Babyboomer-Häuser kommen in den kommenden zwei Jahrzehnten millionenfach auf den Markt, rund 4,8 Millionen Eigenheime. Sobald diese Objekte in Verkauf und Erbfall gehen, entscheidet allein die Lage über den Wert. In der Uckermark stehen fast 48 Prozent aller Eigentumsimmobilien vor diesem Wechsel, in München praktisch keine.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenBabyboomer-Häuser gelten vielen jungen Familien als letzte Hoffnung auf bezahlbares Eigentum. Die Rechnung geht allerdings nur in Regionen auf, aus denen ohnehin niemand wegzieht. Genau dort, wo das Angebot am größten wird, fehlen bald die Käufer.
Das Wichtigste in Kürze
- Rund 32 Prozent des Wohneigentums, etwa 4,8 Millionen Häuser und Wohnungen, gehören laut Jacasa der Generation der zwischen 1946 und 1964 Geborenen.
- Die entscheidende Übergabephase erwarten Fachleute zwischen 2040 und 2050, der Prozess läuft aber bereits schleichend.
- In Ballungsräumen fängt die Wohnungsnot das zusätzliche Angebot auf, in ländlichen Kreisen Ostdeutschlands droht ein Überhang.
- Nicht das Baujahr entscheidet über den Preis, sondern die Frage, ob nach dem Verkäufer noch jemand dort wohnen möchte.
Wie viele Häuser wechseln bald den Besitzer?

Die Ausgangszahl stammt von der Immobilienplattform Jacasa, die auf Basis von Zensusdaten rund 4,8 Millionen Boomer-Immobilien zählt. Von etwa 14 Millionen Objekten im Wohneigentum auf Kreisebene liegt damit fast ein Drittel in einer Hand, die den Bestand in den nächsten 15 bis 25 Jahren weiterreicht. Details je Landkreis führt die Jacasa-Analyse zum Silver Tsunami auf.
Warum trifft der Preisdruck nur bestimmte Regionen?
Das Institut der deutschen Wirtschaft dämpft die Hoffnung auf schnelle Schnäppchen. Die Ökonomen führen die vielen neuen Inserate vor allem auf schwächere Nachfrage und längere Vermarktungszeiten zurück, nicht auf plötzlich mehr freie Häuser. Bundesweit fehlen weiter rund 800.000 Wohnungen, und in gefragten Lagen schluckt dieser Mangel jedes Zusatzangebot. Wie stark die Lage das Ergebnis dreht, rechnet unser Vergleich Immobilie kaufen oder mieten vor.
Der Silver Tsunami ist kein bundesweiter Preisrutsch, sondern eine Landkarte der Verlierer. Ein saniertes Haus im Speckgürtel von München gewinnt, während in der Uckermark der Erbe schon froh ist, überhaupt einen Käufer zu finden.
— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Welche Kreise stehen ganz oben auf der Risikoliste?
Am stärksten ballt sich der Bestand dort, wo schon heute die Bevölkerung schrumpft. Jacasa nennt die brandenburgische Uckermark mit knapp 48 Prozent, dahinter den Ennepe-Ruhr-Kreis in Nordrhein-Westfalen mit rund 45 Prozent sowie Meißen und Saalfeld-Rudolstadt. Kritisch wird die Lage vor allem dort, wo ein hoher Anteil auf bestehenden Leerstand trifft, etwa im Altenburger Land oder in Zwickau.
Lesetipp: Baufinanzierung: Traumhaus oder Schuldenfalle?
Für Eigentümer in schrumpfenden Regionen zählt daher der Zeitpunkt mehr als der Quadratmeterpreis. Ein Verkauf vor der großen Übergabewelle sichert heute noch Nachfrage, die in zehn Jahren fehlen kann. Käufer prüfen nicht das Haus allein, sondern die Zukunft des ganzen Landkreises, denn ein Schnäppchen ohne Nachmieter bleibt am Ende ein teurer Stillstand. Wer stattdessen auf die Gewinnerregionen schaut, findet sie in unserer Übersicht zu den Immobilienpreisen bis 2035.