Chinesische Automarken haben im Juli 2026 in Europa so viele Neuwagen zugelassen wie nie zuvor und kamen auf einen Marktanteil von 11,2 Prozent. Nach vorläufigen Zahlen des Marktbeobachters Dataforce ist das ein Rekord, fast eine Verdopplung binnen eines Jahres.

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An der Spitze der Zulassungsstatistik steht ausgerechnet ein günstiger Verbrenner, der Dacia Sandero, während das Tesla Model Y bei den reinen Stromern nur noch auf Platz elf auftaucht. Damit verschiebt sich das Kräfteverhältnis im europäischen Automarkt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Chinesische Marken erreichten im Juli 11,2 Prozent Marktanteil, nach 10,9 Prozent im Juni und rund 5,6 Prozent ein Jahr zuvor; ihre Zulassungen stiegen um 107 Prozent.
  • Der Gesamtmarkt in der EU, Großbritannien und den EFTA-Staaten wuchs um 4,1 Prozent, reine Elektroautos kamen auf 25 Prozent Anteil.
  • Meistverkauftes Modell war der Dacia Sandero, Teslas Europa-Absatz fiel um 36 Prozent.
  • Für Händler und Käufer im DACH-Raum verschärft sich damit der Preisdruck im Einstiegssegment.

Warum wächst der Anteil chinesischer Automarken so schnell?

Podest mit einem orangefarbenen Spielzeugauto ganz oben und zwei grauen seitlich
EU-Zölle auf chinesische Elektroautos fördern Ausweichstrategien: Hersteller verschieben Angebot zu Plug-in-Hybriden und lagern Produktion nach Europa

Zölle und lokale Montage treiben den Rekord stärker als der reine Preisvorteil. Seit Oktober 2024 belegt die EU batterieelektrische Importe aus China mit Ausgleichszöllen von bis zu 35,3 Prozent. Plug-in-Hybride fallen bislang nicht darunter. Genau in diese Lücke haben die Hersteller ihr Angebot verschoben.

Parallel verlagern die Marken die Fertigung nach Europa. Leapmotor montiert von Oktober an in Spanien, BYD baut in Ungarn. Die Endmontage im Zollgebiet umgeht die Abgaben ganz. Der Aufstieg ist damit weniger eine Frage des Kampfpreises als der geschickten Umgehung der Handelsschranken, wie schon der Blick nach China zeigt, wo der Elektroanteil erstmals über 60 Prozent liegt.

Welche Marken treiben den Rekord?

Die Aufholjagd verteilt sich auf mehrere Anbieter, nicht auf einen einzigen Namen. Leapmotor legte im Juli um 294 Prozent zu, Xpeng um 270 Prozent, dahinter folgen Chery mit 202 und BYD mit 150 Prozent. Zusammen genügt das für den Sprung von 10,9 auf 11,2 Prozent Marktanteil.

Auf der Gegenseite steht Tesla. Der US-Hersteller verlor in Europa 36 Prozent seines Absatzes, das einst dominierende Model Y rangiert bei den Elektroautos nur noch auf Platz elf. In Deutschland hatte sich der Einbruch bereits an den Neuzulassungen abgezeichnet. Günstige Modelle wie der BYD Da Han mit gut 1000 Kilometern Reichweite erhöhen den Druck zusätzlich. Reine Elektroautos stellten europaweit zuletzt rund ein Viertel aller Neuwagen; im ersten Halbjahr lag ihr Anteil laut Herstellerverband ACEA bei 20,7 Prozent.[1]

Der Rekord der chinesischen Marken entsteht nicht am Preisschild allein, sondern an der Zollgrenze. Der Vorsprung wächst dort, wo Hersteller die Regeln der Handelspolitik geschickter lesen als der ehemalige Marktführer.

— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Europas Automarkt im Juli 2026
Chinesische Marken auf Rekordanteil, Tesla verliert
11,2 %
Marktanteil chinesischer Marken im Juli, Rekord nach 10,9 Prozent im Juni und rund 5,6 Prozent ein Jahr zuvor
25 %
Anteil reiner Elektroautos am europäischen Neuwagenmarkt, ein Plus von 51 Prozent gegenüber Juli 2025
+4,1 %
Wachstum des Gesamtmarkts in der EU, Großbritannien und den EFTA-Staaten
−36 %
Rückgang von Teslas Europa-Absatz, das Model Y fiel bei den Stromern auf Platz elf

Zulassungsplus chinesischer Marken im Juli 2026

Leapmotor
+294 %
Xpeng
+270 %
Chery
+202 %
BYD
+150 %

Was bedeutet das für Händler und Käufer im DACH-Raum?

Die Zoll-Lücke schließt sich womöglich bald. Die EU-Kommission prüft für den Herbst, ob Plug-in-Hybride aus China künftig ebenfalls unter die Ausgleichszölle fallen. Fällt die Entscheidung, verlieren die günstigen Teilzeitstromer ihren Preisvorteil und die Rechnung der Hersteller ändert sich über Nacht.

Für den Handel zählt vor allem das Einstiegssegment. Chinesische Anbieter drängen mit Kampfpreisen dorthin, wo deutsche Marken traditionell verdienen. Selbst Direktimporteure verkaufen inzwischen China-Modelle an den Markennetzen vorbei. Volkswagen kontert mit dem ID. Polo für rund 25.000 Euro, doch die Marge im Kleinwagen bleibt dünn.

Käufer sollten die Gesamtkosten rechnen statt nur den Listenpreis: Ladekosten und Wiederverkaufswert entscheiden über den echten Preis eines Elektroautos. Der Handel verhandelt jetzt besser über Finanzierung und Service als über den Fahrzeugpreis.

Quelle

[1] ACEA: „New car registrations: +5.7% in H1 2026; battery-electric 20.7% market share“

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