Schneider Electric will Shelly für 70 Euro je Aktie in bar übernehmen und bewertet den Smart-Home-Hersteller aus Sofia mit rund 1,2 Milliarden Euro.[2] Die beiden Gründer halten zusammen rund 57 Prozent und haben den Verkauf ihrer Anteile bereits zugesagt.[1]
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenAcht Wochen nach der Bestätigung erster Gespräche unterzeichneten Shelly und eine Tochter von Schneider Electric am 24. September eine Investorenvereinbarung. Das formelle Angebot folgt erst nach der Prüfung durch die bulgarische Finanzaufsicht. Für Anleger und Elektroinstallateure im DACH-Raum zählt vor allem eine Frage: Wie offen bleibt Shellys System unter dem neuen Eigentümer?
Das Wichtigste in Kürze
- Schneider Electric bietet 70 Euro je Aktie, 27 Prozent mehr als der Sechsmonatsdurchschnitt vor den ersten Berichten.
- Mitgründer Svetlin Todorov verkauft rund 28 Prozent direkt, Co-Chef Dimitar Dimitrov dient rund 29 Prozent im Angebot an.
- Das Angebot setzt eine Annahmequote von 95 Prozent voraus, danach plant Schneider Electric Squeeze-out und Delisting.
- Den Vollzug erwarten beide Seiten im ersten Quartal 2027.
Warum entscheiden die Gründer die Shelly-Übernahme schon jetzt?

Zwei Pakete. Mitgründer Svetlin Todorov verkauft seine rund 28 Prozent direkt an Schneider Electric: fünf Prozent sofort, die übrigen rund 23 Prozent nach der Freigabe durch die Fusionskontrolle.[1] Co-Vorstandschef Dimitar Dimitrov dient seine rund 29 Prozent im Angebot an und legt einen Teil des Erlöses gemeinsam mit Schneider Electric wieder an. Mehr als die Hälfte der Aktien ist dem Käufer damit sicher, bevor sich ein einziger Aktionär aus dem Streubesitz entschieden hat.
Hohe Schwelle. Das Angebot steht unter der Bedingung, dass Schneider Electric am Ende 95 Prozent der Aktien erreicht.[2] Ab dieser Marke kann der Konzern die restlichen Aktionäre per Squeeze-out abfinden und die Börsennotiz beenden. Zugleich erhält der Streubesitz durch die hohe Hürde ein Druckmittel: Verweigern Aktionäre mit gut fünf Prozent des Kapitals die Annahme, scheitert das Angebot, sofern Schneider Electric nicht auf die Schwelle verzichtet.
Prämie im Vergleich. Schneider Electric beziffert den Aufschlag auf 27 Prozent, gemessen am volumengewichteten Sechsmonatsdurchschnitt von 55,20 Euro vor den ersten Berichten Ende Juli.[2] Gegenüber dem aktuellen Durchschnitt von 57,50 Euro bleiben 22 Prozent, weil der Kurs seit Bekanntwerden der Gespräche gestiegen ist.
Was bekommt Schneider Electric für 1,2 Milliarden Euro?
Wachstum mit Marge. Shelly steigerte den Umsatz im ersten Halbjahr 2026 um 26,5 Prozent auf 68,3 Millionen Euro, das operative Ergebnis (EBIT) wuchs um 45,6 Prozent auf 17,7 Millionen Euro.[3] Für das Gesamtjahr erwartet das Unternehmen 195 bis 205 Millionen Euro Umsatz und ein EBIT von 47 bis 52 Millionen Euro. Nach Rechnung von Dr. Web entspricht der Transaktionswert damit rund dem Sechsfachen des erwarteten Jahresumsatzes und etwa dem 24-Fachen des EBIT.
Installateure als Vertriebsweg. Zum Kauf gehören 8.600 Partner-Installateure und eine Cloud mit 2,9 Millionen aktiven Nutzern.[3] „Durch die Verbindung von Shellys softwaregestützter Plattform für Heimenergie mit der Technologieführerschaft von Schneider Electric erschließen wir die nächste Stufe der Energie-Intelligenz in Wohngebäuden, bei Sanierungen und in kleinen Gewerbebauten“, sagt Frédéric Godemel, Executive Vice President Energy Management bei Schneider Electric.[2]
Elektrobranche im Eigenheim. Auch andere Hersteller drängen in die Steuerung im Wohnhaus: Der Klemmenhersteller Wago stieg im Sommer mit Matter-Funkmodulen für Elektroprofis ins Smart-Home-Geschäft ein, und Viessmann öffnet seine Wärmepumpe als Energieplattform. Den Bedarf schaffen dynamische Stromtarife und Paragraf 14a des Energiewirtschaftsgesetzes: Kleine Schaltmodule im Sicherungskasten schalten Wärmepumpe und Wallbox, sobald der Strom günstig ist oder der Netzbetreiber drosselt.
Schneider Electric kauft keinen Relais-Hersteller, sondern den Platz im Sicherungskasten, an dem Wärmepumpe, Wallbox und Stromtarif zusammenlaufen. Ob Shellys Schnittstellen offen bleiben, entscheidet darüber, ob die Installateure mitziehen.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was bedeutet die Übernahme für Anleger und Installateure?
Bulgarisches Recht. Shelly ist eine Europäische Aktiengesellschaft mit Sitz in Sofia und gehört seit 2026 dem SDAX an. Das Angebot richtet sich nach bulgarischem Recht, die Finanzaufsicht FSC in Sofia prüft die Angebotsunterlage, nicht die BaFin.[1] Mit einer Freigabe rechnet Shelly bis Anfang Dezember 2026.
Offene Schnittstellen. Schneider Electric sagt zu, Hauptsitz, Organisation und Belegschaft mindestens drei Jahre nach dem Vollzug zu erhalten.[1] Für die offenen Schnittstellen, über die Installateure Shelly-Geräte lokal und ohne Hersteller-Cloud einbinden, nennt die Mitteilung keine Frist. Wie abhängig Hausbesitzer von einem Plattformbetreiber werden können, zeigte die Insolvenz von wibutler. Ab Dezember 2027 gelten zudem die Pflichten des Cyber Resilience Act für vernetzte Geräte wie Shellys Relais vollständig, die Meldepflicht für aktiv ausgenutzte Schwachstellen gilt bereits seit dem 11. September 2026.[4] Für die Praxis folgen daraus zwei Aufgaben:
- Installateure sollten neue Shelly-Projekte so planen, dass die Steuerung auch über Matter oder Home Assistant läuft.
- Aktionäre erhalten die Angebotsunterlage über ihre Depotbank und sollten die Annahmefrist notieren, denn nach einem Squeeze-out entfällt die Börsennotiz.
Häufige Fragen zur Shelly-Übernahme
Wie viel zahlt Schneider Electric für Shelly?
Schneider Electric bietet 70 Euro je Aktie in bar und bewertet Shelly mit rund 1,2 Milliarden Euro. Gemessen am Sechsmonatsdurchschnitt vor den ersten Berichten Ende Juli beträgt der Aufschlag 27 Prozent, gemessen am aktuellen Durchschnitt 22 Prozent.
Wann ist die Shelly-Übernahme abgeschlossen?
Shelly erwartet die Freigabe der Angebotsunterlage durch die bulgarische Finanzaufsicht FSC bis Ende November oder Anfang Dezember 2026. Den Vollzug planen beide Seiten für das erste Quartal 2027, vorausgesetzt, die Fusionskontrolle stimmt zu und die Annahmequote erreicht 95 Prozent.
Bleibt Shelly eine eigenständige Marke?
Ja, die Marke Shelly soll weitergeführt werden. Schneider Electric will den Hauptsitz in Sofia, die Organisation und die Belegschaft mindestens drei Jahre nach dem Vollzug erhalten. Dimitar Dimitrov und Wolfgang Kirsch sollen das Unternehmen weiter als Co-Vorstandschefs führen.
Quellen
[1] Shelly Group SE: „Shelly Group Has Entered Into an Investment Agreement With Schneider Electric on the intended Voluntary Public Takeover supported by the founders“ (24.09.2026)
[2] Schneider Electric: „Schneider Electric announces a voluntary public takeover offer for Shelly Group, supported by founders“ (24.09.2026)
[3] Shelly Group SE: „Shelly Group Delivers Strong Revenue and Earnings Growth in the First Six Months of 2026“ (12.08.2026)
[4] Europäische Kommission: „Cyber Resilience Act“
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