Ein Firmeninhaber aus Kalifornien soll laut US-Anklage KI-Server mit Nvidia-Chips für rund 261 Millionen Euro über Malaysia und Singapur nach China geschleust haben. Bundesermittler nahmen den Chef der Firma Earthmade Computer am 1. Oktober fest. Die Staatsanwaltschaft stützt sich auch auf Überweisungen malaysischer Logistikfirmen über umgerechnet 153 Millionen Euro.

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27 Nvidia-Server für umgerechnet 6,6 Millionen Euro umfasste laut Anklage eine einzige Bestellung im Januar 2024. Auf dem Papier gingen solche Lieferungen an Abnehmer in Malaysia und Singapur, zwei Länder ohne US-Genehmigungspflicht für KI-Server. Am Ende standen die Server nach Darstellung der Staatsanwaltschaft bei Kunden in China.[1]

Das Wichtigste in Kürze

  • Eine Grand Jury in Los Angeles erhob am 29. September Anklage gegen den Inhaber von Earthmade Computer.
  • Laut Anklage gelangten 2023 und 2024 Server mit US-Grafikprozessoren im Wert von rund 261 Millionen Euro über Malaysia und Singapur nach China.
  • Angeklagt sind Verstöße gegen Exportkontrollen, Schmuggel und Geldwäsche, mit bis zu 20 Jahren Haft je Punkt.
  • Der Beschuldigte hat sich bisher nicht geäußert; bis zu einem Urteil gilt die Unschuldsvermutung.

Wie lief die Umleitung über Malaysia laut Anklage?

Geöffneter Karton mit Serverkomponente, Adressetikett nach Malaysia und Temperaturaufkleber
US-Ausfuhrregeln verbieten Verkauf von KI-Chips an China seit Oktober 2022. Earthmade kaufte Server bei US-Herstellern, um das Embargo zu umgehen

Die US-Ausfuhrregeln knüpfen die Genehmigungspflicht an das Bestimmungsland in den Frachtpapieren. Seit Oktober 2022 braucht jede Lieferung leistungsstarker KI-Chips nach China eine Lizenz des Bureau of Industry and Security (BIS). Für Nvidias H100 erteilte Washington in den Jahren 2023 und 2024 keine China-Lizenzen. Laut Anklage kaufte Earthmade deshalb Server bei US-Herstellern, gab Abnehmer in Malaysia und Singapur an und schickte die Ware von dort nach China weiter.[1] In den Servern steckten laut Bloomberg Nvidia-Chips.

Den Geldfluss beschreibt die Anklage ebenso genau. Zwischen Januar und Oktober 2024 erhielt Earthmade laut Staatsanwaltschaft mehr als 153 Millionen Euro von Logistikfirmen aus Malaysia. Logistiker als Abnehmer großer Servermengen nennt das BIS in seinen Leitlinien vom Mai 2025 ausdrücklich als Warnsignal.[2] Der Anreiz für solche Umwege bleibt hoch, weil legale Lieferungen knapp sind: Für das laufende Quartal plant Nvidia ohne Rechenzentrumsumsatz aus China.

Ist der Fall Earthmade ein Einzelfall?

Das Muster kehrt wieder. Im März 2026 klagte die US-Justiz einen Mitgründer von Supermicro an, der mit zwei weiteren Beschuldigten KI-Server für rund 2,18 Milliarden Euro nach China umgeleitet haben soll. Im August folgte die Staatsanwaltschaft im taiwanischen Keelung mit einer Anklage wegen Nvidia-B300-Servern, die als Fracht nach Japan deklariert waren. Beide Male nannten die Frachtpapiere laut Anklage ein Drittland als Ziel.

Malaysia hat diese Lücke inzwischen geschlossen. Seit dem 14. Juli 2025 verlangt das Handelsministerium in Kuala Lumpur für Ausfuhr, Umschlag und Transit von Hochleistungs-KI-Chips aus den USA eine eigene Genehmigung.[3] Parallel nutzen chinesische Konzerne einen legalen Umweg und mieten Rechenzeit in Südostasien, Tencent etwa 100.000 KI-Chips bei Oracle.

Der Fall Earthmade in Zahlen
Vorwürfe der US-Staatsanwaltschaft in Los Angeles, umgerechnet in Euro
261 Mio. €
Wert der Server, die laut Anklage 2023 und 2024 über Malaysia und Singapur nach China gingen
153 Mio. €
Zahlungen malaysischer Logistikfirmen an Earthmade von Januar bis Oktober 2024 laut Anklage
6,6 Mio. €
Volumen einer einzelnen Bestellung über 27 Server im Januar 2024 laut Anklage
2,18 Mrd. €
Wert der Server im Fall des angeklagten Supermicro-Mitgründers vom März 2026
Höchststrafe je Anklagepunkt
Verschwörung zum Verstoß gegen Exportkontrollen20 Jahre
Verschwörung zur Geldwäsche20 Jahre
Schmuggel aus den USA10 Jahre
Eine Anklage ist keine Verurteilung. Alle Dollarbeträge umgerechnet zum Kurs von 0,87 (Stand 2. Oktober 2026).

Beim Export von KI-Servern zählt nicht der Firmensitz des Verkäufers, sondern der letzte Empfänger. Ein Systemhaus, das 27 Nvidia-Server an einen Spediteur ohne eigenes Rechenzentrum verkauft, findet das Warnsignal schon auf der eigenen Rechnung.

Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
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Was folgt daraus für Händler und Rechenzentren in Deutschland?

Die US-Ausfuhrregeln für Nvidia-Chips gelten auch nach dem Weiterverkauf in Europa. Ein Systemhaus braucht eine Genehmigung des BIS, sobald ein Nvidia-Server von hier aus nach China weitergeht. Verstöße können Bußgelder und einen Eintrag auf der Entity List nach sich ziehen, der Lieferungen von US-Herstellern praktisch abschneidet. Lieferungen nach Malaysia an sich sind unverdächtig, wie die KI-Rechenzentren für OpenAI zeigen.

Händler und Betreiber von KI-Rechenzentren sollten größere Serverbestellungen gegen die Warnsignale prüfen, die das BIS auflistet, darunter diese:

  • Der Kunde hat vor Oktober 2022 nie KI-Hardware bezogen oder kauft seither ein Vielfaches.
  • Als Empfänger steht ein Spediteur, eine Briefkastenadresse oder eine Wohnanschrift in den Papieren.
  • Das angebliche Rechenzentrum kann Strom, Kühlung und Fläche für die Server nicht belegen.
  • Der Sitz des Mutterkonzerns bleibt unklar oder liegt in China.

Eine Endverbleibserklärung samt Abgleich mit den US-Sanktionslisten gehört zu jedem solchen Auftrag.

FAQ: Nvidia-Server für 261 Millionen Euro: US-Justiz verhaftet Händler wegen mutmaßlichen Schmuggels nach China

Warum darf Nvidia keine KI-Chips nach China verkaufen?

Die USA stufen leistungsstarke KI-Chips seit Oktober 2022 als Güter ein, die Chinas Militär stärken könnten, und verlangen für jede Lieferung nach China eine Lizenz des Handelsministeriums. Seit Mai 2026 erteilt Washington solche Lizenzen für Nvidias H200 an ausgewählte chinesische Konzerne, jeweils mit Obergrenzen.

Was ist der Nvidia H100?

Der H100 ist ein Rechenbeschleuniger von Nvidia mit Hopper-Architektur, mit dem Rechenzentren seit 2022 vor allem große KI-Modelle trainieren. Der Chip enthält rund 80 Milliarden Transistoren. Nachfolger sind die Generationen Blackwell und Blackwell Ultra.

Was macht das Bureau of Industry and Security?

Das Bureau of Industry and Security (BIS) ist die Behörde im US-Handelsministerium, die Ausfuhren von Gütern mit doppeltem Verwendungszweck kontrolliert. Das BIS erteilt Exportlizenzen, verfolgt Verstöße und führt die Entity List, auf der Unternehmen mit eingeschränktem Zugang zu US-Technik stehen.

Gelten US-Exportkontrollen auch für deutsche Unternehmen?

Ja, die US-Exportkontrollen erfassen Güter wie Server mit Nvidia-Chips auch nach dem Weiterverkauf im Ausland. Ein deutsches Unternehmen braucht für die Weiterlieferung solcher Server nach China deshalb eine Genehmigung des BIS. Verstöße können Bußgelder und einen Eintrag auf der Entity List nach sich ziehen.

Was ist eine Endverbleibserklärung?

Eine Endverbleibserklärung ist ein Dokument, in dem der Käufer schriftlich bestätigt, wer eine Ware endgültig erhält, wo die Ware eingesetzt wird und wofür. Ausfuhrbehörden wie das deutsche Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle verlangen eine solche Erklärung bei genehmigungspflichtigen Exporten. Falsche Angaben darin können strafbar sein.

Quellen

[1] US-Staatsanwaltschaft für den Central District of California: Pressemitteilung zur Festnahme und Anklage vom 1. Oktober 2026

[2] Bureau of Industry and Security: „Industry Guidance to Prevent Diversion of Advanced Computing Integrated Circuits“ vom 13. Mai 2025

[3] Ministry of Investment, Trade and Industry Malaysia: Pressemitteilung zur Genehmigungspflicht für US-KI-Chips vom 14. Juli 2025

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