Cambricon meldete für das erste Halbjahr 2026 einen Nettogewinn von 297 Millionen Euro, ein Plus von 123 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Umsatz des chinesischen KI-Chip-Herstellers verdoppelte sich auf 770 Millionen Euro. Hinter dem Sprung steht kein Produktwunder, sondern die US-Exportkontrolle gegen Nvidia.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDas Wichtigste in Kürze
- Der Umsatz stieg um 108 Prozent auf 770 Millionen Euro, der Nettogewinn um 123 Prozent auf 297 Millionen Euro.
- Chinas Cloud- und Finanzkonzerne kaufen Cambricon-Beschleuniger, weil Nvidias Spitzenchips unter die US-Ausfuhrsperre fallen.
- Die Bruttomarge lag bei 55 Prozent, der Börsenwert bei rund 97 Milliarden Euro.
- Europa hat keinen vergleichbaren Chip-Champion und plant seine KI-Gigafabriken weiter mit Nvidia-Hardware.
Wie stark wächst Cambricon?

Cambricon, eines der Schwergewichte der chinesischen KI-Branche, steigerte den Halbjahresumsatz um 108 Prozent auf 770 Millionen Euro.[1] Der Nettogewinn erreichte 297 Millionen Euro, bereinigt um Sondereffekte 278 Millionen Euro. Vom ersten zum zweiten Quartal legte der Gewinn um 28 Prozent zu, von 130 auf 167 Millionen Euro.
Die Bruttomarge von 55 Prozent zeigt, wie knapp leistungsfähige KI-Chips in China sind. In Forschung und Entwicklung flossen 90 Millionen Euro, gut 30 Prozent mehr als im Vorjahr. Über 80 Prozent der Belegschaft arbeiten in der Entwicklung.
Der Lagerbestand wuchs auf 1,06 Milliarden Euro, fast die Hälfte der Bilanzsumme. Cambricon hortet Wafer und fertige Chips, weil der Zugang zu Fertigungskapazität beim heimischen Auftragsfertiger SMIC der eigentliche Engpass bleibt.
Warum boomt das Geschäft ausgerechnet jetzt?
Den Ausschlag gab die US-Exportkontrolle. Washington beschränkt seit Jahren die Ausfuhr von Nvidias schnellsten KI-Beschleunigern nach China, zuletzt auch die abgespeckte H20-Serie. Chinas Cloud-Konzerne und Banken brauchen Rechenleistung für ihre großen Sprachmodelle. Der Ausweg heißt heimische Chips.
Cambricon füllt genau diese Lücke. Finanzinstitute setzen die Beschleuniger für den Betrieb großer Modelle ein, Internetkonzerne für Grundlagenmodelle und Empfehlungssysteme.
Die Branche kennt das Muster. Der GPU-Entwickler Biren schrieb zwar noch tiefrote Zahlen, verbuchte den Verlust aber fast vollständig als Buchposten. Der Ausrüster AMEC errichtet in Wuhan die nächste Fabrik für heimische Chipmaschinen. Schon im Juli hatte Cambricon eine Zwölf-Milliarden-Euro-Wette auf das Ende von Nvidia in China angekündigt, die Halbjahreszahlen liefern nun den Beleg. Peking verwandelt die Sanktion so in ein Konjunkturprogramm für die eigene Halbleiterbranche.
Cambricon beweist, dass Exportverbote den Rückstand nicht zementieren, sondern einen geschützten Heimatmarkt schaffen. Europa dagegen finanziert KI-Gigafabriken und bestückt sie trotzdem mit kalifornischen Chips.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was bedeutet der Boom für Europa?
Für europäische Entscheider liegt die Lehre im Kontrast. China beantwortete die Exportsperren mit einem heimischen Chip-Champion, Europa hat keinen.
Der European Chips Act mobilisiert 43 Milliarden Euro und will Europas Weltmarktanteil bis 2030 auf 20 Prozent heben, ein Ziel, das viele Fachleute für unrealistisch halten.[2] Die geplanten KI-Gigafabriken rechnen weiter in Nvidia-H100-Einheiten. Selbst Meta bringt inzwischen einen eigenen KI-Chip in Produktion, um die Abhängigkeit zu lockern.
Unternehmen, die KI-Workloads planen, sollten die Herkunft ihrer Rechenleistung kennen, weil Exportregeln und neue Zölle Preise wie Liefertermine kurzfristig verschieben.
Cambricons Zahlen zeigen, wie schnell eine Sanktion einen abgeschotteten Wachstumsmarkt schafft. Prüfen Sie, welche KI-Hardware in Ihren Cloud-Verträgen steckt, bevor der nächste Exportstreit die Preise bewegt.
FAQ: Cambricon und der Nvidia-Bann
Wie viel Gewinn hat Cambricon im ersten Halbjahr 2026 gemacht?
Cambricon erzielte im ersten Halbjahr 2026 einen Nettogewinn von rund 297 Millionen Euro, ein Plus von 123 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Umsatz verdoppelte sich auf etwa 770 Millionen Euro, die Bruttomarge lag bei 55 Prozent.
Warum profitiert Cambricon von den US-Exportkontrollen?
Die USA beschränken die Ausfuhr von Nvidias leistungsstärksten KI-Chips nach China. Chinesische Cloud- und Finanzkonzerne weichen deshalb auf heimische Beschleuniger aus. Cambricon füllt als führender chinesischer Anbieter diese Lücke.
Ist Cambricon eine echte Alternative zu Nvidia?
Innerhalb Chinas gewinnt Cambricon rasch Anteile bei Rechenzentren. Gemessen an Nvidias globalem Vorsprung bei Software und Spitzenleistung bleibt der Abstand aber groß, der Heimatmarkt ist vor allem durch die Exportsperre geschützt.
Was bedeutet der Boom für Europa?
Europa hat keinen eigenen Hersteller von KI-Beschleunigern in dieser Größenordnung. Der European Chips Act will den Weltmarktanteil bis 2030 auf 20 Prozent heben, doch die geplanten KI-Gigafabriken laufen weiterhin auf Nvidia-Hardware.
Quellen
[1] Cambricon (寒武纪): Halbjahresbericht 2026, Shanghai Stock Exchange (688256). Beträge umgerechnet zum EZB-Referenzkurs vom 7. August 2026 (1 Euro = 7,78 Yuan).
[2] Europäische Kommission: European Chips Act.
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