Die Kernbankenmodernisierung gilt als riskantester Umbau der Banken-IT. Genau diese Aufgabe vergibt die Deutsche Bank an den Stuttgarter Dienstleister GFT. Beide kennen sich gut: In einem früheren Programm sparte GFT der Bank über 10 Millionen Euro und verschob deren gesamten IT-Bestand in die Google Cloud.[1] Jetzt geht GFT an den Kern, die jahrzehntealten Systeme, auf denen jede Buchung läuft.

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Das Wichtigste in Kürze

  • Die Deutsche Bank wählt GFT als Transformationspartner für die Modernisierung ihrer Kernbanksysteme.
  • Kernbanksysteme verbuchen Konten und Zahlungen, laufen oft auf jahrzehntealtem COBOL und gelten als am schwersten austauschbar.
  • GFT beschleunigt den Umbau mit generativer KI und wurde am 25. August 2026 Startpartner für Google Gemini Enterprise im Finanzsektor.
  • Für Institute in der DACH-Region rückt damit die EU-Verordnung DORA in den Blick, die das Auslagern kritischer Banken-IT streng regelt.

Warum ist die Kernbankenmodernisierung der schwerste Umbau der Banken-IT?

Ein Tresor, davor ein blauer Lego-Stein mit dem Etikett „Kernsystem“, auf weißem Hintergrund
Kernbanksysteme aus den 80er und 90er Jahren auf COBOL laufen kritisch für den täglichen Betrieb. GFT modernisiert sie schrittweise statt komplett auszutauschen

Das Kernbanksystem führt jedes Konto und verbucht jede Zahlung, deshalb trifft ein Fehler beim Umbau sofort den laufenden Betrieb. Viele dieser Systeme stammen aus den achtziger und neunziger Jahren und laufen auf COBOL, den kaum noch jemand beherrscht.

Ein Austausch in einem Zug verbietet sich. GFT zerlegt die alten Monolithen deshalb Schritt für Schritt in kleinere, cloudfähige Bausteine und überführt sie in eine offene Architektur.

Die stupide Fleißarbeit übernimmt generative KI. GFTs Plattform Wynxx liest den Altcode, dokumentiert ihn und schlägt die neue Struktur vor, was Monate an Handarbeit spart.

Welche Konzerne lagern ihre IT-Modernisierung schon aus?

Die Deutsche Bank steht nicht allein: Immer mehr Konzerne übergeben ihre IT-Erneuerung an spezialisierte Dienstleister, die KI im Werkzeugkasten haben. Knorr-Bremse reichte im August seine gesamte Unternehmens-IT an Infosys weiter, samt agentischer KI für die Umstellung.

GFT wiederum hatte für die Deutsche Bank schon das Kreditrisiko-System umgebaut und dabei über 200 Datenquellen aus mehr als 100 Systemen zu einer einzigen zusammengeführt.[1] Am 25. August wurde der Dienstleister zudem Startpartner für Google Gemini Enterprise im Finanzsektor, ein Baustein, der die neue Aufgabe direkt stützt.[2]

Eine Kernbankenmodernisierung ist kein Projekt mit Abgabetermin, sondern ein Umbau am fahrenden Zug. Dass die Deutsche Bank dafür erneut GFT holt, zeigt vor allem, wie knapp erfahrene Modernisierer geworden sind.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web

Zaghaft nähern sich auch andere Institute der KI im Kernbetrieb. flatexDEGIRO lässt generative Modelle nur an klar abgegrenzten Schnittstellen ran, während die Commerzbank Microsoft Copilot und Google Gemini parallel ausrollt.

GFT und die Deutsche Bank: die bisherige Bilanz
Woran der neue Auftrag zur Kernbankenmodernisierung anknüpft
10 Mio. €+
Einsparung im gemeinsamen Umbau des Kreditrisiko-Systems der Deutschen Bank
200 → 1
Datenquellen aus mehr als 100 Systemen zu einer einzigen Quelle zusammengeführt
100+
GFT-Ingenieure arbeiteten über mehrere Jahre am bisherigen Programm
12.000+
GFT-Fachleute in über 20 Ländern stehen hinter dem Dienstleister
Die Zahlen stammen aus früheren Projekten von GFT für die Deutsche Bank, darunter die Migration des gesamten IT-Bestands in die Google Cloud. An diese Erfahrung knüpft der neue Auftrag zur Kernbankenmodernisierung an.

Was bedeutet der Umbau für Banken in der DACH-Region?

Für Banken in der DACH-Region ist die Kernbankenmodernisierung längst Pflicht, nicht Kür. Seit dem 17. Januar 2025 gilt die EU-Verordnung DORA und verlangt, dass Institute ihre kritische IT belastbar aufstellen und jeden Dienstleister eng steuern.

Ein ausgelagertes Modernisierungsprojekt wie das der Deutschen Bank fällt damit unter die Aufsicht der BaFin, die den Zugriff auf kritische IT-Drittanbieter prüft. Zugleich stuft der EU AI Act KI zur Kreditwürdigkeit ab 2027 als hochriskant ein, weshalb Prüfpfade und menschliche Kontrolle von Anfang an in die neuen Kernsysteme gehören.

Für IT-Entscheider heißt das konkret: Altsysteme inventarisieren, jeden KI-gestützten Migrationsschritt dokumentieren und die Verträge mit Modernisierungspartnern an DORA ausrichten, bevor die Aufsicht nachfragt.

FAQ: Deutsche Bank und GFT

Was ist ein Kernbanksystem?

Ein Kernbanksystem ist die zentrale Software einer Bank, die Konten führt, Zahlungen verbucht und Zinsen berechnet. Viele dieser Systeme laufen seit Jahrzehnten auf Großrechnern und gelten als das am schwersten austauschbare Stück Banken-IT.

Was macht GFT für die Deutsche Bank?

GFT modernisiert im Auftrag der Deutschen Bank deren Kernbanksysteme. Zuvor baute der Dienstleister bereits das Kreditrisiko-System der Bank um und migrierte den gesamten IT-Bestand in die Google Cloud.

Was ist die EU-Verordnung DORA?

DORA (Digital Operational Resilience Act) gilt seit dem 17. Januar 2025. Die Verordnung verpflichtet Finanzunternehmen in der EU, ihre IT gegen Ausfälle und Angriffe abzusichern und ihre IT-Dienstleister streng zu überwachen.

Warum ist eine Kernbankenmodernisierung so riskant?

Das Kernbanksystem läuft ununterbrochen und verbucht jede Transaktion in Echtzeit. Ein Umbau darf den Betrieb nicht unterbrechen, deshalb erfolgt er meist schrittweise über Jahre statt in einem einzigen Wechsel.

Quellen

[1] GFT Technologies: „Deutsche Bank modernises credit risk technology“

[2] Google Cloud Press Corner: „GFT Technologies Partners with Google Cloud on Launch of Gemini Enterprise for Financial Services“ (25. August 2026)

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