Heidelberg Materials hat im zweiten Quartal 2026 mehr umgesetzt und trotzdem das obere Ende seiner Jahresprognose gestrichen. Hinter dem scheinbaren Widerspruch steht ein Kostenfaktor, der jede Tonne Zement teurer macht: der Preis für CO2. Für Bauherren und Einkäufer im DACH-Raum verschiebt das die Rechnung.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügen510 Kilogramm CO2 stecken bei Heidelberg Materials noch in jeder Tonne Zement, und genau diese Zahl entscheidet inzwischen mit über die Marge. Der Baustoffkonzern ist im zweiten Quartal gewachsen, hat aber das obere Ende seiner Gewinnprognose gekappt. Der Grund liegt weniger in der Nachfrage als im Emissionskonto.
Das Wichtigste in Kürze
- Umsatz im zweiten Quartal 2026: 6,04 Milliarden Euro, ein Plus von 6 Prozent.
- Ergebnis aus laufendem Geschäftsbetrieb im ersten Halbjahr: 1,09 Milliarden Euro, die Marge aber von 24,2 auf 23,4 Prozent gesunken.
- Jahresprognose eingeengt: statt bis zu 3,75 nun höchstens 3,65 Milliarden Euro.
- Grüner Zement aus dem CCS-Werk Brevik wird zum strategischen Hebel gegen steigende CO2-Kosten.
Wachstum, das die Marge nicht mitnimmt

Der Umsatz ist im zweiten Quartal 2026 auf 6,04 Milliarden Euro geklettert, ein Plus von 6 Prozent.[1] Das Ergebnis aus laufendem Geschäftsbetrieb hat im Halbjahr 1,09 Milliarden Euro erreicht. Getragen hat das Wachstum vor allem die Preisdisziplin, nicht ein Mengenschub.
Auffällig ist die schrumpfende Marge: Sie ist von 24,2 auf 23,4 Prozent gefallen. Statt einer Spanne bis 3,75 Milliarden Euro peilt der Konzern für das Gesamtjahr nun höchstens 3,65 Milliarden Euro an. Vorstandschef Dominik von Achten spricht von einem „geopolitisch und wirtschaftlich weiterhin sehr herausfordernden Umfeld“, in dem das Unternehmen „im zweiten Quartal ein starkes Momentum erzeugt“ habe.[1]
Warum deckelt der CO2-Preis die Zementmarge?
Weil Zement ein CO2-Schwergewicht ist. Rund zwei Drittel der Emissionen entstehen chemisch beim Brennen von Kalk, nicht durch den Brennstoff. Im EU-Emissionshandel laufen die kostenlosen Zertifikate aus, jede Tonne Klinker trägt damit einen wachsenden Preis.
Genau hier klemmt die Rechnung. Solange freie Zertifikate die Emissionen abfederten, blieb der CO2-Ausstoß betriebswirtschaftlich unsichtbar. Mit dem schrittweisen Auslaufen und dem Grenzausgleich CBAM wird er zur harten Kostenposition, die sich nicht beliebig über Preise weiterreichen lässt.
Der Effekt trifft die ganze Branche. Der EU-Emissionshandel verteuert energieintensive Produktion quer durch die Industrie, von der Chemie bis zum Stahl. Bei Zement kommt die chemische Prozessemission obendrauf, die sich technisch nur mit CO2-Abscheidung einfangen lässt.
Der eigentliche Bilanzposten bei Zement heißt heute CO2, nicht Sand oder Strom. Frühe grüne Produktlinien verkaufen am Ende keine Tonne mehr, sondern eine Klimabilanz.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Grüner Zement als Ausweg: Was Brevik und evoZero leisten
Heidelberg Materials setzt auf Abscheidung statt Ablasshandel. Im norwegischen Werk Brevik hat der Konzern 2025 die weltweit erste industrielle CO2-Abscheidung in der Zementindustrie in Betrieb genommen, ausgelegt auf rund 400.000 Tonnen CO2 pro Jahr. Daraus entsteht mit evoZero der erste weitgehend klimaneutrale Zement des Konzerns.
Der Ansatz ist kein Einzelfall. thyssenkrupp Polysius hat parallel die weltweit erste Oxyfuel-Anlage im Zementwerk eingeweiht. CO2-Abscheidung wird damit vom Pilotprojekt zur Angriffsklasse einer ganzen Branche.
Für Einkäufer und Bauherren im DACH-Raum heißt das: Die Klimabilanz wird zum Vergabekriterium. Öffentliche Projekte sollten die Emissionskosten von Baustoffen jetzt einpreisen und grüne Zementlinien wie evoZero früh in Ausschreibungen aufnehmen, bevor CBAM die Preise flächendeckend anhebt.
Quelle
[1] Heidelberg Materials: „Strong momentum in the second quarter“ (Halbjahresergebnis 2026) ↩
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