Metro hat keine operative Kontrolle mehr über sein Russland-Geschäft mit 91 Großmärkten und rund 9.000 Beschäftigten. Ein Dekret von Wladimir Putin überträgt die Verwaltung an die Firma UK Torg Rus, gegründet am 8. September. Formal bleibt der Düsseldorfer Großhändler Eigentümer, entscheiden darf die Konzernzentrale über Einkauf, Preise und Personal in Russland nicht mehr.

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Die Zwangsverwaltung von Metro Russland beruht auf Dekret Nr. 689 vom 28. September.[1] Alleiniger Eigentümer des neuen Verwalters ist Johannes Tholey, seit 2023 Chef von Metro Cash & Carry in Russland. Der Kreml begründet den Schritt damit, dass die betroffenen Konzerne aus Staaten stammen, die Russland als unfreundlich einstuft.

Das Wichtigste in Kürze

  • Das Dekret erfasst Metro Cash & Carry, ein Lager in Noginsk und eine Immobiliengesellschaft zu jeweils 100 Prozent.
  • UK Torg Rus entstand 20 Tage vor dem Dekret und gehört dem Russland-Chef von Metro.
  • Russland stand nach Metro-Angaben zuletzt für knapp neun Prozent des Konzernumsatzes.
  • Elf Tage zuvor traf dasselbe Instrument die Russland-Töchter von Nestlé und Auchan.

Was ändert die vorübergehende Verwaltung für Metro?

Einkaufswagen mit einem Vorhängeschloss und Etikett vor weißem Hintergrund
Dekret Nr. 302 vom 25. April 2023 überträgt Gesellschafterrechte ausländischer Beteiligungen an Kremls Verwalter. Dividenden und Standorte bestimmt fortan der Verwalter

Grundlage ist Dekret Nr. 302 vom 25. April 2023, das eine Liste ausländischer Beteiligungen anlegt. Jede Ergänzung dieser Liste überträgt die Gesellschafterrechte an einen vom Kreml bestimmten Verwalter, die Anteile bleiben im Register des ausländischen Eigentümers.[1] Über Dividenden und Standorte bestimmt damit der Verwalter, ein Verkauf braucht zusätzlich die Zustimmung einer Regierungskommission in Moskau.

Im Tagesgeschäft soll sich nichts ändern: Alle Verpflichtungen gegenüber Lieferanten, Kunden und Beschäftigten würden wie gewohnt erfüllt, teilte Metro Russland der Zeitung Wedomosti mit.

Am 17. September hatte Putin bereits die Russland-Geschäfte von Nestlé, Auchan, der Baumarktkette Lemana Pro und des Logistikers FM Logistic unter Fremdverwaltung gestellt. Metro hatte nach dem Überfall auf die Ukraine 2022 entschieden, im Land zu bleiben.

Wie endeten frühere Zwangsverwaltungen?

Im Juli 2023 landeten die Brauerei Baltika von Carlsberg und die russische Tochter von Danone auf der Liste. Carlsberg verkaufte Baltika im Dezember 2024 per Management-Buy-out an zwei langjährige Baltika-Beschäftigte, die das Unternehmen seither führen; im Zuge des Geschäfts hob Moskau die Verwaltung auf.[2] Den Kaufpreis bezifferte die Nachrichtenagentur Interfax auf 34 Milliarden Rubel, gezahlt über eine wenige Monate zuvor registrierte Gesellschaft.

Der Fall Metro folgt einem ähnlichen Muster: Auch hier übernimmt eine frisch gegründete Zweckgesellschaft die Verwaltung, deren Eigentümer das Geschäft seit Jahren führt. Ob Metro einen Verkauf anstrebt, lassen Konzern und Kreml offen. Die Zeitung Wedomosti beziffert den Wert von Metro Russland laut Insidern auf 60 bis 70 Milliarden Rubel.

Metro wollte über seine Zukunft in Russland selbst entscheiden, diese Wahl liegt jetzt beim Kreml. Bei Carlsberg endete ein solcher Schwebezustand erst mit dem Verkauf an die Manager vor Ort.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Metro Russland unter Zwangsverwaltung
Umfang des Geschäfts, Tempo des Kremls und der Präzedenzfall Carlsberg
91
Großmärkte von Metro in Russland stehen unter vorübergehender Verwaltung
rund 9.000
Beschäftigte arbeiten in Russland für Metro
knapp 9 %
des Konzernumsatzes stammten zuletzt aus Russland
20 Tage
liegen zwischen der Gründung von UK Torg Rus am 8. und dem Dekret am 28. September
34 Mrd. Rubel
zahlten zwei Baltika-Beschäftigte laut Interfax 2024 für die Carlsberg-Brauerei

Was bedeutet der Fall für Konzerne mit Russland-Töchtern?

Der Zeitpunkt trifft Metro mitten im Umbruch: Das Geschäftsjahr endet am 30. September, zum 1. Oktober übernimmt Finanzvorstand Eric Riegger den Vorstandsvorsitz von Steffen Greubel. Im Jahresabschluss muss Metro klären, ob eine Tochter ohne Kontrolle noch zum Konzern zählt. Nach IFRS 10 hängt die Konsolidierung an der Beherrschung, nicht am Eigentum.

Wie genau die Finanzaufsicht Russland-Abschreibungen prüft, erlebt derzeit Jungheinrich: Die BaFin untersucht, ob der Staplerhersteller sein verkauftes Russland-Geschäft zu spät wertberichtigt hat. Für Metro fällt der Kapitalmarkt als Korrektiv weg, seit die Aktie im April 2025 vom Kurszettel verschwand.

Prüfen Sie als Unternehmen mit einer Tochter in Russland gerne, welche Forderungen und Garantien die Muttergesellschaft gegenüber der russischen Einheit hält. Ebenso wichtig ist, welche IT-Zugänge und Lieferantendaten beide Gesellschaften teilen. Regeln lassen sich Zugänge und Garantien nur, solange die Kontrolle noch in Deutschland liegt.

Quellen

[1] Präsident der Russischen Föderation: „Указ Президента Российской Федерации от 28.09.2026 № 689“ (Amtliches Internetportal für Rechtsinformation, 28.09.2026)

[2] Carlsberg Group: „Carlsberg Group divests shares in Baltika Breweries“ (03.12.2024)

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