DeepSeek hat zum ersten Mal Geschäftszahlen offengelegt. Die Summen fallen kleiner aus, als der weltweite Ruhm des KI-Labors vermuten lässt. In den ersten sieben Monaten 2026 nahm der ChatGPT-Herausforderer laut The Information rund 61 Millionen Euro ein, etwa das Zehnfache des gesamten Vorjahres.[2]
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDie kolportierte Bewertung setzt einen ganz anderen Maßstab. Während der Umsatz überschaubar bleibt, wirbt DeepSeek frisches Kapital bei rund 64 Milliarden Euro ein und lässt einen möglichen Börsengang vorbereiten.[1] Zwischen diesen beiden Zahlen liegt die eigentliche Nachricht.
Das Wichtigste in Kürze
- Der Umsatz erreichte von Januar bis Juli 2026 rund 61 Millionen Euro, etwa das Zehnfache des gesamten Jahres 2025; annualisiert nähert er sich laut The Information rund 435 Millionen Euro.
- Der Nettoverlust schrumpfte auf rund 91 Millionen Euro, nach rund 119 Millionen Euro im gesamten Jahr 2025.
- Im API-Geschäft lag die Bruttomarge bei 82,9 Prozent, über das ganze Unternehmen bei 44,6 Prozent.
- DeepSeek wirbt frisches Kapital bei einer kolportierten Bewertung von rund 64 Milliarden Euro ein und lässt einen Börsengang prüfen; das entspräche etwa dem 150-Fachen des annualisierten Umsatzes.
Warum bleibt DeepSeeks Umsatz so klein?

DeepSeek verschenkt sein Modell und verdient nur an der eigenen Programmierschnittstelle, während andere den Löwenanteil der Wertschöpfung abgreifen. Die offenen Gewichte darf jede Cloud und jeder Inferenz-Anbieter selbst betreiben, und deren Einnahmen landen nie beim Labor. Vergütet wird allein die hauseigene Programmierschnittstelle, deren Preise DeepSeek nach Uhrzeit staffelt und selbst am stärksten drückt.
Ein zweiter Grund liegt in der Linie des Gründers Liang Wenfeng, der den Bau einer künstlichen allgemeinen Intelligenz über schnelles Geldverdienen stellt. Finanziert wird das Labor bislang vor allem aus dem Quant-Fonds High-Flyer, weshalb kurzfristiger Umsatz nie das Ziel war. Bei einem Ausgabepreis von unter zwei Euro je Million Token bleibt vom Weltruhm wenig in der Kasse.
Ist DeepSeek 64 Milliarden Euro wert?
Gemessen am heutigen Umsatz ist die Bewertung extrem, gemessen an der Konkurrenz wirkt sie fast bescheiden. Rund das 150-Fache des annualisierten Umsatzes zahlen die Investoren laut The Information, ein Vielfaches klassischer Maßstäbe. Zum Vergleich liegt der private Marktwert des US-Rivalen OpenAI um ein Mehrfaches höher, bei ebenfalls tiefroten Zahlen.
Anders als bei manchem Rivalen zeigt der Trend nach oben: Die Verluste schrumpfen, während der Umsatz zehnmal so schnell wächst. Wie hart die Börse solche Wetten inzwischen abstraft, führte zuletzt der Kurssturz von Zhipu und MiniMax vor, und auch Moonshot sammelt vor einem Börsengang frisches Kapital ein.
Bei DeepSeek zahlt die Welt für ein Modell, das die Firma verschenkt. Die 64 Milliarden sind keine Wette auf den heutigen Umsatz, sondern auf die Frage, wer am Ende die künstliche allgemeine Intelligenz besitzt.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Wie teuer der KI-Ausbau selbst die Großen zu stehen kommt, zeigt der Blick auf Baidu, das zwei Drittel seines Gewinns in den Umbau steckt, und auf Alibaba, das sich Milliarden für seine KI-Fabriken besorgt. Dass offene Gewichte auch anderen ein Geschäft eröffnen, ordnet der Überblick zur künstlichen Intelligenz ein.
Was bedeutet DeepSeek für europäische Unternehmen?
Für europäische Firmen ist DeepSeek Chance und Prüffall zugleich: Das offene Modell läuft im eigenen Rechenzentrum, die zugehörige App steht dagegen unter Datenschutz-Verdacht. Betreibt ein Unternehmen die Gewichte auf eigenen Servern, bleiben die Daten in der EU, und die DSGVO ist leichter einzuhalten als bei einem US-gehosteten Dienst. Genau darin liegt der Reiz der offenen Modelle, und genau deshalb verdient das Labor an der europäischen Nutzung kaum etwas.
Für Entscheider heißt das konkret: Sensible Daten laufen über eine selbst betriebene Kopie des offenen Modells, nicht über die chinesische App, deren Datenfluss die Berliner Datenschutzbeauftragte im Juni 2025 bei Apple und Google beanstandete. Zudem plant jeder Einkauf offener Gewichte die Pflichten der KI-Verordnung für Modelle mit allgemeinem Verwendungszweck von Anfang an ein, denn die Verantwortung wandert mit dem Betrieb zum eigenen Unternehmen.
FAQ: DeepSeek-Umsatz und Bewertung
Wie viel Umsatz macht DeepSeek?
DeepSeek nahm in den ersten sieben Monaten 2026 laut The Information rund 61 Millionen Euro ein, etwa das Zehnfache des gesamten Vorjahres. Hochgerechnet aufs Jahr nähert sich der Umsatz demnach rund 435 Millionen Euro.
Ist DeepSeek profitabel?
Nein. DeepSeek machte von Januar bis Juli 2026 einen Nettoverlust von rund 91 Millionen Euro, nach rund 119 Millionen Euro im gesamten Jahr 2025. Der Verlust schrumpft also, während der Umsatz steigt. Im API-Geschäft liegt die Bruttomarge bei 82,9 Prozent.
Wie hoch ist DeepSeek bewertet?
DeepSeek wirbt laut The Information frisches Kapital bei einer kolportierten Bewertung von rund 64 Milliarden Euro ein. Das entspricht etwa dem 150-Fachen des annualisierten Umsatzes. Investmentbanker bereiten einen möglichen Börsengang im kommenden Jahr vor.
Warum verdient DeepSeek trotz seines Rufs so wenig?
DeepSeek veröffentlicht sein Modell als offene Gewichte, die jede Cloud und jeder Inferenz-Anbieter selbst betreiben darf. Deren Einnahmen fließen nie an DeepSeek. Einnahmen kommen nur aus der eigenen Programmierschnittstelle, deren Preise das Labor selbst niedrig hält, unter zwei Euro je Million Ausgabe-Token.
Ist DeepSeek in Europa datenschutzkonform nutzbar?
Das offene Modell lässt sich im eigenen Rechenzentrum betreiben, sodass Daten in der EU bleiben und die DSGVO leichter einzuhalten ist. Die chinesische DeepSeek-App steht dagegen unter Beobachtung: Die Berliner Datenschutzbeauftragte meldete sie im Juni 2025 nach Artikel 16 DSA an Apple und Google, Italiens Behörde ließ sie aus den Stores nehmen.
Quellen
[1] The Information: „DeepSeek’s Annualized Revenue Nears $500 Million, Boosting Fundraise and IPO Plans“
[2] The Information: „DeepSeek’s Revenue Reaches $70 Million as of July, Tenfold Jump from 2025“
Mehr Newshunger?
- DeepSeek staffelt die KI-Preise nach Uhrzeit: tagsüber bis zum Viereinhalbfachen
- DeepSeek gibt seinem KI-Modell Augen: ein Bild kostet Bruchteile eines Cents
- Moonshot teilt die Token: Chinas Kimi drängt ins Firmengeschäft
- Chinas KI-Aktien verlieren die Hälfte: Zhipu und MiniMax stürzen an der Börse
- Baidu bezahlt den KI-Umbau mit zwei Dritteln seines Gewinns
- Alibaba holt sich 8,9 Milliarden Euro für seine KI-Fabriken