Der indische IT-Konzern Persistent Systems will den Münchner Digitaldienstleister Nagarro vollständig übernehmen und von der Frankfurter Börse nehmen. Geboten sind 81 Euro je Aktie in bar, weit über dem Kurs vor Bekanntgabe. Vorstand und Aufsichtsrat raten den Aktionären zur Annahme.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenNagarro zählt zu den wenigen börsennotierten Digitaldienstleistern Deutschlands, und dieser Kreis schrumpft mit der Offerte weiter. Hinter dem Angebot steckt ein Wettlauf um KI-gestützte Softwareentwicklung.
Das Wichtigste in Kürze
- Persistent Systems bietet 81 Euro je Nagarro-Aktie in bar, rund 140 Prozent über dem damaligen Kurs.
- Vorstand und Aufsichtsrat von Nagarro empfehlen die Annahme; die Frist läuft bis zum 17. September 2026.
- Nach dem Vollzug soll Nagarro vom Prime Standard der Frankfurter Börse verschwinden.
- Gemeinsam kämen beide auf rund 46.000 Beschäftigte.
Was bietet Persistent für Nagarro?

Persistent Systems, ein börsennotierter IT-Dienstleister aus Indien, legte über die Galaxy Germany Holding ein freiwilliges Übernahmeangebot für alle Nagarro-Aktien vor.[1] Die 81 Euro je Aktie liegen rund 140 Prozent über dem unbeeinflussten Schlusskurs von 33,74 Euro am 25. Juni 2026.
Das Angebot hängt an einer Mindestannahme von 50 Prozent plus einer Aktie sowie an kartell- und investitionsrechtlichen Freigaben. Der größte Anteilseigner Lantano hat rund 21 Prozent bereits fest zugesagt.[2]
Warum kauft ein indischer Konzern deutsche Digitaltechnik?
Nagarro entwickelt Software für Großkunden und versteht sich als Spezialist für KI-Transformation. Der Zukauf verschafft Persistent auf einen Schlag Zugang zu europäischen Konzernkunden und rund 18.500 Fachkräften in 40 Ländern.
Beide bündeln damit günstige Entwicklung aus Indien mit Kundennähe in Europa. Genau dieses Modell verkaufen indische Dienstleister derzeit offensiv im deutschsprachigen Raum: Knorr-Bremse übergab seine gesamte Unternehmens-IT an Infosys, und Porsche verkaufte seine Beratungstochter MHP an Tata Consultancy Services.
Mit Nagarro verlässt einer der letzten börsennotierten Digitaldienstleister Deutschlands die Frankfurter Kurstafel, weggekauft mit kräftigem Aufschlag. Über die Zukunft europäischer Technologie entscheidet gerade, dass die Wachstumsfantasie in Pune größer ausfällt als in München.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was bedeutet das Delisting für Kunden in der DACH-Region?
Nach dem Vollzug will Persistent Nagarro vom Prime Standard der Frankfurter Börse nehmen. Für die Konzern- und Mittelstandskunden im deutschsprachigen Raum, die auf Nagarros SAP- und Cloud-Projekte setzen, wandert die Kontrolle über einen wichtigen Dienstleister ins Ausland.
Einen Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag schließt Persistent für zwei Jahre aus, die Konditionen laufender Projekte bleiben also vorerst bestehen.[1] Kunden sollten die Übernahme trotzdem vertraglich nachvollziehen und Ausstiegsklauseln prüfen.
Die Branche ordnet sich derzeit von mehreren Seiten neu, vom Zukauf des SAP-Spezialisten GITG durch q.beyond bis zur Verlagerung ganzer IT-Abteilungen wie beim Digitalzentrum von Wacker Chemie in Pune.
Quellen
[1] Nagarro SE: „Persistent and Nagarro sign Business Combination Agreement to form the Persistent – Nagarro Group“
[2] Nagarro SE: „Management Board and Supervisory Board recommend the acceptance of the voluntary public takeover offer by Persistent“
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