwei Monaten.[1] Für Zhipu ist es billiges Kapital in einem Markt, in dem allein die Rechenleistung über den Anschluss an die Spitze entscheidet.
Das Wichtigste in Kürze
- Gesamtvolumen rund 4,35 Milliarden Euro (5 Milliarden US-Dollar): 1,74 Milliarden aus einer Aktienplatzierung, 2,61 Milliarden aus einer zinslosen Wandelanleihe.
- Die Anleihe läuft bis September 2027, der Wandlungspreis liegt 25 Prozent über dem Platzierungskurs.
- Rund 60 Prozent der Mittel gehen in Forschung und Rechenleistung, der Rest in Expansion und Zukäufe.
Was Zhipu mit dem Geld vorhat

Die Runde besteht aus zwei Teilen. Zhipu platzierte rund 22 Millionen neue Aktien zehn Prozent unter dem Börsenkurs, das brachte 1,74 Milliarden Euro. Parallel begab das Unternehmen zinslose Wandelanleihen über rund 2,6 Milliarden Euro, fällig im September 2027. Diese Doppelstruktur aus Eigen- und Fremdkapital bringt frisches Geld, ohne den Kurs sofort zu verwässern.
Rund 60 Prozent der Erlöse steckt Zhipu nach eigenen Angaben in Forschung und Entwicklung, der Rest in Rechenzentren, Geschäftsausbau und Zukäufe. Genau hier liegt der Engpass: Chinas Labore laufen wegen der US-Exportkontrollen zunehmend auf heimischen Chips. Zhipu betreibt seine Modelle bereits auf zehntausenden inländischen Beschleunigern.
Warum eine Wandelanleihe ohne Zinsen?
Eine Anleihe ohne Zinskupon klingt nach einem Geschenk, ist aber ein kalkuliertes Tauschgeschäft. Die Investoren verzichten auf laufende Zinsen. Ihr Gewinn steckt allein im Wandlungsrecht: Steigt die Aktie bis 2027 über den Wandlungspreis, tauschen sie die Anleihe in Aktien und kassieren die Differenz. Der Aufschlag von 25 Prozent auf den Platzierungskurs ist die Kurswette, auf die sich beide Seiten einlassen.
Für Zhipu ist der Reiz klar. Das Unternehmen bekommt Milliarden ohne Zinslast und verwässert seine Aktionäre nur, wenn der Kurs ohnehin kräftig zulegt. Der Haken: Bleibt die Aktie unter dem Wandlungspreis, muss Zhipu die Anleihe 2027 in bar zurückzahlen. Das jüngste Auf und Ab an der Börse zeigt, wie riskant diese Annahme ist.
Zinslose Milliarden sind kein Vertrauensbeweis in Zhipu, sondern eine Wette auf einen weiter steigenden Kurs. Fällt die Aktie, wird aus dem billigen Kapital eine teure Rückzahlung.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Wettlauf ums Kapital
Zhipu steht mit dem Kapitalhunger nicht allein. Seit dem Börsengang im Januar 2026 sammelte das Unternehmen über drei Runden gut 8,3 Milliarden Euro ein, davon 3,48 Milliarden im Juli. Auch die Rivalen aus Chinas KI-Szene sammeln: Moonshot wirbt französisches Kapital für einen Börsengang ein, MiniMax bereitet den Sprung aufs Parkett vor. Dieser Kapitalwettlauf läuft parallel zum Preiskampf um die günstigsten Modelle.
Für deutschsprachige Entscheider ist der Ausgang direkt spürbar. Zhipus GLM-Reihe gehört zu den offenen Modellen mit frei verfügbaren Gewichten, die sich lokal und DSGVO-nah betreiben lassen. Ein prall gefülltes Zhipu hält den Preisdruck auf europäische Anbieter hoch, allen voran auf das mit drei Milliarden Euro finanzierte Mistral. Beim Einsatz chinesischer Modelle bleibt die geopolitische Prüfung Pflicht: US-Behörden führen Z.AI auf einer Liste mit dem von Peking zurückgewiesenen Vorwurf fragwürdiger Trainingsmethoden.
Für die Praxis heißt das: GLM und andere offene China-Modelle lohnen einen Test als günstige Alternative. Beim produktiven Einsatz gehören Datenfluss, Hosting-Ort und Compliance vorab geklärt, dazu eine zweite Bezugsquelle, falls die Regulierung nachzieht.
Quelle
Mehr Newshunger?
- Chinas KI-Aktien verlieren die Hälfte: Zhipu und MiniMax stürzen an der Börse
- DeepSeek bereitet den Börsengang vor, bewusst in Schanghai statt Hongkong
- Chinas Kimi-Macher Moonshot: Französisches Kapital wettet auf den Börsengang
- Mistral sammelt 3 Milliarden Euro ein: Europas größte Tech-Finanzierungsrunde
- GLM Coding Plan: Zhipu unterbietet Claude Code für 15 Euro im Monat
- Chinesische KI-Modelle: Warum das Silicon Valley heimlich umsteigt