Eine Milliarde Rubel, umgerechnet knapp 11 Millionen Euro, hat Metro Russland an den Fonds der Volksfront überwiesen, der geländegängige Fahrzeuge und Drohnenabwehr für russische Soldaten kauft. Die von Wladimir Putin geführte Bewegung steht seit Februar 2023 auf der EU-Sanktionsliste. Der Düsseldorfer Mutterkonzern hat die Zahlung weder abgestimmt noch gebilligt.
Ein Klick · kostenlosDr. Web bei Google bevorzugenMarkieren Sie drweb.de als bevorzugte Quelle. Dann sehen Sie unsere Artikel öfter unter den Top-Meldungen.Jetzt hinzufügen„Als Teil des russischen Wirtschaftssystems halten wir die Beteiligung an strategischen Initiativen des Staates für wichtig“, erklärte Johannes Tholey, Chef von Metro in Russland, am Freitag.[1] Tholey gehört die Firma UK Torg Rus, die das Russland-Geschäft seit einem Dekret von Wladimir Putin verwaltet.
Das Wichtigste in Kürze
- Metro Russland hat 1 Milliarde Rubel an den Fonds „Volksfront. Alles für den Sieg!“ überwiesen.
- Seit dem 28. September verwaltet UK Torg Rus die 91 Großmärkte per Präsidialdekret, Eigentümer bleibt Metro.
- Die Volksfront und der Funktionär, der die Spende verkündete, stehen seit Februar 2023 auf der EU-Sanktionsliste.
Wie kommt das Geld einer Metro-Tochter in einen Armeefonds?

Dekret Nr. 302 vom April 2023 legt eine Liste ausländischer Beteiligungen an: Landet ein Unternehmen darauf, gehen die Gesellschafterrechte an einen staatlich bestimmten Verwalter, die Anteile bleiben auf den bisherigen Eigentümer eingetragen. Metro steht seit Dekret Nr. 689 vom 28. September auf der Liste.[2] Seither führt UK Torg Rus die 91 Großmärkte mit rund 9.000 Beschäftigten. Über Ausgaben der Tochter, Spenden eingeschlossen, entscheidet nun der Verwalter.
Das Geld soll nach den Worten von Sergei Gorbunov, erstem Vizechef des Exekutivkomitees der Volksfront, in geländegängige Fahrzeuge, Kommunikationssysteme, Aufklärungstechnik und Drohnenabwehr fließen.[1] Einen Teil verwende man für humanitäre Zwecke, teilte Metro Russland mit. Die EU listet die Volksfront wegen der Kampagne „Alles für den Sieg!“, die Einheiten in den besetzten Gebieten im Osten der Ukraine ausrüstet.[3]
Was bedeutet die Spende für Metro?
In seiner Stellungnahme betont der Konzern, die Spende sei weder mit der Metro AG abgestimmt noch von ihr autorisiert oder gebilligt worden.[4] Seit Beginn der Zwangsverwaltung habe Metro keine operative Kontrolle und keinen Einfluss mehr auf Entscheidungen der Tochter. Von jeder Unterstützung des russischen Kriegs distanziere sich das Unternehmen ausdrücklich.
Die Überweisung stammt trotzdem aus dem Vermögen einer Tochter, die weiter Metro gehört. Wedomosti bezifferte den Wert von Metro Russland im September laut Insidern auf umgerechnet 650 bis 750 Millionen Euro. Die Spende entspricht 1,4 bis 1,7 Prozent dieses Werts. Auf Russland entfielen zuletzt knapp neun Prozent des Konzernumsatzes.
Metro besitzt weiter 91 Großmärkte in Russland, über deren Kasse ein per Dekret eingesetzter Verwalter entscheidet. Die Milliarde Rubel für den Armeefonds fehlt am Ende in Düsseldorf.
Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Welche Pflichten haben Konzerne mit Töchtern in Russland?
Die Russland-Tochter des polnischen Dosenherstellers Can-Pack, ebenfalls unter vorübergehender Verwaltung, überwies dem Fonds 2026 zweimal Geld, zusammen rund 16 Millionen Euro.[1] Im Februar kamen rund 6,5 Millionen Euro von der früheren Russland-Tochter des dänischen Dämmstoffherstellers Rockwool. Laut Volksfront zahlten seit 2022 außerdem mehr als 50 große russische Konzerne in den Fonds ein.
Die Volksfront steht seit dem 25. Februar 2023 auf der EU-Sanktionsliste, ebenso Gorbunov persönlich.[3] Seit Juni 2024 verpflichtet Artikel 8a der Verordnung 833/2014 Unternehmen aus der EU, sich nach besten Kräften darum zu bemühen, dass ihre Töchter außerhalb der EU die Wirtschaftssanktionen nicht untergraben.[5] Wie weit diese Pflicht reicht, hängt laut Erwägungsgrund 30 von der wirksamen Kontrolle ab. Ausdrücklich erwähnt ist der Fall, dass Rechtsvorschriften eines Drittlands diese Kontrolle verhindern.
Halten Sie als Unternehmen mit einer Tochter in Russland gerne schriftlich fest, ab wann und durch welchen Rechtsakt die Kontrolle endete. Prüfen Sie außerdem, über welche Konten oder Zahlungswege noch Geld zwischen Muttergesellschaft und russischer Tochter fließen kann.
Quellen
5 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
- WedomostiMetro перечислила 1 млрд рублей в фонд «Народный фронт. Все для Победы!» (23. Oktober 2026, russisch)
- Präsident der Russischen FöderationУказ Президента Российской Федерации от 28.09.2026 № 689 (Amtliches Internetportal für Rechtsinformation)
- Rat der Europäischen UnionDurchführungsverordnung (EU) 2023/429 des Rates vom 25. Februar 2023 (Amtsblatt der EU, L 59 I)
- Metro AGHolding Statement: METRO AG zur Spende von METRO Russland (23. Oktober 2026, verbreitet über Publicnow)
- Rat der Europäischen UnionVerordnung (EU) 2024/1745 des Rates vom 24. Juni 2024 (Artikel 8a der Verordnung (EU) Nr. 833/2014, Erwägungsgrund 30)
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