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Der Laborautomatisierer Stratec verkauft das Hämatologie-Geschäft seiner ungarischen Tochter Diatron zum Festpreis von 10 Mio. € an ein indisches Investorenkonsortium. Im dritten Quartal bucht das Unternehmen aus Birkenfeld dafür Wertminderungen von 44,1 Mio. €. Ohne die Sparte soll die bereinigte EBIT-Marge 2026 auf 13 bis 15 % steigen.

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Inhalt 5 Abschnitte
  1. Warum passt Diatron nicht mehr zu Stratec?
  2. Was ändert der Verkauf an Zahlen und Prognose?
  3. Ist das ein Einzelfall?
  4. Was sollten Labore und Anleger jetzt prüfen?
  5. Mehr Newshunger?

Auf jeden Euro Umsatz kommen bei Diatron in diesem Jahr 50 Cent Verlust: Stratec plant für den Geschäftsbereich rund 20 Mio. € Umsatz und ein bereinigtes EBIT von minus 10 Mio. €.[1] Zehn Jahre nach der Übernahme gibt Stratec die eigene Gerätemarke ab.

Auf einen Blick

Das Wichtigste in Kürze

  • Stratec verkauft Diatron MI mit allen Produkten für Hämatologie und klinische Chemie, der feste Kaufpreis liegt bei 10 Mio. €.
  • Im dritten Quartal fallen Wertminderungen von 44,1 Mio. € an, im vierten ein Entkonsolidierungseffekt von 4 bis 9 Mio. €.
  • Ohne die Sparte erwartet Stratec für 2026 eine bereinigte EBIT-Marge von 13 bis 15 % statt rund 10 %.
  • Die Mittelfristziele aus dem Frühjahr gelten nicht mehr.

Warum passt Diatron nicht mehr zu Stratec?

Ein weißes Reagenzglasgestell mit vier Reagenzgläsern, davor ein Reagenzglas mit orangefarbenem Verschluss und einem Schild mit der Aufschrift „Verkauft“
Stratec fertigt Analysesysteme für Partner in Diagnostik und Life Sciences, während Diatron Hämatologiegeräte mit Reagenzien direkt an Arztpraxen und kleinere Labore verkauft

Stratec entwickelt und fertigt vollautomatische Analysesysteme für Diagnostik- und Life-Science-Unternehmen, die der Konzern seine Partner nennt.[3] Diatron dagegen verkauft Hämatologiegeräte mit Reagenzien, Kontrollmaterialien und Kalibratoren unter eigenem Namen, etwa an Arztpraxen und kleinere Labore; mehr als 40.000 Geräte sind nach Stratec-Angaben im Einsatz.[4] Für die eigene Marke muss Stratec die Kunden selbst gewinnen, im Partnergeschäft übernehmen das die Diagnostikkonzerne.

Bei der Übernahme 2016 setzte ganz Diatron mit rund 200 Beschäftigten etwa 34 Mio. € um.[5] Der jetzt verkaufte Teil kam 2025 rechnerisch auf 27,4 Mio. €, um diesen Betrag liegt der Pro-forma-Umsatz unter dem gemeldeten Konzernumsatz.[1][2] Im März hatte Stratec 10,5 Mio. € auf eine Diatron-Produktfamilie abgeschrieben, wegen einer verzögerten Markteinführung und gesunkener Absatzchancen.[2] Das OEM-Geschäft von Diatron in der Molekular- und Immundiagnostik hat Stratec vor dem Verkauf herausgelöst und behält diesen Teil.[1]

Was ändert der Verkauf an Zahlen und Prognose?

Wertminderung und Entkonsolidierung kosten kein Geld, sie mindern den Buchwert.[1] Mit der Abschreibung vom März summieren sich die Belastungen auf 58,6 bis 63,6 Mio. €, der feste Kaufpreis liegt bei 10 Mio. €.

Der Sprung bei der Marge entsteht vor allem durch Weglassen. Ein Verlust von 10 Mio. € entspricht auf den Pro-forma-Umsatz von 223,5 Mio. € rund 4,5 Prozentpunkten. Stratec weist Diatron für 2026 rückwirkend als aufgegebenen Geschäftsbereich aus, getrennt vom fortgeführten Geschäft, wie es der Rechnungslegungsstandard IFRS 5 vorsieht.[1][6]

Beim Umsatz ist der Vorstand vorsichtiger: Im März stellte Stratec für den Konzern währungsbereinigt ein Wachstum im mittleren bis hohen einstelligen Prozentbereich in Aussicht, für das fortgeführte Geschäft erwartet der Vorstand nun ein stabiles bis leicht steigendes Volumen.[1][2] Nach neun Monaten stehen, Diatron noch eingerechnet, 164,9 Mio. € Umsatz und eine bereinigte EBIT-Marge von 8,3 %.

Stratec trennt sich von Diatron
Ad-hoc-Mitteilung vom 30. Oktober 2026, Zahlen für das Geschäftsjahr 2026
10 Mio. €
fester Kaufpreis, dazu Zahlungen, die vom späteren Erfolg abhängen
44,1 Mio. €
Wertminderung im dritten Quartal, im März waren es schon 10,5 Mio. €
−10 Mio. €
bereinigtes EBIT der Sparte 2026 bei rund 20 Mio. € Umsatz
13–15 %
neue Prognose für die bereinigte EBIT-Marge, zuvor rund 10 %

Zehn Jahre Diatron bei Stratec

31. März 2016
Stratec übernimmt Diatron aus Budapest, rund 200 Beschäftigte, 34 Mio. € Umsatz im Jahr 2015
25. März 2026
Wertminderung von 10,5 Mio. € auf eine Diatron-Produktfamilie
30. Oktober 2026
Vertrag mit einem indischen Investorenkonsortium
12. November 2026
Quartalsmitteilung für die ersten neun Monate
viertes Quartal 2026
erwarteter Vollzug des Verkaufs

Stratecs Marge steigt, weil ein Verlustbringer wegfällt. Wachsen muss das Kerngeschäft trotzdem aus eigener Kraft.

Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
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Ist das ein Einzelfall?

Siemens Healthineers verkauft seit dem 12. Oktober keine Ultraschallgeräte für die allgemeine Bildgebung mehr und behält nur den Ultraschall für Eingriffe am Herzen. Als Grund nannte eine Sprecherin den harten Wettbewerb. Die Stratec-Mitteilung nennt weder einen Grund jenseits der Verluste noch den Käufer.[1]

Was sollten Labore und Anleger jetzt prüfen?

Praxen und Labore mit Diatron-Geräten wie Abacus 380 oder Aquarius 3 sollten bis zum Vollzug im vierten Quartal klären, wer künftig Reagenzien und Wartung liefert.[1][4] Anleger bekommen am 12. November die Quartalsmitteilung, neue Mittelfristziele spätestens mit dem Geschäftsbericht 2026. Die Mitteilung kam am Freitag um 22:49 Uhr, zuvor hatte die Aktie auf Xetra bei 22,50 € geschlossen.

Quellen

6 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
  1. Stratec SEStratec verkauft verlustbringenden Geschäftsbereich, nimmt Wertminderungen vor und passt Ausblick an (Ad-hoc-Mitteilung über EQS News, 30. Oktober 2026, abgerufen bei onvista)
  2. Stratec SEStratec berichtet Wertminderungen und vorläufige Geschäftszahlen 2025 und gibt Ausblick auf 2026 (Ad-hoc-Mitteilung, 25. März 2026, abgerufen bei Der Aktionär)
  3. Stratec SEÜber uns (Unternehmensseite, abgerufen am 31. Oktober 2026)
  4. Stratec SEHematology by Diatron (Produktseite, abgerufen am 31. Oktober 2026)
  5. Legal Tribune OnlineBaker & McKenzie / Allen & Overy: Stratec erwirbt Diatron (2016)
  6. IFRS FoundationIFRS 5 Non-current Assets Held for Sale and Discontinued Operations (Standardübersicht)

Mehr Newshunger?

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