Uber verspricht mehr als 8,7 Milliarden Euro für Robotaxis und stellt damit sein eigenes Geschäftsmodell auf den Kopf. Der Vermittler, der nie ein Auto besaß, kauft sich künftig in fahrerlose Flotten ein und finanziert sie zum Teil selbst. Hinter der Zahl steckt die Sorge, von der eigenen Plattform verdrängt zu werden.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenVierzehn Jahre lang war Uber stolz darauf, für seine Fahrten kein einziges Fahrzeug zu besitzen. Mit der Quartalsbilanz vom 5. August 2026 endet dieses Prinzip: Konzernchef Dara Khosrowshahi bindet über 10 Milliarden US-Dollar in autonome Fahrdienste, teils als Beteiligung an Betreibern, teils für eine eigene Robotaxi-Flotte.
Das Wichtigste in Kürze
- Uber bindet mehr als 8,7 Milliarden Euro (über 10 Milliarden US-Dollar) in autonome Fahrdienste und bricht damit mit dem anlagearmen Vermittlermodell.
- Ein kleinerer Teil fließt als Beteiligung an Robotaxi-Betreiber, der größere Teil finanziert eine eigene Flotte, deren Aufbau 2027 beginnt.
- Auslöser ist die drohende Verdrängung: Partner Waymo beendet Anfang 2028 die Exklusivität in Austin und Atlanta und startet dort eine eigene App.
- Im zweiten Quartal stiegen die Bruttobuchungen auf rund 50 Milliarden Euro, doch der Ausblick auf das dritte Quartal enttäuschte die Analysten.
Was genau kündigt Uber an?

Uber verpflichtet sich zu mehr als 8,7 Milliarden Euro (über 10 Milliarden US-Dollar) für autonome Fahrdienste. Ein kleinerer Teil geht als Beteiligung an Robotaxi-Betreiber, der größere Teil in eine eigene Fahrzeugflotte, deren Aufbau 2027 startet.
Die Zusage steckte in der Quartalsbilanz für das zweite Quartal 2026. Der Umsatz kletterte auf 12,3 Milliarden Euro, ein Plus von 12 Prozent, die Bruttobuchungen auf rund 50 Milliarden Euro, ein Plus von 22 Prozent. Der bereinigte Gewinn je Aktie legte um 35 Prozent auf umgerechnet 0,70 Euro zu.[1] Alle Dollarwerte sind zum Kurs von 0,87 Euro je US-Dollar umgerechnet (Stand 5. August 2026).
Getrübt wurde die Bilanz vom Ausblick. Für das laufende Quartal stellt Uber einen bereinigten Gewinn von 84 bis 88 US-Cent je Aktie in Aussicht und liegt damit unter den erwarteten 89 Cent. Die Aussicht auf jahrelange Milliardenausgaben für Robotaxis kam an der Börse nicht als Aufbruch an, sondern als Belastung der künftigen Marge.
Warum bricht Uber mit seinem eigenen Modell?
Mit Robotaxis verliert Uber seinen wichtigsten Rohstoff, die Fahrer. Ohne sie gerät das Schwungrad aus Angebot und Nachfrage ins Stocken, also sichert sich Uber den Fahrzeugnachschub jetzt mit Kapital statt mit einer Fahrer-App.
Ubers Stärke war stets die Vermittlung. Millionen selbstständiger Fahrer stellten die Autos, Uber vermittelte nur die Fahrt und kassierte die Provision, ganz ohne Kapital für Fahrzeuge, Wartung oder Versicherung. Ein Robotaxi kennt diesen Fahrer nicht mehr. Damit verschwindet die Seite des Marktplatzes, die Uber bisher fast umsonst bekam, und der Konzern muss den Nachschub an fahrenden Autos selbst organisieren.
Die Dringlichkeit liefert der bisher engste Partner. Waymo, die Autonomietochter von Alphabet, beendet Anfang 2028 die Exklusivität mit Uber in Austin und Atlanta und will in beiden Städten eine eigene Buchungs-App starten. Gelingt das, verliert Uber die Fahrgäste an genau die Technik, die es selbst vermittelt hat. Die 8,7 Milliarden Euro sichern deshalb weniger die Technik als den Zugang zu den Autos: Beteiligungen an Betreibern und eine eigene Flotte sollen verhindern, dass die Plattform zwischen Fahrzeughersteller und Fahrgast überflüssig wird.
Der Wettlauf ist längst breiter. In China arbeitet Pony.ai am fahrerlosen Lkw, und WeRide bringt seine Robotaxis bereits nach Europa. Fahrzeugbauer wie Lucid liefern zugleich die Plattformen für autonome Flotten. Um die Fahrgäste zu behalten, muss Uber sich die Autos sichern, bevor ein anderer sie bündelt.
Ubers Milliarden sind kein Vertrauensbeweis in die Robotaxi-Technik, sondern eine Versicherung gegen die eigene Überflüssigkeit. Fällt der Fahrer weg, muss die Plattform das Auto selbst stellen.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was bedeutet Ubers Robotaxi-Wette für Europa?
In Deutschland und der Schweiz fährt bislang kein kommerzieller Robotaxi-Dienst. Uber setzt seine Milliarden im US-Wettlauf ein, während europäische Anbieter weder das Kapital noch die flächendeckenden Zulassungen für eine vergleichbare Flotte haben.
Der rechtliche Rahmen steht in Deutschland seit 2021: Das Gesetz zum autonomen Fahren erlaubt Fahrzeuge auf Level 4 im öffentlichen Raum, als eines der ersten weltweit. Genutzt wird der Vorsprung kaum. Kommerzielle Robotaxi-Flotten fahren hierzulande nicht, das Hamburger Projekt von Moia und Volkswagen mit dem autonomen ID. Buzz bleibt bislang im Pilotbetrieb. Wie schnell die Regulierung anderswo nachzieht, zeigt Chinas neuer Autonomie-Standard, und selbst Daimlers autonome Lkw starten zuerst in den USA, nicht in Deutschland.
Für Entscheider im DACH-Raum liegt die Konsequenz in der Wertschöpfung. Wird die teure Flotte in den USA und China aufgebaut und die Technik dort erprobt, drohen europäische Mobilitätsanbieter zur bloßen Nachfrageseite fremder Autonomie-Stacks zu werden. Auf die Agenda gehört die Vergabepraxis im ÖPNV, in der autonome Flotten bald in Ausschreibungen auftauchen. Dazu kommt die Datenhoheit über das, was ein Level-4-Fahrzeug pausenlos aufzeichnet. Offen bleibt schließlich, ob eigene Beteiligungen an Betreibern nötig sind, bevor der Markt zwischen Uber, Waymo und chinesischen Anbietern verteilt ist.
FAQ: Ubers Robotaxi-Investition
Wie viel investiert Uber in Robotaxis?
Uber hat mehr als 10 Milliarden US-Dollar zugesagt, umgerechnet über 8,7 Milliarden Euro (Kurs 0,87 Euro je Dollar, Stand 5. August 2026). Ein kleinerer Teil geht als Beteiligung an Robotaxi-Betreiber, der größere Teil finanziert eine eigene Flotte, deren Aufbau 2027 beginnt.
Warum baut Uber eine eigene Flotte, statt nur zu vermitteln?
Ein Robotaxi braucht keinen Fahrer, und damit verschwindet die Marktplatzseite, die Uber bisher fast umsonst bekam. Um den Nachschub an fahrenden Autos zu sichern, kauft sich Uber jetzt bei Betreibern ein und finanziert eigene Fahrzeuge.
Bleibt Waymo Ubers Partner?
Vorerst ja, doch die Exklusivität endet. Waymo, die Autonomietochter von Alphabet, beendet Anfang 2028 die exklusive Zusammenarbeit in Austin und Atlanta und will dort eine eigene App starten. Genau diese Ablösung treibt Ubers Milliardenzusage.
Fahren Uber-Robotaxis auch in Deutschland?
Nein. Ubers Programm zielt zunächst auf die USA. In Deutschland erlaubt das Gesetz von 2021 zwar Level-4-Fahrzeuge, kommerzielle Robotaxi-Flotten fahren aber nicht. Das Hamburger Projekt von Moia und Volkswagen bleibt bislang im Pilotbetrieb.
Wie liefen Ubers Quartalszahlen?
Der Umsatz stieg im zweiten Quartal 2026 um 12 Prozent auf 12,3 Milliarden Euro, die Bruttobuchungen um 22 Prozent auf rund 50 Milliarden Euro. Der Ausblick auf das dritte Quartal blieb jedoch unter den Analystenerwartungen.
Quelle
[1] Uber Investor Relations: „Uber Announces Results for Second Quarter 2026“