Biren Technology meldet für 2025 einen Nettoverlust von 2,1 Milliarden Euro. Der Aktienkurs des chinesischen GPU-Entwicklers legt trotzdem zu. Fast die gesamte Summe floss nie ab, sondern entstand aus der Neubewertung von Vorzugsaktien. Dahinter steht die eigentliche Frage: Trägt sich Chinas Wette auf eine eigene Nvidia-Alternative?
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenBiren Technology hat seine Serien-GPUs binnen eines Tages an das neue Open-Source-Modell MiniMax H3 angepasst. Die in Hongkong notierte Aktie sprang daraufhin im frühen Handel um rund 7 Prozent.[1] Der Kurssprung gilt einem Beweis: Chinas Chip-Hoffnung bekommt ein westlich vergleichbares Modell auf eigener Hardware zum Laufen.
Das Wichtigste in Kürze
- Biren passte seine Flaggschiff-GPUs am Release-Tag an MiniMax H3 an, gemeinsam mit fünfzehn weiteren Chipherstellern.
- Der 2025er Nettoverlust von 2,1 Milliarden Euro entsteht fast vollständig aus der Neubewertung von Vorzugsaktien, nicht aus Geldabfluss.
- Bereinigt bleibt ein Verlust von rund 112 Millionen Euro, die Forschung verschlingt 142,6 Prozent des Umsatzes.
- Ohne Zugang zu TSMC hängt Biren an chinesischen Auftragsfertigern wie SMIC.
Warum steigt der Kurs trotz Rekordverlust?

Day-0-Anpassung heißt der eigentliche Auslöser. Als MiniMax am 3. August sein Videomodell H3 quelloffen stellte, brachten sechzehn Chiphersteller es noch am selben Tag auf ihrer Hardware zum Laufen, Biren mit seiner Flaggschiff-GPU-Serie darunter. Für Investoren zählt das als Signal, dass die heimische Kombination aus Chip und Software ein Frontier-Modell bedient, nicht nur ein Benchmark-Diagramm.
Überfülltes Feld. Neben Biren adaptierten Huawei mit Ascend, Moore Threads, AMD und Intel dasselbe Modell. Wie voll das Rennen um die Nvidia-Alternative inzwischen ist, zeigt auch Cambricons Milliardenwette auf dasselbe Ziel. Nur wenige dieser Firmen verdienen bislang Geld.
Was steckt hinter dem Verlust von 2,1 Milliarden Euro?
Buchhalterischer Schatten. Von den 2,1 Milliarden Euro gemeldetem Verlust (16,49 Milliarden Yuan) stammen knapp 2 Milliarden Euro aus der Neubewertung einer Rückkaufverbindlichkeit gegenüber Alt-Investoren. Je höher die Bewertung von Biren stieg, desto größer wurde diese Vorzugsaktien-Position auf dem Papier. Mit dem Börsengang wandelte sie sich in Eigenkapital um und verschwand aus der Bilanz.[2]
Bereinigte Wahrheit. Ohne diesen Effekt bleibt ein operativer Verlust von rund 112 Millionen Euro bei einem Umsatz von etwa 133 Millionen Euro, der sich binnen eines Jahres verdreifacht hat (Stand 2. August 2026, 1 Euro entspricht rund 7,79 Yuan). Die Forschung kostet Biren 142,6 Prozent des Umsatzes, jeder eingenommene Euro fließt also mehr als einmal in die Entwicklung zurück.
Fertigungs-Fessel. Seit Ende 2022 ist Biren von TSMC abgeschnitten und steht auf der US-Entity-List, weshalb die Serienfertigung an chinesischen Häusern wie SMIC hängt. Deren fortgeschrittene Prozesse kämpfen noch mit niedrigen Ausbeuten, was jeden lauffähigen Chip teuer macht.
Ein Verlust von zwei Milliarden Euro klingt nach Untergang, ist aber fast vollständig Bilanzoptik. Die echte Frage lautet, wie lange Investoren eine Forschung finanzieren, die mehr kostet als das ganze Geschäft einbringt.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Der Verlust von 2,1 Milliarden Euro im Klartext
Knapp 2 Milliarden Euro davon sind reine Neubewertung von Vorzugsaktien ohne Geldabfluss. Mit dem Börsengang wandelte sich diese Position in Eigenkapital um und verschwand aus der Bilanz.
Was bedeutet Chinas Chip-Autarkie für Europa?
Teure Souveränität. Die Exportregeln aus Washington haben Peking in die Selbstversorgung gezwungen. Der Preis dafür wird bei Biren sichtbar, Milliarden an Kapital für einen Bruchteil von Nvidias Marktanteil. Warum die US-Exportpolitik dabei nach hinten losgeht, hat Nvidia-Chef Jensen Huang selbst eingeräumt.
Lehrstück für Brüssel. Für jeden, der in Europa über den EU Chips Act und eigene KI-Rechenzentren nachdenkt, liefert Birens Bilanz die ungeschönte Rechnung. Ein souveräner Halbleiter-Champion braucht staatliches Geld über viele Jahre, bevor heimische Modelle wie DeepSeek auf heimischem Silizium einen Markt tragen.
Handlungsrahmen. Für deutsche Entscheider heißt das, chinesische KI-Beschleuniger als reale, aber teuer subventionierte Option im Blick zu behalten und Lieferketten nicht allein auf einen US-Hersteller zu stützen. Beim Einkauf von Rechenleistung zählen Verfügbarkeit, Exportstatus und Reifegrad der Software gleichermaßen.
FAQ: Biren Technology und der 2-Milliarden-Verlust
Was ist Biren Technology?
Biren Technology ist ein 2019 in Shanghai gegründeter Entwickler universeller GPUs für KI-Rechenzentren und gilt als eine von Chinas vier führenden Nvidia-Alternativen. Das Unternehmen ging am 2. Januar 2026 als erster GPU-Wert an die Börse Hongkong und legte am ersten Handelstag um 76 Prozent zu.
Warum meldet Biren Technology einen Verlust von 2,1 Milliarden Euro?
Der Löwenanteil ist ein reiner Buchverlust aus der Neubewertung von Vorzugsaktien, der beim Börsengang in Eigenkapital umgewandelt wurde. Bereinigt liegt der Verlust bei rund 112 Millionen Euro. Die hohe Schlagzeilenzahl bildet keinen tatsächlichen Geldabfluss ab.
Darf Biren bei TSMC fertigen lassen?
Nein. Biren steht auf der US-Entity-List und ist seit Ende 2022 von TSMC abgeschnitten. Die Serienfertigung läuft deshalb über chinesische Auftragsfertiger wie SMIC, deren fortgeschrittene Prozesse noch mit niedrigen Ausbeuten kämpfen.
Was ist MiniMax H3 und was hat Biren damit zu tun?
MiniMax H3 ist ein quelloffenes chinesisches Videomodell, das am 3. August 2026 erschien. Biren brachte es am selben Tag auf seinen Flaggschiff-GPUs zum Laufen, neben fünfzehn weiteren Chipherstellern. Fachleute werten das als Beleg für die Reife des heimischen KI-Stacks.
Quellen
[1] Sina Finance: „MiniMax H3 开源,华为昇腾、AMD 等十六家芯片厂商、开源社区 Day 0 适配“
[2] Sina Finance: „壁仞科技上市后首次年报:2025 年营收 10 亿 经调整亏损 8.7 亿“
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