Der IT-Dienstleister GFT hat im ersten Halbjahr 2026 das Ergebnis vor Steuern um 26 Prozent gesteigert, den Umsatz aber nur um 5 Prozent. Hinter dieser Schere steht eine Software, die GFT sich selbst gebaut hat: die agentische KI-Plattform Wynxx.

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Wynxx erledigt bei GFT den Teil der Softwareentwicklung, der nicht aus Programmieren besteht, also Tests, Dokumentation und die Wartung alter Systeme. So bleibt von jedem Auftrag mehr Marge übrig, und der Auftragsbestand wuchs schneller als der Umsatz. Die Zahlen zeigen zugleich, wie klein der direkt messbare KI-Anteil bislang ausfällt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Umsatz 462,6 Millionen Euro (plus 5 Prozent), Ergebnis vor Steuern 24 Millionen Euro (plus 26 Prozent), Konzernüberschuss 17,1 Millionen Euro.
  • Die KI-Plattform Wynxx zählt 113 Firmenkunden in 12 Ländern und beeinflusste Aufträge über 144 Millionen Euro, ein Plus von 38 Prozent zum Vorquartal.
  • Der Auftragsbestand stieg um 18 Prozent auf 483,5 Millionen Euro, die Jahresprognose bleibt bei rund 930 Millionen Euro Umsatz.
  • Nur 24,4 Millionen Euro Umsatz gelten als KI-beeinflusst, also etwa jeder zwanzigste Euro.

Was GFT im Halbjahr meldete

Schere mit Aufschrift „GEWINN“ und „UMSATZ“, kleines Sparschwein auf der Schneide
GFT steigerte Umsatz in H1 um 5 Prozent auf 462,6 Millionen Euro, Gewinn vor Steuern sprang um 26 Prozent auf 24 Millionen Euro

GFT setzte zwischen Januar und Juni 462,6 Millionen Euro um, 5 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.[1] Der Gewinn legte deutlich kräftiger zu. Das Ergebnis vor Steuern kletterte um 26 Prozent auf 24 Millionen Euro, der Konzernüberschuss um 27 Prozent auf 17,1 Millionen Euro.

Der Gewinn wächst schneller als der Umsatz, weil GFT dieselbe Arbeit mit weniger Aufwand liefert. Finanzchef Jochen Ruetz nennt den um 18 Prozent auf 483,5 Millionen Euro gewachsenen Auftragsbestand einen guten Start ins zweite Halbjahr. Die Jahresprognose von rund 930 Millionen Euro Umsatz bestätigte der Konzern.

Wie GFT mit Wynxx die Marge hebt

Wynxx ist keine Programmierhilfe, sondern setzt vor und nach dem eigentlichen Code an, dort wo alte Anwendungen getestet und für die Zukunft umgeschrieben werden. Rund 70 Prozent der Softwarearbeit fallen laut GFT in diesen Bereich.[1] Übernimmt eine Kette aus KI-Agenten diese Schritte, sinkt der Personaleinsatz je Projekt, und die Marge steigt.

Der Effekt schlägt bereits durch. Wynxx beeinflusste im Halbjahr Aufträge über 144 Millionen Euro und brachte 24,4 Millionen Euro Umsatz direkt ein, darunter eine agentische Kreditrisiko-Plattform für eine große europäische Bank. Konzernchef Marco Santos berichtet von messbaren KI-Ergebnissen in den kritischsten Modernisierungsprogrammen der Kunden.

GFT im ersten Halbjahr 2026

Der Gewinn wächst schneller als der Umsatz

Umsatz+5 %
Ergebnis vor Steuern+26 %
144 Mio. €
Von Wynxx beeinflusster Auftragswert, plus 38 Prozent zum Vorquartal
24,4 Mio. €
KI-beeinflusster Umsatz, rund jeder zwanzigste Euro
483,5 Mio. €
Auftragsbestand zum 30. Juni, plus 18 Prozent

Der eigentliche Test für GFT beginnt, sobald Kunden den Effizienzgewinn der KI nicht mehr als Fortschritt feiern, sondern als Preisnachlass einfordern.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web

Was die GFT-Zahlen für Entscheider bedeuten

Die ganze IT-Branche steht vor derselben Frage. Berater wie Accenture oder Capgemini verkaufen bisher Arbeitsstunden; macht KI die Lieferung schneller, schrumpft die abrechenbare Basis. GFT nutzt die Automatisierung als Margenhebel statt als Sparzwang. Für deutsche Banken und Versicherer, die alte Kernsysteme ablösen, senkt dieser Ansatz die Projektkosten.

Die Kennzahl verlangt Vorsicht. Von 462,6 Millionen Euro Umsatz gelten nur 24,4 Millionen als KI-beeinflusst, und GFT legt selbst fest, was in diese Rechnung fällt; ähnlich schwer greifbar ist, wie viel KI-Umsatz anderswo wirklich zählt. Vor der Vergabe lohnt daher der Blick auf zwei Punkte: die Definition dieser Kennzahl und die Haftung für Fehler einer agentischen Kette im regulierten Kreditsystem. Der EU-Rechtsrahmen für künstliche Intelligenz stuft die Bonitätsbewertung als Hochrisiko ein, die Verantwortung bleibt beim anwendenden Unternehmen.

Für das Gesamtjahr bleibt die Prognose bestätigt, der nächste Beleg kommt mit den Neunmonatszahlen im Herbst. Bis dahin zählt für Kunden weniger die Wachstumszahl als die Frage, ob GFT die Marge hält, sobald der Effizienzgewinn zum Verhandlungsargument wird.

Quelle

[1] GFT Technologies SE: „GFT Technologies Improves Profitability, Scales Up AI Business and Confirms Full-Year Guidance After a Solid First Half“ (EQS-News, 6. August 2026)

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