Chinas Industrieministerium stellt Alibaba und ByteDance laut The Information eine Kauferlaubnis für Nvidias neue Grafikkarte RTX Pro 5500 in Aussicht. Die Karte kommt mit 84 GB GDDR7-Speicher statt mit knappem HBM aus und bleibt weit unter der US-Exportschwelle. Vor einem Jahr hatte Peking denselben Konzernen eine ähnliche Nvidia-Karte noch verboten.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenNach dem H200 könnte die Nvidia RTX Pro 5500 der nächste Nvidia-Chip werden, den Chinas Regierung ihren Tech-Konzernen ausdrücklich erlaubt. Das Ministerium für Industrie und Informationstechnik (MIIT) bat ByteDance, Alibaba und weitere Firmen um Angaben zu geplanten Stückzahlen und Einsatzzwecken. Einigen Firmen kündigte das MIIT die Genehmigung bereits an, wie The Information am 27. September berichtete. Nvidia, Alibaba und ByteDance äußerten sich bislang nicht, Reuters konnte den Bericht nicht unabhängig bestätigen.
Das Wichtigste in Kürze
- Chinas Industrieministerium fragte laut The Information bei Alibaba und ByteDance Kaufpläne für die RTX Pro 5500 ab und stellte Genehmigungen in Aussicht.
- Die Workstation-Karte bringt 84 GB GDDR7-Speicher und 1.398 GB/s Bandbreite mit, knapp 30 Prozent des H200-Werts.
- Die US-Exportregel vom Januar erlaubt Einzelfallprüfungen für Chips unter 6.500 GB/s Speicherbandbreite.
- Im September 2025 hatte Chinas Internetaufsicht denselben Firmen den Kauf der RTX Pro 6000D noch untersagt.
Was plant Peking mit der RTX Pro 5500?

Nvidia führt die RTX Pro 5500 seit September auf der eigenen Produktseite, eine Pressemitteilung gibt es nicht.[1] Die Karte basiert auf der Blackwell-Architektur, hat 84 GB GDDR7-Speicher mit Fehlerkorrektur und zieht bis zu 600 Watt. Per Multi-Instance-GPU lässt sie sich in zwei voneinander getrennte Instanzen aufteilen. Einen Preis nennt Nvidia nicht, der Status lautet „Coming Soon“.
Für ByteDance und Alibaba zählt vor allem der große Speicher. In 84 GB passt ein Sprachmodell mit 70 Milliarden Parametern in 8-Bit-Quantisierung knapp auf eine einzige Karte. Solche Karten eignen sich für die Inferenz, also das Beantworten von Anfragen und den Betrieb von KI-Agenten. Für das Training großer Modelle fehlt ihnen die Bandbreite.
Mit der Freigabe rückt Peking von einem Kaufverbot ab. Im September 2025 wies die Internetaufsicht CAC laut Financial Times ByteDance und Alibaba an, Tests und Bestellungen der RTX Pro 6000D einzustellen, einer eigens für China abgespeckten Karte. Im August 2026 ließ Peking dann den Import von H200-Chips zu, wollte die Chips aber in Hongkong halten. Nvidia plant für das laufende Quartal trotzdem ausdrücklich ohne Rechenzentrumsumsatz aus China. Chinesische Firmen mieten derweil Rechenleistung im Ausland, die sie im Inland nicht kaufen dürfen.
Warum rutscht die Karte unter der US-Schwelle durch?
Die US-Exportbehörde BIS zieht seit dem 15. Januar 2026 zwei Grenzwerte: eine Rechenleistung (Total Processing Performance) unter 21.000 und eine DRAM-Bandbreite unter 6.500 GB/s.[2] Chips unterhalb beider Werte, etwa der H200, bekommen eine Einzelfallprüfung statt der Regelablehnung. Der Exporteur muss dafür unter anderem ausreichende Vorräte in den USA bestätigen und einen unabhängigen Leistungstest in den USA nachweisen.
Die RTX Pro 5500 erreicht mit 1.398 GB/s knapp 30 Prozent der H200-Bandbreite von 4,8 TB/s.[3] Den Unterschied macht der Speichertyp. Rechenzentrums-Chips wie der H200 nutzen gestapelten HBM-Speicher, die RTX Pro 5500 den GDDR7-Speicher aus Grafikkarten. HBM ist knapp und steht seit Dezember 2024 selbst auf der US-Kontrollliste, GDDR7 fertigen Samsung, SK Hynix und Micron in großen Mengen für den Massenmarkt. Ob Nvidia für die Karte überhaupt eine Exportlizenz braucht, ist offen. Branchenmanager rechnen laut The Information nicht mit US-Hürden.
Für Peking hat die Karte einen strategischen Vorteil: Eine Workstation-GPU mit GDDR7 konkurriert kaum mit heimischen Trainingsbeschleunigern. Alibaba entwickelt mit dem Zhenwu V900 einen eigenen KI-Chip und Cambricon plant bereits mit einem China-Geschäft ohne Nvidia. Günstige Inferenzkarten füllen eine Lücke, ohne diese Pläne zu gefährden.
Speicherbandbreite im Vergleich (GB/s)
Pekings Kurs bei Nvidia-Chips
Peking lässt bei Nvidia nur einkaufen, was die eigene Chipindustrie noch nicht liefern kann. Über Chipexporte entscheidet damit nicht mehr Washington allein.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was bedeutet das für Unternehmen in Europa?
Europäische Käufer unterliegen keinen US-Mengengrenzen, denn die AI Diffusion Rule mit Länderkontingenten hob Washington im Mai 2025 auf. Bestellen chinesische Hyperscaler die RTX Pro 5500 in großen Stückzahlen, konkurrieren sie allerdings um dieselbe Liefermenge. Einkäufer mit Projekten für 2027 sichern sich deshalb feste Liefertermine, bevor die ersten Großaufträge aus China eingehen.
Für Firmen, die KI-Modelle auf eigener Hardware betreiben, bleibt die Karte interessant. 84 GB auf einer Karte ersparen bei Modellen mit 70 Milliarden Parametern die Aufteilung auf zwei GPUs. Planen Sie pro Karte 600 Watt samt Kühlung ein und vergleichen Sie Preise erst, sobald Nvidia die Karte offiziell ausliefert. Als Alternative lohnen Mietangebote europäischer Rechenzentren, auch wenn Europas Ausbau neben Musks Colossus 2 bescheiden ausfällt. Weitere Hintergründe finden Sie in der KI-Rubrik.
FAQ: Nvidia RTX Pro 5500 und China
Was ist die Nvidia RTX Pro 5500?
Die RTX Pro 5500 ist eine Workstation-Grafikkarte auf Basis der Blackwell-Architektur mit 84 GB GDDR7-Speicher, 1.398 GB/s Bandbreite und bis zu 600 Watt Leistungsaufnahme. Nvidia führt die Karte seit September 2026 auf der Produktseite als „Coming Soon“, einen Preis nennt das Unternehmen nicht.
Darf Nvidia die RTX Pro 5500 nach China verkaufen?
Offiziell ist das nicht geklärt. Die US-Regel vom 15. Januar 2026 erlaubt Einzelfallprüfungen für Chips unter 21.000 TPP und 6.500 GB/s Speicherbandbreite. Die RTX Pro 5500 liegt mit 1.398 GB/s weit darunter. Branchenmanager erwarten laut The Information keine US-Hürden, eine offizielle Aussage fehlt.
Warum erlaubt China den Kauf, nachdem es die RTX Pro 6000D verboten hatte?
Peking fördert heimische Trainingschips von Huawei, Cambricon und Alibaba. Eine Workstation-Karte mit GDDR7-Speicher konkurriert kaum mit diesen Chips, deckt aber den Bedarf an Inferenz für KI-Dienste und KI-Agenten. Die Freigabe schließt eine Lücke, ohne die eigene Chipindustrie zu schwächen.
Was bedeutet die Freigabe für Käufer in Europa?
Europäische Firmen unterliegen keinen US-Mengengrenzen. Großbestellungen aus China könnten die Liefermenge aber verknappen. Unternehmen mit Projekten für 2027 sollten feste Liefertermine vereinbaren, 600 Watt je Karte einplanen und Mietangebote europäischer Rechenzentren als Alternative prüfen.
Quellen
[1] Nvidia: „NVIDIA RTX PRO 5500 Blackwell“ (Produktseite, vorläufige Spezifikationen)
[2] Federal Register: „Revision to License Review Policy for Advanced Computing Commodities“ (Dokument 2026-00789, 15. Januar 2026)
[3] Nvidia: „NVIDIA H200 Tensor Core GPU“ (Produktseite)
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