Metro betreibt in mehr als 30 Ländern über Jahre gewachsene, lokal getrennte IT-Systeme. Der Düsseldorfer Großhändler holt sich nun die Tata-Tochter TCS, um diese Landschaft auf ein zentral gesteuertes Modell zu bringen, KI-gestützt und über alle Kernmärkte hinweg. Hinter dem technischen Aufräumen steckt ein Kostenhebel, den gerade viele große europäische Konzerne ziehen.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenÜber 30 Länder, ein einziges IT-Zielbild: Metro will die Vielzahl lokaler Anwendungen zusammenführen und übergibt die Arbeit an Tata Consultancy Services. Nach außen begründet der Konzern den Schritt mit Wachstum und Effizienz, tatsächlich steht dahinter der teure Umbau einer über Jahrzehnte gewachsenen Systemlandschaft.
Das Wichtigste in Kürze
- Metro macht die Tata-Tochter TCS zum strategischen Partner für den Umbau seiner IT über alle Kernmärkte in Europa und Asien.
- Aus lokal getrennten Ländersystemen soll eine zentral gesteuerte, KI-gestützte Anwendungslandschaft werden.
- Metro kam im Geschäftsjahr 2024/25 auf 32,4 Milliarden Euro Umsatz und beliefert vor allem Hotels, Restaurants und Caterer.
- Weder Vertragswert noch Laufzeit nannten die Partner.
Was hat Metro mit TCS vereinbart?

Metro macht TCS zum strategischen Partner, um seine über mehr als 30 Länder verstreute IT-Anwendungslandschaft zu vereinheitlichen und zu vereinfachen.[1] Der Großhändler will von einer stark lokal geprägten, länderspezifischen IT zu einem zentral gesteuerten Betriebsmodell wechseln. TCS soll Anwendungen und Technikbetrieb über die Kernmärkte in Europa und Asien konsolidieren und den Umbau mit KI-basierten Werkzeugen begleiten.
Metro-CIO Khaled Baghan spricht von einer IT-Landschaft, „die starke lokale Relevanz mit klarer zentraler Steuerung verbindet“. TCS verweist auf seine Erfahrung mit großen Transformationen und auf KI-Fähigkeiten, mit denen sich der Umbau beschleunigen lasse. Einen Vertragswert oder eine Laufzeit nannten beide Seiten nicht.
Warum räumt ein Großhändler seine IT auf?
Der wahre Auslöser steckt in der Firmenhistorie. Ein Konzern, der wie Metro über Jahrzehnte in dutzende Länder expandiert, sammelt in jedem Markt eigene Warenwirtschafts-, Kassen- und Verwaltungssysteme an. Diese Systemvielfalt kostet doppelt: für jedes Land eigene Wartung, eigene Schnittstellen, eigene Datenmodelle, die sich zwischen den Märkten kaum vergleichen lassen.
Eine Konsolidierung ersetzt redundante Anwendungen durch wenige gemeinsame Plattformen und zieht den Betrieb zentral zusammen. Die KI-Werkzeuge von TCS greifen dabei vor allem beim Kartieren und Migrieren des Altbestands, dem Teil, der solche Projekte sonst über Jahre streckt. Für Metro sinkt so der Aufwand, den bislang parallele Ländersysteme verschlingen.
Metros IT-Umbau ist kein Technikprojekt, sondern eine Kostenentscheidung. Ein Konzern, der 30 Ländersysteme auf eines eindampft, spart nicht an der Software, sondern an der Komplexität dahinter.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was heißt das für den deutschen Markt?
Metro steht mit dem Schritt nicht allein. TCS hat 2026 eine ganze Reihe solcher KI-gestützten IT-Umbauten an Land gezogen, unter anderem beim finnischen Konzern UPM und beim Hafenlogistiker Kalmar. Selbst SAP holte den Dienstleister für den eigenen IT-Umbau. Erst kürzlich verkaufte Porsche seine IT-Beratung MHP an denselben Mutterkonzern Tata.
Für deutsche Entscheider wirft der Umbau eine bekannte Frage auf. Eine über viele Länder verteilte Datenlandschaft an einen globalen Partner zu übergeben, verlangt klare Regeln zu Zugriff, Verantwortung und DSGVO-Konformität. Gerade im Handel wiegt das schwer: Konkurrent Schwarz geht mit eigener Cloud den umgekehrten Weg der Datensouveränität. Auch Rewe zieht KI-Agenten nur unter strenger Kontrolle in die Warenwirtschaft.
Handelspartner und Lieferanten von Metro sollten früh klären, welche Schnittstellen und Bestellsysteme sich im Zuge der Vereinheitlichung ändern. IT-Verantwortliche in ähnlich gewachsenen Mittelständlern finden im Metro-Fall eine Blaupause: erst die Anwendungslandschaft kartieren, dann konsolidieren, dann automatisieren.
Quelle
[1] Tata Consultancy Services: „METRO AG Selects TCS as a Strategic Partner for its Digital Transformation“ (3. September 2026)
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