Jensen Huang fasste Nvidias zweites Geschäftsquartal in vier Worten zusammen: „Rechenleistung ist jetzt Umsatz.“ Dahinter stehen 83,7 Milliarden Euro Erlös, umgerechnet zum Kurs von 0,87 Euro je US-Dollar am 26. August 2026 und mehr als doppelt so viel wie ein Jahr zuvor.[1] Die schärfere Aussage steht allerdings im Ausblick: Für das laufende Quartal plant der Chiphersteller mit null Rechenzentrumsumsatz aus China. Der Rekord ruht damit auf einer Handvoll amerikanischer Käufer, die parallel an eigenen Beschleunigern bauen.

drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügen

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Quartalsumsatz stieg um 106 Prozent auf 83,7 Milliarden Euro, nach 40,6 Milliarden Euro im Vorjahresquartal.
  • Das Rechenzentrumsgeschäft steuerte 77,4 Milliarden Euro bei, also 92,5 Prozent des Konzernumsatzes.
  • Für das laufende Quartal stellt Nvidia 94,0 Milliarden Euro in Aussicht und rechnet dabei mit keinem Euro Rechenzentrumsumsatz aus China.
  • Die Bruttomarge lag bei 75,0 Prozent, an die Aktionäre flossen im Quartal 22,6 Milliarden Euro zurück.

Woher kommen die 83,7 Milliarden Euro?

Ein Serverschrank mit zwei Preisschildern. Ein oranges Schild zeigt den Betrag von 83,7 Mrd. Euro, ein weißes Schild trägt die Aufschrift
Rechenzentrumsgeschäft generiert 77,4 Mrd. Euro Umsatz mit 117% Wachstum, Edge Computing bringt 6,3 Mrd. Euro bei 75% Bruttomarge

Fast der gesamte Umsatz stammt aus dem Rechenzentrumsgeschäft. Der Bereich brachte 77,4 Milliarden Euro und wuchs binnen eines Jahres um 117 Prozent, während alles Übrige unter der Sammelposition Edge Computing auf 6,3 Milliarden Euro kam. Die Bruttomarge hielt sich bei 75,0 Prozent, obwohl die Speicherpreise anziehen und die neue Preisstufe für Nvidias KI-Server laut Bloomberg oberhalb von 15 Prozent liegt.

„Künstliche Intelligenz hat ihren Wendepunkt erreicht“, sagte Mitgründer und Vorstandschef Huang zu den Zahlen. Gemeint ist der Wechsel vom einmaligen Training zum Dauerbetrieb. Modelle im Produktivbetrieb verbrauchen in jeder Stunde Token, und jede dieser Stunden erzeugt neue Nachfrage nach Beschleunigern. Die Auftragsbasis verschiebt sich damit vom Projektgeschäft zu laufenden Betriebskosten.

Warum steht China im Ausblick bei null?

Nvidia schließt den chinesischen Rechenzentrumsmarkt in der Prognose ausdrücklich aus.[1] Die Vorhersage von 94,0 Milliarden Euro für das laufende Quartal enthält keinen Cent aus dem zweitgrößten Absatzgebiet der Branche, obwohl Washington Ausfuhren abgerüsteter Beschleuniger nach China inzwischen im Einzelfall genehmigt. Die Ausfuhrkontrollen haben das China-Geschäft nicht geschrumpft, sondern aus der Planung entfernt.

Der Grund liegt in der Fertigungskapazität. Fortgeschrittene Gehäusetechnik und Speicher mit hoher Bandbreite bleiben knapp. Jede Charge, die in einen exportfähigen China-Chip wandert, fehlt im Rack eines amerikanischen Cloud-Anbieters mit höherem Deckungsbeitrag. Wie eng der rechtliche Rahmen daneben gezogen ist, zeigten im August zwei Verfahren: die Anklage der taiwanischen Staatsanwaltschaft im B300-Fall und die Entlassungen im Vertrieb von Supermicro nach Lieferungen an chinesische Abnehmer.

Nvidia liefert das erste Rekordquartal der KI-Ära, in dem China in der Bilanz schlicht fehlt. Für europäische Käufer heißt das: Verfügbarkeit wird künftig politisch verteilt, nicht allein über den Preis.

— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Nvidias Rekordquartal in vier Zahlen
Zweites Geschäftsquartal des Geschäftsjahres 2027, gemeldet am 26. August 2026. Alle Beträge umgerechnet zum Kurs von 0,87 Euro je US-Dollar.
83,7 Mrd. €
Quartalsumsatz
Ein Plus von 106 Prozent gegenüber 40,6 Mrd. Euro im Vorjahresquartal.
77,4 Mrd. €
aus dem Rechenzentrum
92,5 Prozent des Konzernumsatzes, gewachsen um 117 Prozent.
0 €
China im Ausblick
Die Prognose von 94,0 Mrd. Euro für das laufende Quartal enthält keinen Rechenzentrumsumsatz aus China.
22,6 Mrd. €
zurück an die Aktionäre
Rückkäufe und Dividende in einem einzigen Quartal, bei 75,0 Prozent Bruttomarge.

Woher der Umsatz stammt

Rechenzentrum77,4 Mrd. Euro
Edge Computing6,3 Mrd. Euro

Was heißt das Rekordquartal für deutsche Käufer?

Deutsche Beschaffer konkurrieren mit Kunden, die ganze Quartalsproduktionen abnehmen. Für den Aufbau von KI-Fabriken hat Nvidia hierzulande bislang erst fünf Systemhäuser zertifiziert. Die EuroHPC-Ausschreibung für bis zu sieben KI-Gigafabriken endet am 12. November 2026, die Zuschläge fallen Anfang 2027 und damit genau in die neue Preisstufe.

Die zweite Folge betrifft die Abhängigkeit. Anthropic mietet Rechenleistung für 39 Milliarden Euro in einem amerikanischen Inselnetz, während OpenAI den eigenen Inferenzbeschleuniger gegen Nvidias GB300 misst. Selbst Broadcom beschafft inzwischen Fremdkapital für Anthropics eigene Chips. Die größten Kunden bauen also parallel an Ausweichwegen, mittelständische Käufer haben diese Möglichkeit nicht.

Das laufende Quartal endet im Oktober 2026. Bis dahin bleibt die Marke von 94,0 Milliarden Euro ohne China die verlässlichste Ansage des Herstellers. Beschaffer, die für 2027 eine KI-Fabrik oder größere Inferenzkapazität planen, richten ihre Budgetlinie besser an dieser Prognose aus als an den Listenpreisen von 2026 und lassen sich Liefertermine vertraglich zusichern.

FAQ: Nvidias Rekordquartal ohne China

Wie hoch war Nvidias Gewinn im zweiten Geschäftsquartal?

Nvidia wies für das zweite Geschäftsquartal einen Nettogewinn nach US-GAAP von 51,9 Milliarden Euro aus, umgerechnet zum Kurs von 0,87 Euro je US-Dollar am 26. August 2026. Der verwässerte Gewinn je Aktie lag bei 2,14 Euro. Die Bruttomarge blieb sowohl nach US-GAAP als auch bereinigt bei 75,0 Prozent.

Warum verkauft Nvidia kaum KI-Chips nach China?

Die US-Ausfuhrkontrollen für fortgeschrittene KI-Beschleuniger lassen Lieferungen nach China nur in abgerüsteter Form und im Einzelfall zu. Nvidia plant das laufende Quartal deshalb komplett ohne Rechenzentrumsumsatz aus China und weist diese Annahme im Ausblick ausdrücklich aus.

Was ist eine KI-Fabrik?

Als KI-Fabrik gilt ein Rechenzentrum, das ausschließlich auf das Training und den Betrieb großer KI-Modelle ausgelegt ist. Dazu gehören dicht gepackte GPU-Racks, ein Netzwerk mit sehr hoher Bandbreite sowie Flüssigkühlung. Nvidia zertifiziert Systemhäuser für den Aufbau solcher Anlagen, in Deutschland bislang fünf.

Was bedeutet die EuroHPC-Ausschreibung für deutsche Unternehmen?

Die EuroHPC-Ausschreibung vom 30. Juli 2026 fördert den Bau von bis zu sieben KI-Gigafabriken in Europa. Angebote sind bis zum 12. November 2026 möglich, die Zuschläge sollen Anfang 2027 fallen. Für Zulieferer und Betreiber aus dem deutschsprachigen Raum entsteht daraus ein Zeitfenster mit festem Enddatum.

Warum steigen die Preise für KI-Server?

Die Vertragspreise für Server-Speicher sind 2026 kräftig gestiegen, weil die Hersteller Kapazität auf Speicher mit hoher Bandbreite verlagert haben. Nvidia gibt diese Mehrkosten laut Bloomberg mit einem Aufschlag von mehr als 15 Prozent auf Systeme der kommenden Generation weiter.

Quelle

[1] Nvidia: „NVIDIA Announces Financial Results for Second Quarter Fiscal 2027“

Mehr Newshunger?

4,3 23 Bewertungen

Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?