Flugtaxi-Landeplätze statt Ladesäulen: Florida verplant 171,4 Millionen Euro Bundesmittel, die für Schnelllader an Fernstraßen gedacht waren. 32 Start- und Landeflächen sollen entstehen, an Flughäfen, Militärstützpunkten, Luxusapartments und Golfplätzen. Möglich macht die Umwidmung ein einziger Satz im Förderprogramm NEVI.

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Die Verkehrsbehörde Florida Department of Transportation nennt das Vorhaben Aerial Highway Network. Ihre Zuweisung aus dem Ladesäulenprogramm hatte der Bundesstaat über Jahre kaum angerührt und meldete die eigenen Ladekorridore stattdessen als fertig ausgebaut.

Das Wichtigste in Kürze

  • Florida widmet 171,4 Millionen Euro aus dem US-Ladesäulenprogramm NEVI in 32 Landeflächen für elektrische Senkrechtstarter um.
  • Je Fläche rechnet die Behörde mit rund 4,9 Millionen Euro, davon trägt der Bund 80 Prozent.
  • Den Weg öffnet eine Zertifizierung: Gelten die Ladekorridore als fertig ausgebaut, darf das Geld an jeden öffentlich zugänglichen Ort fließen.
  • Die Mindeststandards verlangen weiterhin vier Ladepunkte je Station mit CCS- oder J1772-Stecker, also mit Autosteckern.

Wie kommt Ladesäulen-Geld an Flugtaxi-Landeplätze?

Ladekabel auf Rasen, ein weißes Kreuz darauf, sowie eine Fahne „Ladesäule gestrichen“
NEVI-Bundesprogramm verteilt fünf Milliarden Dollar für Ladestationen entlang amerikanischer Fernstraßen und ermöglicht Ausstieg nach Fertigstellung

Das Bundesprogramm NEVI verteilt fünf Milliarden US-Dollar an die Bundesstaaten, gebunden an Ladekorridore entlang der Fernstraßen. Der Leitfaden der Bundesstraßenverwaltung FHWA vom 11. August 2025 enthält dazu einen Ausstiegssatz: Erklärt ein Bundesstaat seine Korridore für fertig ausgebaut und bestätigt die Behörde das, darf er die Mittel an jeder öffentlichen Straße und an anderen öffentlich zugänglichen Orten einsetzen.[1] Für die Bestätigung genügt seit 2025 ein Brief mit nachvollziehbarer Begründung.

Der Gesetzestext dahinter nennt Projekte, die unmittelbar mit dem Laden eines Fahrzeugs zu tun haben. Von einem Straßenfahrzeug steht dort nichts. Genau diese Definitionslücke trägt Floridas Antrag, denn ein Golfplatz mit Ladepunkt zählt im Sinne des Leitfadens als öffentlich zugänglicher Ort.

Fertig ist Floridas Ladenetz damit nicht, sondern nur formal abgehakt. Anfang 2025 zählte der Bundesstaat 452 öffentliche Schnelllader und 1.708 Normallader, bei der zweithöchsten Zahl an Elektroautos aller US-Bundesstaaten. Laut FDOT-Unterlagen, über die TechCrunch und der Sender WUSF berichten, kostet jede der 32 Flächen rund 4,9 Millionen Euro (5,6 Millionen US-Dollar, Kurs 0,87, Stand 31. Juli 2026).

Welche Mindeststandards gelten für die Landeflächen?

Der Leitfaden erklärt die Mindeststandards aus 23 CFR Teil 680 für alle NEVI-Projekte als verbindlich.[1] Dort steht für Standorte abseits der Korridore: mindestens vier netzverbundene Ladepunkte je Station, jeder Gleichstrompunkt mit fest angeschlagenem CCS-Type-1-Stecker, jeder Wechselstrompunkt mit J1772-Stecker.[2] Beide Steckerformen gehören ans Auto, nicht ans Fluggerät.

Floridas Landeflächen müssten also zusätzlich Autos bedienen oder eine Ausnahme der FHWA bekommen. Öffentlich aufgelöst hat den Widerspruch bislang keine der beiden Behörden. An denselben Standards hängen auch Bezahlverfahren, Barrierefreiheit und eine fünfjährige Betriebspflicht.

New York und North Carolina nutzen dieselbe Zertifizierung anders und lenken ihre Mittel in Quartiersladepunkte für Haushalte ohne eigene Garage. Florida wiederholt dagegen ein älteres Muster: 2011 gab Gouverneur Rick Scott 2,4 Milliarden US-Dollar Bundesmittel für die Schnellbahn zwischen Tampa und Orlando zurück. Diesmal geht das Geld nicht zurück, sondern in eine Technik ohne Linienbetrieb.

Ein Landeplatz am Golfplatz ersetzt keine Ladesäule an der Raststätte. Florida rechnet ein Versorgungsproblem in ein Prestigeprojekt um. Vier Fünftel davon zahlt der Bund.

— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Ladesäulen-Geld für Landeflächen: Floridas Rechnung
Umgewidmete NEVI-Mittel, Kosten und Bestand, Stand 31. Juli 2026
171,4 Mio. €
Umgewidmete Bundesmittel
197 Millionen US-Dollar aus dem Ladesäulenprogramm NEVI
32
Geplante Start- und Landeflächen
An Flughäfen, Militärstützpunkten, Luxusapartments und Golfplätzen
4,9 Mio. €
Kosten je Fläche
5,6 Millionen US-Dollar, davon trägt der Bund 80 Prozent
452
Schnelllader in Florida
Öffentlich zugänglich, Stand Januar 2025, bei der zweithöchsten E-Auto-Zahl der USA

Zwei Ladenetze im Vergleich

Florida
  • 452 öffentliche Schnelllader (Januar 2025)
  • 1.708 Normallader (Januar 2025)
  • Ladekorridore amtlich als fertig ausgebaut zertifiziert
  • Freies Budget fließt in Landeflächen statt in Ladepunkte
Deutschland
  • 54.341 Schnellladepunkte (1. Juli 2026)
  • 155.264 Normalladepunkte (1. Juli 2026)
  • 9,04 Gigawatt gemeldete Ladeleistung
  • AFIR schreibt alle 60 Kilometer einen Ladepark mit 400 Kilowatt vor
Die Mindeststandards aus 23 CFR Teil 680 gelten laut dem Leitfaden der US-Bundesstraßenverwaltung für alle NEVI-Projekte. Auch abseits der Korridore verlangen sie vier Ladepunkte je Station mit fest angeschlagenem CCS-Type-1- oder J1772-Stecker. Beide Steckerformen passen an Autos, nicht an Fluggeräte.

Was bedeutet Floridas Umwidmung für Europa?

In der EU fehlt dieser Hebel. Die Verordnung (EU) 2023/1804 gibt den Mitgliedstaaten feste Ziele vor statt eines Fördertopfs: entlang des TEN-V-Kernnetzes alle 60 Kilometer je Fahrtrichtung ein Ladepark mit mindestens 400 Kilowatt, für schwere Nutzfahrzeuge alle 120 Kilometer.[3] Ein Ziel lässt sich nicht umwidmen, sondern nur verfehlen.

Deutschland liegt beim Bestand weit vor Florida. Die Bundesnetzagentur zählte zum 1. Juli 2026 insgesamt 155.264 Normalladepunkte und 54.341 Schnellladepunkte mit 9,04 Gigawatt gemeldeter Ladeleistung.[4] Der Engpass liegt hier beim Netzanschluss, wie das gemeinsame Flottenladen von Mercedes-Benz und ChargePoint zeigt. Standorte liefern zunehmend Handelsflächen wie die Ladehubs von HAMBORNER REIT. Was Fahrer am Ende zahlen, zeigen die Ladetarife für E-Autos. Wie stark ein einzelner Anbieter das Schnellladen prägt, belegt der Marktanteil von EnBW.

Für Landeflächen fehlt in Europa dagegen der verbindliche Rahmen. Die Luftfahrtbehörde EASA veröffentlichte im März 2022 mit PTS-VPT-DSN die weltweit erste Entwurfsspezifikation für Vertiports, allerdings als Leitfaden ohne Rechtsverbindlichkeit.[5] Zertifiziert ist bislang ein einziger Vertiport in Dubai. Zugleich verlagert die Branche ihren Schwerpunkt, wie die gemeinsame VTOL-Plattform von Archer und Anduril zeigt.

Für Flotten- und Standortverantwortliche folgen daraus zwei Prüfpunkte:

  • Die AFIR-Mindestwerte in Ausschreibungen für Ladeparks als Vertragsgröße festschreiben, nicht als Absichtserklärung. Die Netzanschlussleistung vorab beim Verteilnetzbetreiber sichern.
  • Bei Immobilienprojekten Dachflächen für Vertiports allenfalls baulich vorhalten und die Investition erst nach der EASA-Regelsetzung anstoßen.

Der Netzanschluss gehört zuerst geklärt, weil die Vorlaufzeit dort am längsten ausfällt. Was am Ende in den Restwerten landet, rechnet unser Ratgeber zum Wertverlust beim Elektroauto vor.

Quellen

[1] Federal Highway Administration: „National Electric Vehicle Infrastructure Formula Program Guidance“ (Interim Final, 11. August 2025, PDF)

[2] Electronic Code of Federal Regulations: „23 CFR § 680.106 Installation, operation, and maintenance“

[3] EUR-Lex: „Verordnung (EU) 2023/1804 über den Aufbau der Infrastruktur für alternative Kraftstoffe“

[4] Bundesnetzagentur: „Ladesäulenregister“ (Stand 1. Juli 2026)

[5] EASA: „Prototype Technical Specifications for the Design of VFR Vertiports“ (PDF)

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