Knapp vier Wochen nach der Registrierung verlangt die bulgarische Finanzaufsicht FSC von Schneider Electric Ergänzungen zur Angebotsunterlage für Shelly. Der Preis von 70 Euro je Aktie bleibt unverändert. Für die Aktionäre des SDAX-Konzerns beginnt die Annahmefrist aber erst nach einer zweiten Prüfung in Sofia.
Ein Klick · kostenlosDr. Web bei Google bevorzugenMarkieren Sie drweb.de als bevorzugte Quelle. Dann sehen Sie unsere Artikel öfter unter den Top-Meldungen.Jetzt hinzufügenMit der Entscheidung Nr. 664-TP vom 22. Oktober fordert die FSC von der französischen Bieterin SE 2026 A, einer Tochter von Schneider Electric, zusätzliche Angaben und Klarstellungen in der Angebotsunterlage und ihren Anhängen.[1] Welche Punkte betroffen sind, gab Shelly am Freitag nicht bekannt.
Das Wichtigste in Kürze
- Die FSC verlangt Ergänzungen zur Angebotsunterlage, Preis und wesentliche Bedingungen bleiben unverändert.
- Für die überarbeitete Fassung hat die Bieterin 20 Arbeitstage Zeit, nach Rechnung von Dr. Web bis zum 19. November.
- Die Annahmefrist beginnt erst nach der Freigabe, den Vollzug planen beide Seiten weiter für das erste Quartal 2027.
Warum prüft eine Behörde in Sofia das Angebot für einen SDAX-Wert?

Shelly ist eine Europäische Aktiengesellschaft mit Sitz in Sofia, die Aktie notiert an der Bulgarischen Börse und im Prime Standard der Frankfurter Wertpapierbörse.[1] Sind die Aktien im Sitzland an einem geregelten Markt zugelassen, beaufsichtigt nach der EU-Übernahmerichtlinie die Behörde dieses Landes das Angebot.[2] Maßgeblich ist deshalb das bulgarische Gesetz über das öffentliche Angebot von Wertpapieren und nicht das deutsche Übernahmegesetz.
Für den Zeitplan macht der Unterschied viel aus. Die BaFin muss eine Angebotsunterlage binnen zehn Arbeitstagen untersagen, sonst darf der Bieter sie veröffentlichen; bei unvollständigen Unterlagen kann sie die Frist um bis zu fünf Arbeitstage verlängern.[3] Die FSC meldete sich 18 Arbeitstage nach der Registrierung vom 28. September.[4] Die ergänzte Fassung prüft die FSC dann erneut.
Was steht im Angebot, und woran hängt die Übernahme?
Schneider Electric will bis zu 13.244.827 Aktien kaufen, das sind 72,41 Prozent des Kapitals, mindestens aber 12.330.305 Aktien.[4] Die Mindestzahl an Aktien entspricht nach Rechnung von Dr. Web 67,41 Prozent. Zusammen mit den rund 28 Prozent von Mitgründer Svetlin Todorov, die der Konzern außerhalb des Angebots kauft, ergibt das die Schwelle von 95 Prozent.[5] Erreicht Schneider Electric diese Quote, will der Konzern die restlichen Aktionäre ausschließen und die Börsennotiz beenden. Diese Absicht stand schon in der Ankündigung vom September.
Die EU-Richtlinie erlaubt den Mitgliedstaaten für diesen Ausschluss eine Schwelle von höchstens 95 Prozent. Sein Ausschlussrecht muss der Bieter binnen drei Monaten nach Ende der Annahmefrist ausüben.[2] Den Mindestpreis schreibt das bulgarische Recht vor: Das Angebot darf den gewichteten Durchschnittskurs der vergangenen sechs Monate nicht unterschreiten. Laut Angebotsunterlage lag er bei 59,29 Euro, die 70 Euro liegen 18 Prozent darüber.[4]
Shelly notiert im SDAX, doch über das Tempo der Übernahme entscheidet eine Behörde in Sofia und nicht die BaFin.
Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was heißt die Verzögerung für Aktionäre und Installateure?
Shelly hatte im September, acht Wochen nach Bekanntwerden der ersten Gespräche, mit einer Freigabe bis Ende November oder Anfang Dezember gerechnet.[5] Die Annahmefrist dauert nach EU-Recht zwischen zwei und zehn Wochen und beginnt erst mit der Veröffentlichung.[2] Parallel kauft Schneider Electric den Softwarehersteller PTC für 20 Milliarden Euro, Shelly ist mit rund 1,2 Milliarden Euro der kleinere Zukauf.[5]
Shelly rät Aktionären ausdrücklich, vor der Veröffentlichung der genehmigten Unterlage nichts zu unternehmen.[4] Notieren Sie gerne den 10. November: Dann legt Shelly die Neun-Monats-Zahlen vor, nach vorläufigen Werten stieg der Umsatz um rund 30 Prozent auf 112,8 Millionen Euro.[6] Shelly profitiert dabei von dynamischen Stromtarifen, für die Haushalte Wärmepumpe oder Wallbox zeitgesteuert schalten. Installateure planen neue Projekte am besten so, dass die Steuerung auch über Matter oder Home Assistant läuft, unabhängig vom künftigen Eigentümer.
Quellen
6 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
- Shelly Group SEBulgarian Financial Supervision Commission completes preliminary review of the voluntary public takeover offer for Shelly Group SE
- Europäisches Parlament und RatRichtlinie 2004/25/EG betreffend Übernahmeangebote (Artikel 4, 7 und 15)
- Bundesministerium der Justiz§ 14 WpÜG, Übermittlung und Veröffentlichung der Angebotsunterlage (gesetze-im-internet.de)
- Shelly Group SETender Offer (Mitteilung nach Art. 151 Abs. 4 des bulgarischen Wertpapiergesetzes)
- Shelly Group SEShelly Group Has Entered Into an Investment Agreement With Schneider Electric on the intended Voluntary Public Takeover supported by the founders
- Shelly Group SEShelly Group Reports Preliminary Consolidated Revenue for the First Nine Months of 2026
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