Der SAP-KI-Umbau hat eine neue Eskalationsstufe erreicht. Vorstandschef Christian Klein zog zum 1. Juli 2026 die zentrale Produktentwicklung an sich und stellte den Konzern unter das Motto „All in on AI“. Im Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung räumte er den Druck offen ein.[2]
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDas Wichtigste in Kürze
- Klein übernahm zum 1. Juli 2026 im Projekt Fuji die Business Suite und die Transaktionsplattform, zwei Kernbereiche mit mehreren tausend Entwicklern.
- Auslöser ist die Sorge, dass agentische KI das lizenzbasierte Softwaregeschäft entwertet.
- Die SAP-Aktie verlor binnen zwölf Monaten rund 38 Prozent.
- Für Mittelständler steht die Frage im Raum, wie souverän ihre Geschäftsprozesse künftig laufen.
Was steckt hinter dem SAP-KI-Umbau?

Christian Klein baute die Konzernführung radikal um. Seit dem 1. Juli 2026 verantwortet der Vorstandschef im Projekt Fuji direkt die Business Suite und eine Plattform für Kundentransaktionen, den technischen Kern von SAP.[1] Entwicklungschef Muhammad Alam gab seine Zuständigkeit ab, sein Vertrag läuft bis März 2027. Manoj Swaminathan führt die Bereiche operativ weiter und berichtet nun direkt an den CEO.
Schon zuvor hatte Klein die Vertriebsverantwortung abgegeben. Thomas Saueressig rückte zum 1. April 2026 als Chief Customer Officer an die Spitze einer neuen Customer Value Group. Mehrere tausend Entwickler arbeiten damit direkt unter dem Vorstandschef, ein für einen Dax-Konzern ungewöhnlicher Zugriff.
Warum treibt die KI den Umbau bei SAP?
Der eigentliche Treiber steht nicht in der Pressemitteilung. Klassische Unternehmenssoftware verkauft sich pro Nutzer und Modul. Sobald ein KI-Agent Bestellungen und Rechnungen selbstständig abarbeitet, sinkt die Zahl der Lizenzen, die ein Betrieb braucht. Diese Kannibalisierung lastet auf dem Kurs, der binnen zwölf Monaten rund 38 Prozent verlor.[2]
Klein benannte den Gegner offen. SAP müsse beweisen, dass seine KI Geschäftsprozesse besser verstehe als die Agenten von Anthropic, sagte er der Süddeutschen Zeitung.[2] Allein steht der Konzern damit nicht. Oracle vollzog eine ähnliche Wende, und mit der Milliarden-Übernahme von Prior Labs kaufte SAP das Tabellenmodell für die eigene agentische KI hinzu. Auch Dienstleister wie GFT richten ihr Geschäft auf KI-Agenten aus.
Zieht ein Vorstandschef den Quellcode selbst zur Chefsache, dreht sich der Kampf nicht mehr um Effizienz, sondern um die Kontrolle über die Geschäftslogik des Mittelstands.
— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Was bedeutet der SAP-KI-Umbau für den Mittelstand?
Über SAP läuft ein großer Teil der Geschäftsprozesse im deutschsprachigen Raum. Ein Konzern, der seine Produktentwicklung im Notprogramm neu ordnet, verschiebt damit auch die Roadmap seiner Kunden. Vor der nächsten S/4HANA-Migration lohnt deshalb ein nüchterner Blick auf die Lizenzverträge, denn nutzerbasierte Preise verlieren ihren Sinn, sobald Agenten die Arbeit übernehmen.
Zugleich rückt die alte Frage der Anbieterabhängigkeit zurück auf die Risikoliste, gerade weil Klein die digitale Souveränität zuletzt an eigene Talente statt an neue Rechenzentren knüpfte. Kunden lesen die nächsten Release-Notes und Produkt-Roadmaps besser genau, bevor sie langfristige Lizenzen verlängern.
Quellen
[1] Handelsblatt: „SAP-Chef Klein übernimmt zentrale Teile der Technologieentwicklung“
[2] Rhein-Neckar-Zeitung zum Interview der Süddeutschen Zeitung: „So stark spürt SAP-Chef Christian Klein den KI-Druck“
Mehr Newshunger?
- Anthropic baut ein eigenes Chip-Team für Claude
- DeepSeek dreht den Preiskampf um: die Billig-KI wird teurer
- Muse Code: Metas KI-Coding-Agent tritt gegen Claude Code und Codex an
- KI-Agent erfindet falsche Identitäten: Wie Anthropics Mythos 5 einen Entwickler täuschte
- Larry Ellison auf Platz drei: Was Oracles KI-Wende dahinter verrät