Werbung im Auto erreicht jetzt die Mittelklasse: BMW spielte Ende Juli 2026 einen animierten Kinospot für den Film „Spider-Man: Brand New Day“ auf die iDrive-Displays von Millionen Fahrzeugen. Der Spot erschien beim Motorstart als Banner, kombiniert mit Filmmusik und einer Lichtinszenierung im Innenraum. Viele Fahrerinnen und Fahrer reagierten verärgert, weil ausgerechnet das Cockpit zur Anzeigenfläche wurde.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDas Wichtigste in Kürze
- BMW zeigte den Kinospot in mehr als 70 Märkten auf iDrive OS 7 bis iDrive X, in Fahrzeugen ab Baujahr Juli 2020.
- Die Kampagne lief bis zum 10. August 2026, Großbritannien, Irland und Australien blieben ausgenommen.
- Abschalten geht über die iDrive-Einstellungen unter Datenschutz und Benachrichtigungen, dort lassen sich die Marketing-Mitteilungen deaktivieren.
- BMW-Manager Stephan Durach nannte das Display Ende 2023 noch einen privaten Raum, der nicht als Werbefläche verkauft werde.
Was zeigte BMW auf dem iDrive-Display?

Ein voller Kinospot lief ab dem 27. Juli 2026 auf der Startseite des Infotainmentsystems. Betroffen waren die Generationen iDrive OS 7 bis zum neuen iDrive X in Fahrzeugen ab Baujahr Juli 2020, nach BMW-Angaben in mehr als 70 Märkten. Der Clip ließ sich per Fingertipp öffnen, BMW stuft ihn deshalb als optional ein.
Ein Banner erschien trotzdem automatisch bei jedem Motorstart. Für die dauerhafte Abschaltung führt der Weg über die iDrive-Einstellungen unter Datenschutz und Benachrichtigungen, wo sich die Marketing-Mitteilungen deaktivieren lassen. Diesen Ausweg nennt BMW selbst, kommuniziert ihn aber nicht prominent. BMW treibt die Digitalisierung des Cockpits ohnehin voran, etwa mit dem Neuwagen-Konfigurator direkt in ChatGPT.
Warum wird das Cockpit zur Werbefläche?
Der Bildschirm ist ein Kanal mit fast null Grenzkosten. Ein vernetztes Auto steht ohnehin in Verbindung mit dem Hersteller, deshalb kostet eine Anzeige an Millionen Fahrzeuge kaum mehr als an ein einzelnes. Genau diese Logik treibt seit Jahren die Digital-out-of-Home-Werbung und neue KI-Werbeformate wie das von Ströer.
BMW ist damit kein Einzelfall. Stellantis blendet in Jeep, Ram und Chrysler seit Monaten Vollbild-Anzeigen ein. Ford meldete ein Patent für Werbung über Bordlautsprecher und Display an und zog es nach Protesten zurück. Auch Subaru spielte Abo-Werbung schon während der Fahrt aus. Parallel verwandeln Hersteller das Fahrzeug in eine Datenplattform, etwa wenn Mercedes seine Flotte zum Sensornetz macht oder VW den Zugang zu Fahrzeugdaten kappt.
Nicht die Werbefläche ist das Kapital, sondern das vernetzte Fahrzeug dahinter, das jede Anzeige fast zum Nulltarif an Millionen Cockpits ausspielt.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was bedeutet Werbung im Auto für Entscheider?
Die Kontrolle liegt beim Fuhrpark. Für Unternehmen mit Dienstwagen heißt das konkret: Die Marketing-Benachrichtigungen im iDrive lassen sich pro Fahrzeug in den Datenschutzeinstellungen abschalten. Die Werbe- und Datenpraxis gehört zudem in jede Beschaffungsausschreibung.
Dahinter stehen zwei harte Fragen. Die US-Behörde NHTSA führt abgelenktes Fahren auf mehr als 3.200 Verkehrstote pro Jahr zurück[1] und rät, nicht notwendige Anwendungen während der Fahrt zu sperren. Sobald Werbung zusätzlich auf Fahrzeugdaten zielt, greifen die DSGVO und der EU Data Act, der Nutzern seit 2024 Rechte an den im Auto erzeugten Daten sichert.[2] Für Entscheider lohnt der Blick in die Connected-Services-Einwilligungen der eigenen Flotte, bevor die nächste Anzeige im Cockpit auftaucht.
FAQ: Werbung im Auto auf dem BMW iDrive-Display
Wie schalte ich die Werbung im BMW iDrive ab?
In den iDrive-Einstellungen unter Datenschutz und Benachrichtigungen lassen sich die Marketing-Mitteilungen deaktivieren. Danach erscheint das Werbebanner beim Motorstart nicht mehr. Die Einstellung gilt für alle betroffenen iDrive-Generationen und muss pro Fahrzeug gesetzt werden.
Welche BMW-Modelle waren von der Spider-Man-Werbung betroffen?
Betroffen waren Fahrzeuge mit iDrive OS 7 bis iDrive X ab Baujahr Juli 2020, nach BMW-Angaben in mehr als 70 Märkten. Ausgenommen blieben Großbritannien, Irland und Australien. Die Kampagne lief vom 27. Juli bis zum 10. August 2026.
Ist Werbung auf dem Autodisplay in Deutschland erlaubt?
Ein pauschales Verbot besteht nicht. DSGVO und EU Data Act begrenzen aber die Nutzung von Fahrzeugdaten für Werbung. Die Regeln gegen Ablenkung am Steuer setzen Anzeigen während der Fahrt enge Grenzen. Eine Anzeige beim Motorstart bewegt sich in einer Grauzone.
Machen andere Autohersteller auch Werbung im Cockpit?
Ja. Stellantis zeigt in Jeep, Ram und Chrysler Vollbild-Anzeigen, Ford meldete ein Patent für Werbung über Lautsprecher und Display an und zog es nach Kritik zurück. Subaru spielte Abo-Werbung teils während der Fahrt aus. Das Cockpit gilt branchenweit als neue Werbefläche.
Was ist der EU Data Act und was hat er mit dem Auto zu tun?
Der EU Data Act regelt seit 2024 die Rechte an vernetzt erzeugten Daten. Für Autos heißt das: Nutzer und Unternehmen erhalten Zugriff auf die Fahrzeugdaten. Deren Weitergabe für Werbung braucht eine Rechtsgrundlage. Das schränkt datenbasierte Werbung im Fahrzeug ein.
Quellen
[1] NHTSA: „Distracted Driving“
[2] Amt für Veröffentlichungen der EU: Verordnung (EU) 2023/2854 (Data Act)
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