Auf der Apsara-Konferenz in Hangzhou hat Alibaba seinen neuen KI-Chip Zhenwu V900 vorgestellt und angekündigt, die eigenen Rechenzentren bis 2032 auf mehr als 20 Gigawatt auszubauen. Der Konzern kontrolliert damit die gesamte Kette vom Chip bis zur fertigen Anwendung, während europäische Anbieter weiter auf Nvidia und US-Clouds angewiesen sind. Für Entscheider im DACH-Raum verschiebt sich damit die Frage, woher künftig bezahlbare Rechenleistung kommt.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenEin einziger Rechencluster mit bis zu 500.000 Chips: Mit diesem Anspruch hat Alibaba seinen KI-Chip Zhenwu V900 auf die Bühne gebracht.[1] Der Nachfolger des im Mai vorgestellten M890 rechnet nach Konzernangaben dreimal so schnell und soll Alibaba unabhängiger von Nvidia machen. Hinter der Hardware steckt eine Strategie, die weit über ein einzelnes Bauteil hinausreicht.
Das Wichtigste in Kürze
- Alibabas Halbleitertochter T-Head hat mit dem Zhenwu V900 einen KI-Chip vorgestellt, der die dreifache Rechenleistung des Vorgängers M890 erreicht.
- Bis 2032 will Alibaba die weltweite Kapazität seiner Rechenzentren auf über 20 Gigawatt ausbauen; die Investitionen sollen 380 Milliarden Yuan (rund 49 Milliarden Euro) deutlich übersteigen.
- Ein einzelner Rechencluster soll bis zu 500.000 Chips für das Training großer Modelle bündeln.
- Für europäische Unternehmen wächst ein KI-Vollstack heran, der ohne US-Technik auskommt, wegen der Exportlage aber kaum in der EU nutzbar ist.
Was steckt im Zhenwu V900?

Der Zhenwu V900 ist ein Beschleuniger für Training und Inferenz, entwickelt von Alibabas Chipeinheit T-Head. Nach Angaben des Konzerns liefert er die dreifache Rechenleistung des im Mai vorgestellten M890, der bereits 144 Gigabyte Speicher bot und auf Nvidias H20 zielte.[2] Entscheidend ist weniger der einzelne Chip als die Menge: Ein Rechencluster soll bis zu 500.000 Karten verschalten und die Lücke zu Nvidia über die schiere Zahl schließen, ähnlich wie es Huawei mit seinem optischen Supernode vormacht.
Der Grund für den Eigenbau liegt in Washington. Seit März 2026 darf Nvidia auch den H20 nicht mehr nach China liefern, also ausgerechnet den für die alten Exportregeln entworfenen Chip. Ein Training großer KI-Modelle in China setzt damit heimische Hardware voraus, wie schon DeepSeek mit Cambricon-Chips und Cambricon selbst zeigen.
Warum baut Alibaba die ganze Kette selbst?
Alibaba verfolgt einen Vollstack-Ansatz: eine durchgehende Architektur vom Chip über die Cloud und die Modelle bis zur fertigen Agenten-Anwendung. Verwaltungsratschef Joe Tsai begründet das mit dem Wert, den ein integrierter Anbieter auf jeder Ebene abschöpft, vom verkauften Rechenzentrumsplatz bis zum Modellzugang.[1] Wie stark der Konzern schon heute an der Effizienz dreht, zeigt der Blick auf Kennzahlen wie Token pro Watt.
Konzernchef Eddie Wu unterlegt die Strategie mit Kapital. Bis 2032 soll die weltweite Rechenzentrumskapazität von Alibaba Cloud auf mehr als 20 Gigawatt wachsen; die Investitionen der kommenden Jahre sollen die bereits zugesagten 380 Milliarden Yuan (rund 49 Milliarden Euro, Stichtag 22. September 2026) deutlich übersteigen. Parallel kündigte Wu ein KI-Modell mit fünf bis zehn Billionen Parametern an.
Tsai warnt zugleich vor einer Blase beim Rechenzentrumsbau, weil viele Projekte ohne gesicherte Abnehmer starten. Genau diese Spannung aus massivem Ausbau und offener Skepsis prägt den Kurs.
Alibaba zeigt, dass KI-Souveränität keine Frage einzelner Chips ist, sondern der Kontrolle über die gesamte Kette. Europa führt diese Debatte noch, China baut sie längst.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was Alibaba auf der Apsara-Konferenz 2026 angekündigt hat
Was bedeutet Alibabas KI-Chip für Europa?
Für europäische Entscheider entsteht ein Wettbewerber, der seine KI-Leistung komplett ohne US-Technik erzeugt. Nutzbar ist dieser Stack in der EU trotzdem kaum. Die chinesische Ausfuhr solcher Chips ist streng reguliert. Datenschutzbehörden prüfen chinesische KI-Dienste rund um DeepSeek und seine Rechenzentren ohnehin bereits kritisch.
Zugleich legt Alibaba die Schwäche der europäischen Antwort offen. Der Kontinent hängt bei Chips an Nvidia und bei der Cloud an US-Hyperscalern, während Projekte wie Gaia-X, STACKIT oder die souveräne Cloud von SAP fragmentiert bleiben. Ein vertikal integrierter Anbieter aus einer Hand existiert in der EU nicht, wie auch der Blick auf die größten Rechenzentren Deutschlands zeigt.
Konkret heißt das für IT-Verantwortliche: Preise und Verfügbarkeit von Rechenleistung hängen weiter an wenigen US-Zulieferern. Alternativen erfordern, europäische Kapazitäten und die eigene Datenhaltung früh einzuplanen und die chinesische wie europäische KI-Landschaft genau zu verfolgen.
FAQ: Alibaba, Zhenwu V900 und die KI-Infrastruktur
Quellen
[1] Alibaba Group: „Joe Tsai on the Future of AI: Full-Stack Value Drives Alibaba’s Confidence“
[2] TrendForce: „Alibaba T-Head Unveils Zhenwu M890 With 3x Performance vs. Prior Gen; New AI Chips Planned for 3Q27/3Q28″
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