Aldi Süd stellt seinen Lieferdienst meinALDI zum 1. Oktober unter die Leitung von Mark Hübner, der zuvor bei Amazon Fresh und beim Onlinesupermarkt-Betreiber Rohlik gearbeitet hat. Seit Herbst 2023 beliefert der Discounter im Testbetrieb nur sieben Städte zwischen Ruhrgebiet und Niederrhein.

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Wann haben Sie zuletzt beim Aldi-Süd-Lieferdienst einen Wocheneinkauf bestellt? Außerhalb einer Testregion rund um den Firmensitz in Mülheim an der Ruhr liefert meinALDI bis heute nicht. Neukunden kommen zunächst auf eine Warteliste, einzelne Straßen lässt Aldi Süd wegen der Routenplanung ganz aus.[2]

Das Wichtigste in Kürze

  • Mark Hübner übernimmt am 1. Oktober 2026 als erster CEO den Lieferdienst meinALDI von Aldi Süd.
  • Hübner arbeitete von 2015 bis 2022 bei Amazon Fresh und führte danach bis 2025 die Rohlik-Marken Knuspr und Gurkerl in Deutschland und Österreich.
  • meinALDI liefert in sieben Städten, ab 50 Euro Bestellwert ohne Liefergebühr.
  • Der Onlinehandel mit Lebensmitteln setzte 2025 in Deutschland 4,12 Milliarden Euro um, rund 6 Prozent mehr als im Vorjahr.

Was bringt der neue Chef von meinALDI mit?

Spielzeug-Lkw mit Papiertüte und Schild „Chef an Bord“ vor weißem Hintergrund
Hübner wechselt von Rohlik Group zu Aldi Süd. Der Manager arbeitete zuvor bei Amazon Fresh und leitete zuletzt die Prager Rohlik Group

Die Lebensmittel Zeitung meldete den Wechsel am 28. September,[1] Aldi Süd bestätigte die Personalie gegenüber dem Fachmagazin Lebensmittel Praxis. Hübner arbeitete von 2015 bis 2022 in verschiedenen Funktionen für Amazon Fresh, das Lebensmittelgeschäft des Onlinehändlers. Danach wechselte der Manager zur Prager Rohlik Group, zunächst als Chief Commercial Officer, von 2023 bis 2025 als Chef der Onlinesupermärkte Knuspr in Deutschland und Gurkerl in Österreich. Zuletzt beriet Hübner die Branche selbstständig.

Im Non-Food-Geschäft ging Aldi Süd den umgekehrten Weg: Den Onlineshop schloss der Discounter Ende September 2024, die Kundenkonten des Shops wandern in ein zentrales Login. Auf ein eigenes Loyalty-Programm verzichtet Aldi Süd ebenfalls. Beim Lebensmittelversand investiert das Unternehmen dagegen in eine eigene Führung. Wie Branchenmedien berichten, will Aldi UK, die britische Landesgesellschaft der Aldi-Süd-Gruppe, ab dem 6. Oktober mit Deliveroo die Lieferung von rund 2.000 Artikeln aus acht Filialen testen.

Warum rechnet sich Lieferung für einen Discounter so schwer?

Ein Discounter verdient sein Geld mit wenigen Artikeln in hohen Stückzahlen und niedrigen Kosten je Filiale. Beim Lieferdienst kommen zwei Kostenblöcke hinzu, die im Laden der Kunde selbst übernimmt: das Zusammenstellen der Bestellung und die letzte Meile bis zur Wohnungstür. Beide Posten fallen pro Auftrag an, gleich ob der Warenkorb 20 oder 80 Euro kostet.

Aus dieser Rechnung folgen die Regeln von meinALDI: 20 Euro Mindestbestellwert, 4,99 Euro Liefergebühr unter 50 Euro, Bestellschluss um 23:59 Uhr für die Lieferung am Folgetag.[2] Der Vorlauf bündelt die Aufträge eines Tages zu festen Touren. Über die Warteliste steuert Aldi Süd, wie viele Haushalte je Straße dazukommen. Je mehr Stopps ein Fahrer pro Tour anfährt, desto weniger kostet die einzelne Lieferung. Diese Tourendichte entscheidet über den Gewinn.

Wie hart die Rechnung ausfällt, zeigen erfahrene Anbieter. HelloFresh kündigte im September die Schließung seines Verteilzentrums in Swedesboro an, die vierte in den USA seit 2024. Delivery Hero setzt auf KI in der Planung, um das Liefergeschäft profitabel zu machen.

Aldi Süd setzt an die Spitze von meinALDI einen Manager, der zehn Jahre im Lieferhandel gearbeitet hat. Genau diese Erfahrung fehlt einem Discounter, dessen Stärke bisher im Filialnetz liegt.

— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
meinALDI: ein Lieferdienst im Testgebiet
Regeln des Aldi-Süd-Lieferdiensts und die Größe des Markts
7 Städte
beliefert meinALDI, von Mülheim an der Ruhr und Duisburg bis Mönchengladbach und Krefeld
50 €
Bestellwert, ab dem die Liefergebühr von 4,99 Euro entfällt; die Mindestbestellung liegt bei 20 Euro
23:59 Uhr
Bestellschluss für die Lieferung am nächsten Tag, damit Aldi Süd die Touren bündeln kann
4,12 Mrd. €
Umsatz des Onlinehandels mit Lebensmitteln in Deutschland 2025, rund 6 Prozent mehr als im Vorjahr

Was bedeutet das für Hersteller und Onlinehändler?

Der Onlinehandel mit Lebensmitteln setzte 2025 in Deutschland 4,12 Milliarden Euro um.[3] Der gesamte Lebensmittelhandel kam 2024 laut EHI Retail Institute auf 209,7 Milliarden Euro, die Discounter allein auf 97,7 Milliarden Euro. Gemessen am Gesamtmarkt erreicht der Onlinekanal nicht einmal zwei Prozent und bleibt ein Nischenkanal. Ein Discounter mit Lieferdienst kann diesen Anteil schneller verschieben als ein Start-up, weil Einkaufskonditionen und Bekanntheit schon vorhanden sind.

Markenhersteller mit Aldi-Listung sollten ihre Produktdaten prüfen. Nach Artikel 14 der Lebensmittelinformationsverordnung müssen Zutaten, Allergene und Nährwerte beim Fernabsatz schon vor dem Kauf sichtbar sein. Onlinehändler mit eigener Zustellung finden in meinALDI eine Vorlage: erst Dichte im Kerngebiet aufbauen, dann neue Postleitzahlen erschließen.

Quellen

[1] Lebensmittel Zeitung: „E-Commerce: Aldi Süd holt Ex-Rohlik-Manager als Lieferdienst-CEO“ (28.09.2026)

[2] Aldi Süd: „meinALDI: Lebensmittel online bestellen“ (abgerufen am 29.09.2026)

[3] EHI handelsdaten: „Umsatzentwicklung im Online-Handel mit Lebensmitteln in Deutschland 2015–2025“ (Datenbasis bevh, Januar 2026)

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