RWE hebt die Gewinnprognose gleich für zwei Jahre an. Der Grund liegt nicht im grünen Strom allein, sondern in der Reserve dahinter: in steuerbaren Kraftwerken und im Energiehandel.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDie neue RWE-Prognose für 2026 und 2027 steigt spürbar, und die Aktie hat prompt mit einem Kurssprung reagiert. Auslöser ist ein vorläufiges Halbjahr mit 3,011 Milliarden Euro bereinigtem EBITDA.[1] Bemerkenswert ist, woher dieses Plus stammt.
Das Wichtigste in Kürze
- RWE hebt die Prognose für 2026 und 2027 an, nachdem das vorläufige Halbjahresergebnis die Erwartungen übertroffen hat.
- Das bereinigte EBITDA hat im ersten Halbjahr 2026 rund 3,011 Milliarden Euro erreicht, der bereinigte Nettogewinn 1,257 Milliarden Euro.
- Die Treiber sind Onshore-Wind und Solar, vor allem aber der Energiehandel und die flexible Erzeugung.
- Den vollständigen Halbjahresbericht legt RWE am 13. August 2026 vor.
Woher kommt der Gewinnsprung?

Drei starke Segmente. RWE nennt für das erste Halbjahr 2026 drei außergewöhnliche Ergebnisträger: Onshore-Wind und Solar, den Energiehandel und die flexible Erzeugung. Der bereinigte Nettogewinn hat 1,257 Milliarden Euro erreicht, je Aktie sind das 1,77 Euro.
Der eigentliche Befund. Das Geld entsteht kaum noch beim bloßen Verkauf von grünem Strom. In einem Netz voller schwankender Wind- und Solarleistung verdient der Konzern dort am meisten, wo sich Kraftwerke rasch hoch- und runterfahren lassen und wo der Handel die Preisausschläge ausnutzt.
Warum zahlt sich die Reserve gerade jetzt aus?
Das Ökostrom-Paradox. Je mehr Solar mittags einspeist, desto tiefer fallen die Preise, und desto steiler klettern sie in der Dunkelflaute. Genau diese Spanne macht aus einer steuerbaren Reserve eine Ertragsquelle. Wie ungleich sich Sonne und Wind entwickeln, zeigt der Blick auf den Ausbaustand 2026.
Der Staat zahlt mit. Berlin hat die Richtung erkannt und schreibt über die Kraftwerksstrategie rund 12 Gigawatt steuerbare Leistung aus, davon zehn Gigawatt für neue Gaskraftwerke bis 2031. Welche Lücke nach dem Kohleausstieg entsteht, hat schon Evonik angemahnt.
Woher das Plus kommt
Der Staat zahlt mit: Die Kraftwerksstrategie schreibt 2026 rund 12 Gigawatt steuerbare Leistung aus, davon zehn Gigawatt für neue Gaskraftwerke, die spätestens 2031 ans Netz gehen sollen.
Nicht die Kilowattstunde Sonnenstrom bringt die Marge, sondern die Fähigkeit, sie zur richtigen Stunde zu ersetzen. RWE verdient an der Lücke, die die Energiewende selbst aufreißt.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was heißt das für Strompreise und Rechenzentren?
Die nächste Nachfragewelle. Rechenzentren für KI brauchen Strom rund um die Uhr, nicht nur bei Sonnenschein. Ihr Ausbau scheitert hierzulande seltener am Kapital als an gesicherter Leistung, wie das Stocken vieler Projekte zeigt.
Für Entscheider. Volatile Großhandelspreise bleiben der Normalfall. Planbare Kosten sichern sich Unternehmen über langfristige Lieferverträge und verlagern ihren Verbrauch gezielt in die günstigen Stunden. RWE selbst setzt auf ebendiese Flexibilität, etwa mit dem Batteriespeicher im Tagebau Hambach.
Quelle
[1] RWE Aktiengesellschaft: „Vorläufiges Halbjahresergebnis der RWE AG übertrifft Markterwartungen, Ergebnisprognose für die Geschäftsjahre 2026 und 2027 erhöht“ (Ad-hoc-Mitteilung, 28. Juli 2026) ↩
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