Joby ist als Bauer elektrischer Lufttaxis bekannt, doch das jüngste Rekordstück flog eine umgebaute Cessna: 5.148 Kilometer autonom quer durch die USA, vom Start bis zur Landung ohne einen einzigen Eingriff des Piloten an Bord. Überwacht wurde der Flug aus bis zu 3.738 Kilometer Entfernung. Mit dieser Autonomie verdient der Konzern schon Geld, während das eigentliche Flugtaxi noch auf die Zulassung wartet.

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Ein umgebautes Turboprop-Flugzeug rollte in Kalifornien autonom zur Startbahn, hob ab, flog 5.148 Kilometer und landete an der Ostküste, ohne dass der Pilot an Bord eingriff. Der US-Flugtaxi-Hersteller Joby hat damit seinen ersten vollständig autonomen Flug quer durch die USA absolviert. Für Frachtdienste, Rettungslogistik und das Militär öffnet der Selbstflug einen Markt, den das elektrische Lufttaxi noch gar nicht bedienen darf.

Das Wichtigste in Kürze

  • Joby flog eine umgebaute Cessna 5.148 Kilometer (3.199 Meilen) autonom von Kalifornien nach North Carolina, ohne Eingriff des Piloten an Bord.
  • Start, Rollen, Navigation und Landung steuerte die Software allein, überwacht aus bis zu 3.738 Kilometer Entfernung.
  • Die Technik stammt vom 2024 übernommenen Autonomie-Spezialisten Xwing; der Konzern zählt über 400 Flüge und mehr als 800 automatisierte Flugstunden.
  • Der Selbstflug zielt auf Fracht, Rettungseinsätze und Rüstungslogistik, während das elektrische Lufttaxi noch auf die Musterzulassung wartet.

Was hat Joby autonom geflogen?

Ein graues Propellerflugzeug auf weißem Grund mit gestrichelter Linie und Textbox „AUTO“
Unbemanntes Flugzeug fliegt 5.148 km von Kalifornien nach North Carolina vollautomatisch. Software übernahm Start, Navigation und Landung ohne Piloteneingriff

Ohne Piloteneingriff. Der Flug führte über 5.148 Kilometer (3.199 Meilen) vom kalifornischen Concord bis auf die Outer Banks in North Carolina, mit Zwischenstopps in Phoenix, Fort Worth und an der Shaw Air Force Base. Start, Rollen auf dem Vorfeld, Navigation und Landung übernahm die Software vollständig. Der Sicherheitspilot saß zwar an Bord, griff aber kein einziges Mal in die Steuerung ein.[1]

Ferne Aufsicht. Kontrolliert wurde die Maschine, eine umgebaute Cessna Caravan mit der Bezeichnung J208, aus Leitständen in Kalifornien und in South Carolina, bis zu 3.738 Kilometer entfernt. Die Autonomiesoftware stammt vom Spezialisten Xwing, den Joby 2024 übernahm. Auf diesem System hat der Hersteller nach eigenen Angaben bereits über 400 Flüge und mehr als 800 automatisierte Flugstunden absolviert.

Warum fliegt ein Lufttaxi-Bauer eine umgebaute Cessna autonom?

Software statt Flugzeug. Der Wert steckt nicht in der betagten Cessna, sondern in der Autonomiesoftware, die sich auf nahezu jedes Fluggerät aufspielen lässt. Joby verkauft damit den virtuellen Piloten, nicht allein das Fluggerät. Ein solches Autonomiegeschäft lässt sich heute zulassen, das bemannte Elektro-Lufttaxi dagegen steckt weiter in der US-Musterzulassung und macht vor allem im Ausland Fortschritte.

Flucht ins Frachtgeschäft. Die halbe Branche schwenkt gerade auf autonome Fracht und Rüstung um. Joby baut sich mit dem 435 Millionen Euro teuren Zukauf von Resonant Sciences ein eigenes Rüstungsgeschäft auf und hält einen Autonomie-Auftrag der US-Luftwaffe über rund 14,8 Millionen Euro. Konkurrent Archer wiederum übernahm jüngst Boeings Drohnensparte.

Rechnung ohne Cockpit. Autonome Flüge sollen Personalkosten senken und Verbindungen dorthin schaffen, wo sich eine bemannte Route nicht rechnet, etwa zu abgelegenen Orten oder in den Katastrophenfall. Der Sicherheitspilot an Bord bleibt dabei die Übergangslösung, bis die Behörden den Menschen im Cockpit ganz streichen. Joby-Mitgründer JoeBen Bevirt nennt Autonomie „eine wichtige Rolle für die Zukunft des Fliegens“, die entlegene Gemeinden anbinden könne.

Joby verkauft die Zukunft als elektrisches Lufttaxi, das erste echte Geld verdient aber der selbstfliegende Frachter. Autonomie lässt sich heute zulassen, ein bemanntes Elektroflugzeug noch lange nicht.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Jobys autonomer Flug quer durch die USA
Erster vollständig autonomer Transkontinentalflug, Stand 18. September 2026
5.148 km
autonom geflogen (3.199 Meilen), von Kalifornien nach North Carolina
0
Steuereingriffe des Piloten an Bord bei Start, Flug und Landung
3.738 km
maximale Entfernung der Fernüberwachung (2.323 Meilen)
800+
automatisierte Flugstunden aus mehr als 400 Testflügen

Was der Selbstflug für Europa bedeutet

Europa reguliert langsamer. Für den europäischen Luftraum zählt nicht die US-Zulassung, sondern die Freigabe durch die EU-Agentur EASA. Ferngesteuerte Flüge großer Flugzeuge ohne Pilot an Bord sieht deren Regelwerk bislang nicht vor, während die US-Behörde FAA mit der neuen Regel Part 108 den Betrieb jenseits der Sichtweite gerade öffnet. Amazon etwa fliegt seine Lieferdrohnen schon in 500 US-Städte, bevor die passende Regel steht.

Militär und Fracht im Blick. Für deutsche Logistiker und die Verteidigung ist die Technik trotzdem relevant, denn autonome Frachtflüge versprechen Nachschub in Gebiete ohne sichere Landebahn. Auf der Straße läuft der gleiche Umbruch bereits, in Hessen fährt ein Lkw ohne Führerhaus im Regelbetrieb. Deutsche Zulieferer sind beim Lufttaxi ohnehin vorn dabei, Hensoldt etwa liefert die Avionik für Indiens erstes Elektro-Lufttaxi.

Für Entscheider. Zwei Fragen zählen konkret. Bei der Planung autonomer Luftfracht kommt es zuerst darauf an, welche EASA-Zulassung ein Anbieter wirklich besitzt, nicht nur eine US-Freigabe. Beim Einkauf von Fahrzeug- oder Flugautonomie gehört vorab geklärt, wohin die Betriebsdaten fließen und wer im Störfall haftet.

Quelle

[1] Joby Aviation: „Joby Completes First-Ever Fully Autonomous Flight Across the United States“

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