Siemens Energy hat im dritten Quartal so viel verdient wie nie. Ausgerechnet die lange defizitäre Windsparte Siemens Gamesa trägt erstmals seit 2022 wieder zum Gewinn bei, mit 56 Millionen Euro operativem Ergebnis nach 425 Millionen Euro Verlust im Vorjahr. Den Konzern tragen aber Gasturbinen und Netztechnik, deren Nachfrage der Strombedarf der KI-Rechenzentren anheizt.

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Zwei Jahre nach der Beinahe-Krise meldet Siemens Energy für das dritte Geschäftsquartal Rekordwerte bei Auftragseingang, Umsatz und Profitabilität. Der operative Gewinn kletterte auf 1,6 Milliarden Euro, der Quartalsüberschuss verdoppelte sich auf rund 1,16 Milliarden Euro. Die eigentliche Wende steckt aber in einer einzigen Zahl der Windtochter Siemens Gamesa.

Das Wichtigste in Kürze

  • Siemens Gamesa erzielt 56 Millionen Euro operativen Gewinn, das erste profitable Quartal der Windsparte seit 2022.
  • Konzernweit steigt das operative Ergebnis auf 1,6 Milliarden Euro, der Auftragsbestand liegt bei über 150 Milliarden Euro.
  • Gasturbinen und Netztechnik treiben das Geschäft, angeschoben vom Strombedarf neuer KI-Rechenzentren.
  • 2023 rettete eine Bundesbürgschaft über 7,5 Milliarden Euro den Konzern vor den Milliardenverlusten der Windsparte.

Was steckt hinter dem Rekordquartal?

Modellwindrad auf Sparschwein mit Euro-Münze und Zettel „wieder im Plus 2026“ auf weiß
Siemens Energy steigert Umsatz im dritten Quartal um 18 Prozent auf 11,5 Milliarden Euro, operatives Ergebnis verdoppelt sich auf 1,6 Milliarden Euro

Siemens Energy verdient wieder Geld, in jeder einzelnen Sparte. Der Umsatz stieg im dritten Quartal um 18 Prozent auf 11,5 Milliarden Euro, das operative Ergebnis um fast zwei Drittel auf 1,6 Milliarden Euro.[1]

Den größten Sprung macht die Windtochter. Siemens Gamesa drehte ihr operatives Ergebnis auf 56 Millionen Euro Gewinn, nach 425 Millionen Euro Verlust ein Jahr zuvor. „Wir haben Rekordwerte bei Auftragseingang, Umsatz und Profitabilität erzielt und zugleich unsere Effizienz verbessert“, sagte Vorstandschef Christian Bruch.

Der Auftragseingang summierte sich auf 17,9 Milliarden Euro, der Auftragsbestand bleibt mit über 150 Milliarden Euro auf Rekordniveau. Der Konzern bestätigte seinen zuletzt angehobenen Ausblick für das Gesamtjahr. Auch andere Energiekonzerne fahren gerade Rekorde ein, etwa RWE mit einem kräftigen Gewinnsprung aus flexiblen Kraftwerken.

Warum verlor das Windgeschäft so lange Milliarden?

Das Windgeschäft war jahrelang das teuerste Sorgenkind im Konzern. 2023 fielen an neueren Onshore-Anlagen der Baureihen 4.X und 5.X reihenweise Rotorblätter und Getriebe aus, die Garantierückstellungen rissen ein Milliardenloch in die Bilanz.

Unterm Strich verbuchte Siemens Energy für das Geschäftsjahr 2023 einen Verlust von rund 4,5 Milliarden Euro, nach 712 Millionen Euro im Jahr davor. Um die Garantien für laufende Großprojekte abzusichern, sprang im November 2023 der Bund mit einer Bürgschaft über 7,5 Milliarden Euro ein, Teil eines Pakets von 15 Milliarden Euro mit den Banken.

Die Erholung kam nicht über neue Rekordbestellungen. Der Auftragseingang der Sparte fiel auf gerade eine Milliarde Euro, nach rund fünf Milliarden im Vorjahr. Statt Masse setzt Siemens Gamesa auf sauberere Projekte, striktere Kostenkontrolle und das margenstarke Servicegeschäft, während die problematischen Onshore-Plattformen aus dem Verkauf laufen.

Der eigentliche Rettungsanker war nicht die Windkraft, sondern die Gasturbine. Siemens Energy konnte sich die teure Sanierung von Siemens Gamesa nur leisten, weil das Netz- und Gasgeschäft den Konzern trägt.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Siemens Energy im dritten Quartal 2026
Der Sanierungsfall von 2023 meldet Rekordwerte.
56 Mio. €
operativer Gewinn bei Siemens Gamesa, erstes Plus der Windsparte seit 2022
+18 %
Umsatzwachstum auf 11,5 Milliarden Euro im Quartal
+62 %
Auftragsplus im Gasgeschäft, getrieben vom Strombedarf der KI-Rechenzentren
7,5 Mrd. €
Bundesbürgschaft von 2023, die den Konzern durch die Windkrise trug

Vom Rettungsfall zum Rekordquartal

2023 verbuchte Siemens Energy noch 4,5 Milliarden Euro Verlust. Heute tragen Gasturbinen und Netztechnik den Konzern, während die Windsparte nach Jahren wieder Gewinn abwirft.

Was hat der Boom mit KI-Rechenzentren zu tun?

Den Takt gibt inzwischen der Strombedarf vor. Gasturbinen und Netztechnik profitieren direkt vom weltweiten Ausbau der KI-Rechenzentren, die rund um die Uhr Leistung ziehen.

Die Gassparte steigerte ihren Auftragseingang um 62 Prozent auf rund zehn Milliarden Euro, die Netztechnik wächst zweistellig und arbeitet mit fast 20 Prozent Rendite. Beide bedienen genau die Nachfrage, die deutschen Versorgern seit Monaten Sorgen und Chancen zugleich beschert.

Für deutsche Entscheider verschiebt sich damit die Kostenfrage. Der Netzausbau für die Rechenzentren geht in die Milliarden. RWE-Chef Markus Krebber will die großen Stromverbraucher stärker daran beteiligen. Auch Siemens selbst rüstet auf und investiert 300 Millionen Euro in neue Schaltanlagen-Werke im Rhein-Main-Gebiet.

Bei neuer Rechenlast gehört die Energieseite früh auf den Tisch. Nicht Kapital, sondern gesicherte Netzkapazität entscheidet inzwischen über neue Standorte, wie schon der Blick auf die zehn größten Rechenzentren Deutschlands zeigt. Siemens Energy liefert dafür die Hardware. Der Turnaround der Windsparte macht den Konzern als Partner der Energiewende wieder planbar.

FAQ: Siemens Energy und das Windgeschäft

Warum ist Siemens Gamesa wieder profitabel?

Die Windtochter Siemens Gamesa erzielte im dritten Quartal 2026 erstmals seit 2022 wieder einen operativen Gewinn von 56 Millionen Euro. Möglich machten das eine strengere Kostenkontrolle, ein wachsendes Servicegeschäft und der Rückzug aus den fehleranfälligen Onshore-Baureihen 4.X und 5.X.

Wie hoch war der Verlust von Siemens Energy 2023?

Im Geschäftsjahr 2023 verbuchte Siemens Energy einen Verlust von rund 4,5 Milliarden Euro, vor allem wegen Qualitätsmängeln an neueren Windturbinen. Zur Absicherung laufender Großprojekte gewährte der Bund im November 2023 eine Bürgschaft über 7,5 Milliarden Euro.

Was treibt das Wachstum von Siemens Energy?

Den größten Schub liefern Gasturbinen und Netztechnik. Beide profitieren vom weltweit steigenden Strombedarf und vom Ausbau der KI-Rechenzentren. Die Gassparte steigerte ihren Auftragseingang um 62 Prozent, die Netztechnik wächst zweistellig bei fast 20 Prozent Rendite.

Gehört das Windgeschäft langfristig zu Siemens Energy?

Offen. Der Konzern hält sich eine Entscheidung über die Zukunft von Siemens Gamesa in den kommenden Jahren ausdrücklich vor. Weil Gas und Netztechnik den Konzern zunehmend tragen, sinkt die Abhängigkeit vom schwankungsanfälligen Windgeschäft.

Quelle

[1] Siemens Energy: „Earnings Release Q3 FY 2026: Siemens Energy accelerates profitable growth“

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