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Qiagen hat sich mit dem Finanzinvestor EQT auf eine Übernahme geeinigt. EQT bietet 46,50 Euro je Aktie und bewertet den Diagnostikkonzern mit 10,8 Milliarden Euro, darin enthalten sind knapp 1 Milliarde Euro Nettoschulden. Vorstand und Aufsichtsrat empfehlen den Aktionären, das Angebot anzunehmen.

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Ein Absatz der gemeinsamen Mitteilung handelt von Hedgefonds.[1] Qiagens Gremien dürfen bei der späteren Abstimmung berücksichtigen, wie viele Stimmen von Aktionären stammen, die erst nach der Ankündigung eingestiegen sind, um die Übernahme zu verhindern oder auf ihren Ausgang zu wetten.

Auf einen Blick

Das Wichtigste in Kürze

  • EQT zahlt 46,50 Euro je Aktie in bar, 40,3 Prozent mehr als der Xetra-Schlusskurs vom 8. Juli vor den ersten Übernahmegerüchten.
  • Als Mitinvestoren beteiligen sich der Staatsfonds ADIA aus Abu Dhabi und die kanadische Pensionskasse CPP Investments.
  • Das Angebot setzt eine Annahmequote von mindestens 50 Prozent plus einer Aktie voraus, der Abschluss ist für Mitte 2027 geplant.
  • Qiagen setzt seine Prognose für 2026 bis zum Abschluss aus.

Was haben Qiagen und EQT vereinbart?

Ein Röhrchen mit orangefarbenem Deckel steht in einem Gestell vor zwei „Verkauft“-Schildern
EQT gewinnt Bietergefecht um Qiagen, KKR scheidet aus. Crown NL Bidco, kontrolliert von EQT XI, macht verbindliches Gebot mit gesicherter Finanzierung

Am Dienstag hatte Bloomberg noch über ein verbindliches Gebot von EQT berichtet, bei dem auch KKR mitbot. Am Mittwochabend veröffentlichten Qiagen und EQT eine gemeinsame Mitteilung, KKR kommt darin nicht vor.[1] Bieterin ist die Crown NL Bidco, die der Fonds EQT XI kontrolliert. EQT hat Eigenkapital und Kredite fest zugesagt bekommen, das Angebot steht unter keinem Finanzierungsvorbehalt.

Qiagen prüfte seit Jahresbeginn strategische Optionen. Konzernchef Jonathan Pratt, seit 1. September im Amt, verspricht sich vom Rückzug von der Börse schnellere Entscheidungen. Im dritten Quartal setzte Qiagen vorläufig umgerechnet rund 490 Millionen Euro um.[2]

Warum genügen diesmal 50 Prozent?

Thermo Fisher verlangte 2020 eine Annahmequote von 66,67 Prozent, angedient wurden nur 47,02 Prozent, und das Angebot über 43 Euro verfiel.[3] Selbst die neue Schwelle von 50 Prozent plus einer Aktie hätte Thermo Fisher damals knapp verfehlt.

Den Rest regelt ein nachgelagerter Schritt: Nach dem Angebot soll die Bieterin das gesamte Geschäft von Qiagen übernehmen. Aktionäre, die nicht angedient haben, erhalten den Angebotspreis abzüglich anfallender Quellensteuern, die Börsennotierung in Frankfurt und New York endet.[1] Bei niederländischen Holdinggesellschaften wie Qiagen ist ein solcher nachgelagerter Verkauf des Geschäfts ein gängiger Weg, um Minderheitsaktionäre ohne Andienung hinauszudrängen. Abwarten bringt Aktionären deshalb kaum Vorteile, das Geld kommt später und unter Umständen mit Steuerabzug.

Diesen Schritt muss eine außerordentliche Hauptversammlung billigen. Bei mindestens 80 Prozent Zustimmung setzen Vorstand und Aufsichtsrat den Verkauf um. Bei weniger Zustimmung entscheiden die Gremien nach eigenem Ermessen, sofern eine deutliche Mehrheit der Aktionäre die Übernahme unterstützt. Dabei dürfen Vorstand und Aufsichtsrat die Zustimmung langjährig beteiligter Aktionäre mit den Stimmen später eingestiegener Hedgefonds vergleichen.

Nach eigenem Ermessen ist ein dehnbarer Maßstab, wenn Gremien über die Stimmen ihrer eigenen Aktionäre urteilen.

Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
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Das Angebot von EQT für Qiagen
Preis, Aufschlag und Hürden im Vergleich zum gescheiterten Versuch von 2020
46,50 €
je Aktie in bar, 2020 bot Thermo Fisher 43 €
40,3 %
Aufschlag auf den Xetra-Schlusskurs vom 8. Juli 2026, vor den ersten Übernahmegerüchten
50 % + 1
Aktie als Mindestannahmeschwelle, 2020 verlangt: 66,67 %
10,8 Mrd. €
Unternehmenswert einschließlich Nettoschulden, Abschluss geplant für Mitte 2027

Was steht bis zum Abschluss noch aus?

Zunächst muss die BaFin die Angebotsunterlage gestatten, mit ihrer Veröffentlichung beginnt die Annahmefrist. Qiagen ist eine niederländische N.V., das Angebot läuft trotzdem nach dem deutschen Übernahmegesetz WpÜG. Vorstand und Aufsichtsrat geben ihre förmliche Empfehlung danach in einer begründeten Stellungnahme ab.

Hinzu kommen Fusionskontrolle und Investitionsprüfung. Das deutsche Außenwirtschaftsrecht nennt Hersteller von In-vitro-Diagnostika für Infektionskrankheiten ausdrücklich als Fall, den das Wirtschaftsministerium bei der Prüfung berücksichtigen kann.[4] Qiagen entwickelt solche Tests, etwa für Tuberkulose, und hat seine deutsche Gesellschaft in Hilden. Fehlen nach zehn Monaten noch Freigaben, darf Qiagen eine Zwischendividende von bis zu rund 42 Cent je Aktie zahlen, ohne Abzug vom Angebotspreis.

Bis zum Abschluss führt das bisherige Management Qiagen als unabhängiges Unternehmen weiter. Für Marken, Forschung, Standorte und Beschäftigte hat EQT im Vertrag Zusagen gemacht, deren Wortlaut Qiagen nicht veröffentlicht hat.

Quellen

4 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
  1. Qiagen und EQTQIAGEN und EQT Private Equity geben Einigung über ein empfohlenes freiwilliges öffentliches Übernahmeangebot in Bar bekannt (21. Oktober 2026, PDF)
  2. QiagenQIAGEN meldet vorläufige Ergebnisse für das dritte Quartal 2026 (21. Oktober 2026, PDF)
  3. Thermo Fisher ScientificAnnouncement pursuant to Section 23 para. 1 sentence 1 no. 2 WpÜG (13. August 2020, bei der SEC hinterlegt)
  4. Bundesministerium der Justiz§ 55a Außenwirtschaftsverordnung (gesetze-im-internet.de)

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