Fachinformatiker Systemintegration bekommt im KI-Resilienz-Check von Dr. Web die Note 4,1. Der Job-Futuromat des IAB hält die Hälfte der Tätigkeiten für ersetzbar und zieht die Trennlinie ausgerechnet zwischen zwei Begriffen, die im Alltag jeder synonym verwendet.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenFür Fachinformatiker Systemintegration laufen zwei Entwicklungen gegeneinander: Die Zahl der neuen Ausbildungsverträge im Beruf brach 2025 um knapp 15 Prozent auf 15.072 ein, während die deutschen Rechenzentren ihre Anschlussleistung im selben Jahr um neun Prozent ausbauten. Der KI-Resilienz-Check prüft den Beruf nach demselben Sechs-Kriterien-Raster, das schon der Basisartikel zu 30 Ausbildungsberufen auf der Schulnotenskala von 1 bis 6 anlegt.
Das Wichtigste in Kürze
- Gesamtnote 4,1 auf der KI-Resilienz-Skala von 1 (sehr sicher) bis 6 (leicht ersetzbar), also knapp in der schwächeren Hälfte und trotzdem besser als die Schwesterfachrichtung Anwendungsentwicklung mit 4,3.
- Die Ausbildung dauert drei Jahre im dualen System und folgt der Fachinformatikerausbildungsverordnung vom 28. Februar 2020, zuständige Stelle ist die Industrie- und Handelskammer.
- Die Einstiegsvergütung im ersten Lehrjahr liegt tariflich zwischen 1.185 Euro in Ost- und 1.213 Euro in Westdeutschland.
- Der Job-Futuromat des IAB beziffert das Substituierbarkeitspotenzial auf glatte 50 Prozent, sieben Punkte über der Anwendungsentwicklung.
- Mit 10.497 Neuabschlüssen war die Systemintegration 2024 die größte der vier Fachrichtungen.
Kurzer Bauchgefühl-Test: Ersetzt die Cloud den Systemintegrator?
1 Wie viele Ausbildungsverträge in der Fachrichtung Systemintegration kamen 2024 neu zustande? Aufklappen ↓
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2 Welchen Anteil der Tätigkeiten könnten Computer in der Systemintegration heute schon übernehmen? Aufklappen ↓
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3 Welche dieser drei Tätigkeiten stuft der Job-Futuromat als nicht ersetzbar ein? Aufklappen ↓
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4 Was zahlt der Tarif Auszubildenden im ersten Lehrjahr laut BIBB-Datenbank für 2025? Aufklappen ↓
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5 Welche KI-Resilienz-Note vergibt Dr. Web dem Beruf? Aufklappen ↓
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Was macht ein Fachinformatiker Systemintegration und wie läuft die Ausbildung ab?
Fachinformatiker der Fachrichtung Systemintegration planen, bauen und betreuen die technische Grundlage, auf der die Software anderer Leute läuft: Server, Netze, Speicher und die Zugänge dazu. Der Arbeitsplatz liegt mal im Rechenzentrum, mal im Verteilerraum einer Filiale, mal am Schreibtisch eines Kollegen, dessen Rechner streikt.
Die Ausbildungsverordnung nennt fünf Einsatzgebiete, aus denen der Betrieb eines auswählt: Rechenzentren, Netzwerke, Client-Server-Architekturen, Festnetze und Funknetze. Diese Wahl prägt den Berufsweg stärker als das Zeugnis, denn ein Funknetz-Betrieb bildet eine andere Fachkraft aus als ein Rechenzentrumsbetreiber. Auszubildende an Glasfaserstrecken verbringen im dritten Lehrjahr mehr Zeit im Verteilerraum als an einer Cloud-Konsole.
Die Berufsausbildung dauert drei Jahre und läuft dual. Rechtsgrundlage bildet die Fachinformatikerausbildungsverordnung vom 28. Februar 2020, die den Beruf in vier Fachrichtungen aufteilt und die Prüfung streckt. Teil 1 der Abschlussprüfung liegt im vierten Ausbildungshalbjahr und zählt bereits ins Endergebnis, den Rest entscheidet Teil 2 am Schluss.
Teil 2 besteht in dieser Fachrichtung aus vier Prüfungsbereichen. Den größten Block bildet eine betriebliche Projektarbeit im Bereich Planen und Umsetzen eines Projektes der Systemintegration. Dazu kommen zwei schriftliche Bereiche mit je 90 Minuten, Konzeption und Administration von IT-Systemen sowie Analyse und Entwicklung von Netzwerken, und 60 Minuten Wirtschafts- und Sozialkunde.
Einen vorgeschriebenen Schulabschluss kennt die Verordnung nicht. Tatsächlich stellen Betriebe überwiegend junge Menschen mit Fachhochschulreife oder Abitur ein. Der Frauenanteil bleibt niedrig: Unter den 10.497 Neuabschlüssen des Jahres 2024 waren nach der DAZUBI-Datenbank des Bundesinstituts für Berufsbildung 831 Frauen, also 7,9 Prozent.
Bei der Vergütung liegt der Beruf klar über dem Durchschnitt. Die BIBB-Datenbank Tarifliche Ausbildungsvergütungen weist für 2025 bundesweit 1.211 Euro im ersten, 1.279 Euro im zweiten und 1.356 Euro im dritten Ausbildungsjahr aus. Über alle Lehrjahre gerechnet kommt der Beruf auf 1.281 Euro und damit auf 72 Euro mehr als der Schnitt aller Ausbildungsberufe von 1.209 Euro. Der Abstand zwischen Ost und West beträgt im ersten Lehrjahr 28 Euro.
Welche Note bekommt Fachinformatiker Systemintegration im KI-Resilienz-Check?
Die Gesamtnote 4,1 setzt den Beruf knapp in die schwächere Hälfte der Skala. Zwei Kriterien ziehen ihn nach unten, zwei halten ihn oben. Das Sechs-Kriterien-Raster im nächsten Kapitel zerlegt beides.
Die Gesamtnote lautet 4,1 auf der Schulnotenskala von 1 bis 6. Der Beruf landet damit knapp in der schwächeren Hälfte, schneidet aber besser ab als die Anwendungsentwicklung mit 4,3. Zwei Zehntel klingen nach wenig und markieren doch den entscheidenden Unterschied zwischen den beiden großen Fachrichtungen.
Eine bessere Note verhindern vor allem zwei Werte. Der Digitalisierungsgrad steht bei 6, weil kein anderer Ausbildungsberuf dieser Serie so vollständig in digitalen Werkzeugen arbeitet. Die regulatorische Hürde steht bei 5, denn niemand braucht eine Zulassung, um Server zu administrieren. Zusammen zählen beide Kriterien dreifach und drücken die Note spürbar nach unten.
Eine schlechtere Note verhindert der Rest des Berufs. Anders als in der Anwendungsentwicklung entsteht ein spürbarer Teil der Arbeit an einem Ort, an dem Kabel, Rechner und Menschen physisch stehen. Dazu kommt ein Anwenderkontakt, den kein Ticketsystem ersetzt. Diese beiden Anteile heben die Physische Präsenz von 5 auf 4 und die Empathie-Note von 4 auf 3.
Im Vergleich der bislang geprüften Berufe ordnet sich die Systemintegration damit zwischen den Büroberufen und dem Handwerk ein. Rechtsanwaltsfachangestellte und Kaufleute für Büromanagement stehen deutlich schlechter da, Handwerksberufe wie Anlagenmechaniker SHK oder Dachdecker deutlich besser. Die Systemintegration liegt genau dort, wo Bildschirmarbeit und Werkzeugkoffer aufeinandertreffen.
Wie setzt sich die Note aus dem Sechs-Kriterien-Raster zusammen?
Sechs Kriterien ergeben die Note, vier davon zählen doppelt: physische Präsenz, Empathie und Vertrauen, Urteilskraft und Haftung sowie die regulatorische Hürde. Routineanteil und Digitalisierungsgrad zählen einfach. Jede Einzelnote hängt an einer konkreten Tätigkeit aus dem Ausbildungsberufsbild, nicht an einem Gefühl.
Physische Präsenz (Note 4)
Vieles läuft aus der Ferne. Ein Server lässt sich von jedem Ort der Welt neu starten, ein Nutzerkonto von jedem Ort der Welt sperren. Genau deshalb steht die Note im schwächeren Bereich. Nach unten gezogen wird der Wert durch die Anteile, die eben nicht remote funktionieren: einen defekten Switch tauschen, eine Glasfaserstrecke messen, einen Serverschrank verkabeln, ein Gerät physisch aus dem Netz nehmen. Der Job-Futuromat führt sogar die Demontage von IT-Systemen als nicht ersetzbar.
Empathie und Vertrauen (Note 3)
Anwender-Support bleibt Beziehungsarbeit unter Zeitdruck. Sobald im Betrieb nichts mehr geht, ruft niemand ein Sprachmodell an, sondern den Kollegen, der das System kennt und dessen Einschätzung man glaubt. Der Job-Futuromat stuft Kundenberatung, Anwenderberatung und EDV-Anwender-Training übereinstimmend als nicht ersetzbar ein. Ein Chatbot löst die Standardfrage, den Vertrauensfall löst er nicht.
Urteilskraft und Haftung (Note 3)
Die Fachkraft entscheidet, welche Firewall-Regel bleibt, welches Backup wirklich zurückspielbar ist und welcher Patch am Freitagnachmittag besser wartet. Fehler in diesen Fragen legen Betriebe still. Seit dem BSI-Gesetz vom 2. Dezember 2025 hängt an solchen Entscheidungen zusätzlich eine gesetzliche Pflicht zum Risikomanagement. Die Verantwortung landet formal bei der Geschäftsleitung, fachlich bei der Systembetreuung.
Regulatorische Hürde (Note 5)
Hier liegt die größte Schwäche des Berufs. Kein Gesetz verlangt für die Administration eines Netzwerks einen bestimmten Abschluss. Quereinsteiger mit Herstellerzertifikaten arbeiten neben Ausgebildeten, Studierte neben Autodidakten. NIS-2 und Datenschutzrecht setzen dem Betrieb Pflichten, dem Beruf aber keinen Vorbehalt. Eine bessere Note verhindert genau dieses Fehlen einer Zugangsschranke.
Routineanteil (Note 5)
Ein großer Teil der Arbeit wiederholt sich. Neue Geräte ausrollen, Konten anlegen, Standardkonfigurationen verteilen, Aktualisierungen einspielen. Der Job-Futuromat führt Konfigurieren, Hardware- und Softwareinstallation, Systemadministration, Netzwerkmanagement und Datenbankmanagement geschlossen als ersetzbar. Werkzeuge nach dem Muster Infrastructure as Code übernehmen diese Schicht bereits heute in vielen Betrieben.
Digitalisierungsgrad (Note 6)
Höher geht nicht. Der Gegenstand der Arbeit ist selbst digital, das Werkzeug ebenso, und jede Tätigkeit hinterlässt maschinenlesbare Spuren. Genau diese Spuren sind das Trainingsmaterial, aus dem Automatisierung entsteht. Ein Dachdecker produziert beim Decken keine Protokolldatei, eine Systemadministratorin produziert pausenlos welche.
Die gewichtete Gesamtrechnung
Die vier doppelt gewichteten Kriterien ergeben 4 mal 2 plus 3 mal 2 plus 3 mal 2 plus 5 mal 2, zusammen 30 Punkte. Routineanteil und Digitalisierungsgrad steuern 5 und 6 Punkte bei. Die Summe von 41 geteilt durch die Gewichtungssumme 10 ergibt die exakte Zehntelnote 4,1, ohne Rundung.
Welche Teilaufgaben verschwinden zuerst?

Zuerst verschwindet alles, was sich einmal beschreiben und danach beliebig oft ausführen lässt: das Ausrollen von Standardsystemen, die Massenkonfiguration und das Einspielen von Aktualisierungen. Der Job-Futuromat listet für diese Fachrichtung 31 Kerntätigkeiten und markiert 12 davon als ersetzbar.
Den Anfang macht die Erstinstallation. Ein neuer Arbeitsplatzrechner wird heute nicht mehr von Hand eingerichtet, sondern zieht sein Abbild aus dem Netz und meldet sich fertig konfiguriert zurück. Was früher eine halbe Stunde Handarbeit war, kostet einen Katalogeintrag. Der Job-Futuromat führt Hardware- und Softwareinstallation folgerichtig als ersetzbar.
Der zweite Block betrifft die laufende Verwaltung. Konten anlegen und sperren, Gruppenrechte pflegen, Speicherplatz zuteilen, Zertifikate erneuern: Solche Vorgänge laufen in gut gepflegten Betrieben längst über Automatisierungsplattformen, die eine Textbeschreibung in einen Systemzustand übersetzen. Die Fachkraft schreibt die Beschreibung einmal, das Werkzeug wendet sie tausendfach an.
Der dritte Block heißt Dokumentation. Netzpläne, Konfigurationsstände und Änderungsprotokolle entstehen zunehmend aus dem System selbst, statt nachträglich getippt zu werden. Der Futuromat stuft technische Dokumentation als ersetzbar ein. Für die Ausbildung bedeutet diese Verlagerung einen unangenehmen Verlust, denn Dokumentieren war lange die Aufgabe, mit der Auszubildende ins Projekt hineinwuchsen.
Ein vierter Bereich trifft die Berufseinsteiger besonders hart: die erste Fehlersuche. Ein Sprachmodell liest Protokolldateien schneller als jeder Mensch und schlägt die drei wahrscheinlichsten Ursachen vor. Der Nutzen solcher Vorschläge steigt mit der Erfahrung des Lesers, und genau diese Erfahrung fehlt im ersten Berufsjahr. Wir halten diese Verschiebung für das eigentliche Risiko des Berufs, nicht die viel zitierte Cloud.
Ein Zeithorizont lässt sich seriös nur grob angeben. Die Automatisierung der Erstinstallation ist in großen Betrieben abgeschlossen, in kleinen läuft sie noch. Technisch reif ist auch die automatisierte Konfigurationsverwaltung, dort scheitert die Einführung eher an Altsystemen als an Werkzeugen. Mitten im Rollout steckt die assistierte Fehlersuche. Alles drei zusammen entzieht dem Beruf nicht die Existenz, sondern seine Einstiegsschicht.
Welche Teilaufgaben bleiben unersetzbar menschlich?
- −Konfigurieren und Ausrollen von Standardsystemen
- −Systemadministration und Netzwerkmanagement nach Schema
- −Hardware- und Softwareinstallation aus dem Katalog
- −Technische Dokumentation und Datenbankverwaltung
- +Netzwerkadministration im gewachsenen Bestand
- +Systembetreuung und Anwender-Support vor Ort
- +Datenschutz, Datensicherheit und IT-Forensik
- +Auswahl und Verantwortung für die Gesamtarchitektur
Menschlich bleibt die Arbeit am gewachsenen Bestand, am Menschen davor und an der Verantwortung dahinter. Der Job-Futuromat markiert 19 der 31 Kerntätigkeiten als nicht ersetzbar, darunter Netzwerkadministration, Systembetreuung, Datenschutz, Datensicherheit und den gesamten Anwender-Support.
Die aufschlussreichste Stelle im Datensatz des IAB steckt in drei Wortpaaren. Netzwerkmanagement gilt als ersetzbar, Netzwerkadministration nicht, und dieselbe Trennung wiederholt sich bei Systemadministration gegen Systembetreuung sowie bei Datenbankmanagement gegen Datenbankadministration. Dreimal verläuft die Grenze zwischen dem verwalteten Standardfall und der dauerhaften Zuständigkeit für ein konkretes, eigenwilliges System.
Diese Trennlinie hat einen handfesten Grund. Automatisierung setzt einen beschreibbaren Sollzustand voraus. Gewachsene Netze liefern selten einen: Eine Fertigungsmaschine läuft noch mit einem abgekündigten Betriebssystem, weil eine Steuerung daran hängt, und ein historisch falsch geschnittenes Netzsegment bleibt unangetastet, weil niemand sich an den Umbau traut. Fachkräfte mit diesem Bestandswissen bleiben schwer ersetzbar, denn geschrieben steht davon nirgends etwas.
Der zweite geschützte Bereich heißt Sicherheit. Der Futuromat führt Sicherheitssysteme, Datensicherheit, Datenschutz und IT-Forensik allesamt als nicht ersetzbar. Die Begründung liegt im Gegenspieler. Angreifer passen ihr Vorgehen laufend an die Abwehr an, und ein Muster, das gestern verlässlich Alarm auslöste, umgeht der nächste Angreifer morgen. Solche Anpassung verlangt Urteil, nicht Wiederholung.
Der dritte Bereich sitzt am anderen Ende der Leitung. Anwenderberatung, Anwender-Support und Anwender-Training stehen als nicht ersetzbar in der Liste. Jeder Systembetreuer, der im Betrieb schon einmal erklären musste, warum die alte Datei wirklich verloren bleibt, kennt den Unterschied zwischen einer korrekten Antwort und einer tragfähigen. Die korrekte liefert die Maschine, die tragfähige liefert ein Kollege mit Gesicht.
Wie verändert sich der Arbeitsalltag konkret?
Der Arbeitsalltag verschiebt sich vom Einrichten zum Verantworten, und der Arbeitsmarkt schickt dabei zwei widersprüchliche Signale. Die Beschäftigung in IKT-Berufen wächst weiter, die Zahl der arbeitslosen IT-Kräfte wächst schneller.
Die Bundesagentur für Arbeit zählte 2024 rund 1,52 Millionen erwerbstätige IKT-Fachkräfte, davon 1,12 Millionen sozialversicherungspflichtig beschäftigt, vier Prozent mehr als im Vorjahr. Seit 2014 ist diese Gruppe um 70 Prozent gewachsen, während die Gesamtbeschäftigung nur um 13 Prozent zulegte. Rund 27 Prozent aller IKT-Beschäftigten arbeiten im Feld der allgemeinen Informatik, für das die Fachrichtung Systemintegration die typische Ausbildung ist.
Im selben Bericht steht die Gegenzahl. Die Zahl der Arbeitslosen mit IKT-Zielberuf stieg um 30 Prozent auf 43.000, der Bestand gemeldeter Stellen sank auf 16.000. Mit 3,7 Prozent bleibt die Arbeitslosenquote niedrig. Der Trend zeigt trotzdem nach oben, und parallel steigt die Akademisierung: 51 Prozent der IKT-Beschäftigten haben inzwischen einen Hochschulabschluss, zehn Jahre zuvor waren 42 Prozent gemeldet.
Für den ausgebildeten Systemintegrator bedeutet diese Verschiebung Druck von zwei Seiten. Von unten drückt die Automatisierung der Routineschicht, von oben drückt der Hochschulabsolvent. Die Bundesagentur führt Berufe in der Informatik in der Engpassanalyse 2025 zwar wieder als Engpassberuf auf Spezialistenebene, für die Softwareentwicklung dagegen stellt derselbe Bericht erstmals seit Jahren keinen Engpass mehr fest. Der IT-Arbeitsmarkt sortiert sich neu, und zwar nicht zugunsten der reinen Umsetzung.
Die Systemintegration lebt davon, dass die Realität in den Serverräumen nie so aufgeräumt ist wie das Diagramm im Angebot. Solange in deutschen Betrieben Maschinen mit abgekündigten Systemen laufen, braucht jemand die Verantwortung dafür, und kein Modell übernimmt sie.
— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Die Nachfrageseite bleibt trotzdem robust, weil die Infrastruktur selbst wächst. Der Bitkom und das Borderstep Institut beziffern die Anschlussleistung deutscher Rechenzentren für 2025 auf 2.980 Megawatt, neun Prozent mehr als im Vorjahr, und erwarten bis 2030 mehr als 5.000 Megawatt. Allein 2025 fließen 12 Milliarden Euro in IT-Hardware und 3,5 Milliarden Euro in Gebäude und technische Ausrüstung. Diese Anlagen bauen und betreiben sich nicht selbst.
Dazu kommt die Regulierung als Nachfragetreiber. Das BSI-Gesetz vom 2. Dezember 2025 setzt die NIS-2-Richtlinie um und verpflichtet betroffene Einrichtungen zu Risikomanagement, Meldewegen und Registrierung beim Bundesamt, dessen Frist inzwischen abgelaufen ist. Technisch umgesetzt werden diese Pflichten selten vom Vorstand, sondern von der Fachkraft mit der Netzverantwortung.
Was bedeutet das für angehende Azubis und Betriebe?

Angehende Auszubildende sollten den Betrieb nach dem Einsatzgebiet auswählen, nicht nach dem Firmennamen, und Betriebe sollten ihre Auszubildenden früh in Aufgaben mit Haftung bringen. Beide Empfehlungen folgen direkt aus dem Raster: Die Note leidet an Routine und Digitalisierungsgrad, sie profitiert von Präsenz, Vertrauen und Verantwortung.
Für die Berufswahl heißt das konkret: Ein Betrieb, der ausschließlich Standardarbeitsplätze ausrollt, bildet in der Schicht aus, die zuerst wegfällt. Ein Betrieb mit eigenem Rechenzentrum, gewachsenen Netzen oder Kundenanlagen bildet in der Schicht aus, die bleibt. Die Frage im Vorstellungsgespräch lautet deshalb nicht, welche Technik eingesetzt wird, sondern wer im Betrieb entscheidet, ob ein System vom Netz geht. Das Einsatzgebiet nach der Ausbildungsverordnung steht im Ausbildungsvertrag und lässt sich vorher erfragen.
Bei den Zusatzqualifikationen zahlt sich alles aus, was die regulatorische Schwäche des Berufs ausgleicht. IT-Sicherheit ist dafür der offensichtliche Weg, weil NIS-2 den Betrieben Nachweispflichten auferlegt und der Job-Futuromat den gesamten Sicherheitsblock als nicht ersetzbar führt. Netzwerktechnik im physischen Sinn ist der zweite Weg, von der strukturierten Verkabelung bis zur Messtechnik an der Glasfaser. Beides verschiebt die eigene Arbeit weg von der Konsole.
Für Ausbildungsbetriebe folgt aus derselben Logik eine unbequeme Konsequenz. Die klassische Lernkette, in der Auszubildende erst dokumentieren, dann installieren und erst spät entscheiden dürfen, verliert ihre unteren Sprossen an die Automatisierung. Betriebe, die an dieser Kette festhalten, bilden drei Jahre lang in Tätigkeiten aus, die im vierten Jahr niemand mehr bezahlt.
Die Alternative kostet Aufwand und heißt Verantwortung auf Zeit. Ein Auszubildender im zweiten Jahr kann ein kleines Teilnetz betreuen, eine Sicherheitsregel begründen oder eine Störung bis zum Abschluss übernehmen, jeweils mit Rückendeckung. Genau diese Praxis trainiert das Urteilsvermögen, das die Maschine nicht mitliefert. Die betriebliche Projektarbeit in Teil 2 der Prüfung verlangt ohnehin nichts anderes.
Bleibt die Frage, ob der Beruf trotz Note 4,1 eine gute Wahl ist. Unsere Antwort lautet ja, mit Bedingung. Ein Beruf, dessen halbe Tätigkeitsliste automatisierbar ist, verzeiht keine Passivität. Er belohnt aber jeden, der die zweite Hälfte ernst nimmt, und diese zweite Hälfte besteht aus Netzen, Sicherheit und Menschen. Die Cloud nimmt dem Beruf den Serverraum ab, den Entscheidungsdruck nimmt sie ihm nicht.
Glossar: 14 wichtige Fachbegriffe zur Systemintegration
Anschlussleistung
Anschlussleistung bezeichnet die elektrische Leistung, die ein Rechenzentrum maximal aus dem Netz ziehen kann, gemessen in Megawatt. Der Wert dient als Standardmaß für die Größe des Marktes, weil Kühlung und Stromversorgung die Ausbaugrenze setzen, nicht die Zahl der Server.
Betriebliche Projektarbeit
Betriebliche Projektarbeit ist der praktische Kern von Teil 2 der Abschlussprüfung. Der Prüfling führt im eigenen Betrieb ein reales Projekt der Systemintegration durch, dokumentiert das Vorgehen und präsentiert das Ergebnis vor dem Prüfungsausschuss.
Client-Server-Architektur
Client-Server-Architektur beschreibt die Aufteilung einer Anwendung in anfragende Arbeitsplatzrechner und antwortende zentrale Rechner. Die Ausbildungsverordnung führt diese Architektur als eines von fünf möglichen Einsatzgebieten der Fachrichtung.
Einsatzgebiet
Einsatzgebiet meint den fachlichen Schwerpunkt, den der Ausbildungsbetrieb für die letzten Ausbildungsmonate festlegt. In der Systemintegration stehen Rechenzentren, Netzwerke, Client-Server-Architekturen, Festnetze und Funknetze zur Wahl.
Engpassberuf
Engpassberuf ist eine Einstufung der Bundesagentur für Arbeit. Ein Beruf gilt als Engpassberuf, sobald offene Stellen deutlich länger unbesetzt bleiben als im Bundesschnitt und rechnerisch weniger als 2,5 Arbeitslose auf eine gemeldete Stelle kommen.
Gestreckte Abschlussprüfung
Gestreckte Abschlussprüfung teilt die Prüfung in zwei zeitlich getrennte Teile. Teil 1 findet im vierten Ausbildungshalbjahr statt und zählt bereits zum Endergebnis, Teil 2 folgt am Ende der Ausbildung. Eine Zwischenprüfung im klassischen Sinn entfällt damit.
Infrastructure as Code
Infrastructure as Code beschreibt die Praxis, Server, Netze und Dienste nicht mehr von Hand einzurichten, sondern in Textdateien zu beschreiben und automatisch ausrollen zu lassen. Diese Arbeitsweise verlagert Routinekonfiguration vom Menschen zum Skript.
Lösungsquote
Lösungsquote gibt an, welcher Anteil der Ausbildungsverträge vor dem Abschluss aufgelöst wird. Die Kennzahl misst keine Abbrüche, weil viele Auszubildende nach der Auflösung in einen anderen Betrieb oder Beruf wechseln.
Netzwerkadministration
Netzwerkadministration umfasst das laufende Betreuen eines gewachsenen Netzes samt Fehlersuche, Segmentierung und Zugriffsregeln. Der Job-Futuromat trennt diese Tätigkeit ausdrücklich vom stärker standardisierten Netzwerkmanagement.
NIS-2-Umsetzung
NIS-2-Umsetzung bezeichnet die deutsche Übertragung der EU-Richtlinie zur Netz- und Informationssicherheit. Das neue BSI-Gesetz vom 2. Dezember 2025 verpflichtet betroffene Einrichtungen zu Risikomanagement, Meldewegen und einer Registrierung beim Bundesamt.
Patch-Management
Patch-Management ist das geordnete Einspielen von Sicherheitsaktualisierungen über alle Systeme eines Betriebs hinweg. Die Aufgabe gilt als klassischer Automatisierungskandidat, verlangt aber weiterhin eine menschliche Entscheidung über Reihenfolge und Ausnahmen.
Rechenzentrum
Rechenzentrum meint ein Gebäude oder einen Gebäudeteil mit gesicherter Stromversorgung, Kühlung und Netzanbindung für den Betrieb von Servern. In Deutschland zählt der Bitkom rund 2.000 Anlagen mit mehr als 100 Kilowatt Anschlussleistung.
Substituierbarkeitspotenzial
Substituierbarkeitspotenzial beziffert den Anteil der Kerntätigkeiten eines Berufs, den heutige Technik grundsätzlich übernehmen könnte. Die Kennzahl des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung sagt nichts darüber aus, ob ein Betrieb die Ablösung auch bezahlt.
Systembetreuung
Systembetreuung steht für die dauerhafte Verantwortung einer Fachkraft für ein konkretes System samt seiner Eigenheiten, Altlasten und Anwender. Der Job-Futuromat führt diese Tätigkeit als nicht ersetzbar, anders als die formal ähnliche Systemadministration.
FAQ: Fachinformatiker Systemintegration: Was die Cloud nicht abnimmt
Wird der Beruf Fachinformatiker Systemintegration durch KI ersetzt?
Nein, ersetzt wird der Beruf nicht, aber die Hälfte seiner Tätigkeiten steht unter Druck. Der Job-Futuromat des IAB beziffert das Substituierbarkeitspotenzial auf 50 Prozent. Konfigurieren, Installieren und Systemadministration gelten als ersetzbar, Netzwerkadministration, Systembetreuung, Datensicherheit und Anwender-Support dagegen nicht.
Wie viel verdient man als Fachinformatiker Systemintegration in der Ausbildung?
Die BIBB-Datenbank Tarifliche Ausbildungsvergütungen weist für 2025 bundesweit 1.211 Euro im ersten, 1.279 Euro im zweiten und 1.356 Euro im dritten Ausbildungsjahr aus. Über alle Lehrjahre kommt der Beruf auf 1.281 Euro brutto im Monat und liegt damit über dem Schnitt aller Ausbildungsberufe von 1.209 Euro.
Wie lange dauert die Ausbildung zum Fachinformatiker Systemintegration?
Die Ausbildung dauert drei Jahre und läuft dual in Betrieb und Berufsschule. Rechtsgrundlage ist die Fachinformatikerausbildungsverordnung vom 28. Februar 2020, zuständige Stelle die Industrie- und Handelskammer. Die Abschlussprüfung ist gestreckt, Teil 1 liegt nach etwa anderthalb Jahren.
Welchen Schulabschluss braucht man für die Ausbildung zum Fachinformatiker Systemintegration?
Die Ausbildungsordnung schreibt keinen bestimmten Schulabschluss vor. Betriebe stellen überwiegend Bewerberinnen und Bewerber mit Fachhochschulreife oder Abitur ein. 2024 begannen 10.497 junge Menschen diese Fachrichtung, der Frauenanteil lag bei 7,9 Prozent.
Welche Einsatzgebiete kennt die Fachrichtung Systemintegration?
Die Ausbildungsverordnung nennt fünf Einsatzgebiete: Rechenzentren, Netzwerke, Client-Server-Architekturen, Festnetze und Funknetze. Der Betrieb wählt eines aus und bildet darin vertieft aus. Für den späteren Berufsweg wiegt diese Wahl oft schwerer als der Abschluss selbst.
Lohnt sich die Ausbildung zum Fachinformatiker Systemintegration noch?
Ja, sofern der Betrieb über das reine Ausrollen von Standardsystemen hinaus ausbildet. Die Bundesagentur für Arbeit führt Berufe in der Informatik seit 2025 wieder als Engpassberuf auf Spezialistenebene. Wertvoll wird die Ausbildung dort, wo Netzarchitektur, IT-Sicherheit und Anwenderkontakt früh dazugehören.
Quellen
Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) | Datenbank Tarifliche Ausbildungsvergütungen, Gesamtübersicht Bundesgebiet sowie Ost und West 2025 | https://www.bibb.de/de/12209.php | besucht am 31.07.2026
Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) | DAZUBI-Datenblatt Fachinformatiker/-in Fachrichtung Systemintegration, Berichtsjahr 2024 | https://www.bibb.de/dienst/dazubi/dazubi/datasheet/download/30-7227.pdf | besucht am 31.07.2026
Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) | Rangliste 2025 der Ausbildungsberufe nach Neuabschlüssen, Stand 5. Dezember 2025 | https://www.bibb.de/de/211102.php | besucht am 31.07.2026
Bundesministerium der Justiz | Fachinformatikerausbildungsverordnung vom 28. Februar 2020 | https://www.gesetze-im-internet.de/fiausbv/ | besucht am 31.07.2026
Bundesministerium der Justiz | BSI-Gesetz vom 2. Dezember 2025, Textnachweis ab 6. Dezember 2025 | https://www.gesetze-im-internet.de/bsig_2025/ | besucht am 31.07.2026
Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) | Job-Futuromat, Berufsprofil Fachinformatiker Fachrichtung Systemintegration | https://job-futuromat.iab.de/ | besucht am 31.07.2026
Bundesagentur für Arbeit | Arbeitsmarkt kompakt: Der Arbeitsmarkt für IKT-Berufe im Kontext der Transformation, Juni 2025 | https://www.arbeitsagentur.de/datei/der-arbeitsmarkt-fuer-ikt-berufe-im-kontext-der-transformation_ba053543.pdf | besucht am 31.07.2026
Bundesagentur für Arbeit | Blickpunkt Arbeitsmarkt: Fachkräfteengpassanalyse 2025, Mai 2026 | https://statistik.arbeitsagentur.de/DE/Navigation/Statistiken/Interaktive-Statistiken/Fachkraeftebedarf/Engpassanalyse-Nav.html | besucht am 31.07.2026
Bitkom | Rechenzentren in Deutschland: KI treibt das Wachstum, Presseinformation vom 10. November 2025 | https://www.bitkom.org/Presse/Presseinformation/Rechenzentren-Deutschland-KI-treibt-Wachstum | besucht am 31.07.2026
Bitkom | In Deutschland fehlen weiterhin mehr als 100.000 IT-Fachkräfte, Presseinformation | https://www.bitkom.org/Presse/Presseinformation/Deutschland-fehlen-IT-Fachkraefte | besucht am 31.07.2026
Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik | NIS-2-regulierte Unternehmen | https://www.bsi.bund.de/DE/Themen/Regulierte-Wirtschaft/NIS-2-regulierte-Unternehmen/nis-2-regulierte-unternehmen_node.html | besucht am 31.07.2026
Dr. Web | Ausbildung oder Studium KI: Die Dr.-Web-Schulnote für 30 Berufe | https://www.drweb.de/ausbildung-oder-studium-ki/ | besucht am 31.07.2026