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Joby Aviation zahlt rund 435 Millionen Euro für Resonant Sciences, einen Hersteller von Radomen und Antennen aus Dayton im US-Bundesstaat Ohio.[1] Das elektrische Flugtaxi des Käufers steckt derweil noch in der letzten Stufe der amerikanischen Musterzulassung. Der Zukauf liefert Joby genau das, was Lilium und Volocopter bis zuletzt fehlte: einen Umsatz, der die Zulassungsjahre überbrückt.

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Zwei Tage zuvor hatte der Rivale Archer denselben Schritt gemacht. Aus einer Einzelentscheidung wird damit ein Muster. Dieses Muster erklärt rückblickend auch das Ende der deutschen Flugtaxi-Bauer.

Das Wichtigste in Kürze

  • Joby übernimmt Resonant Sciences für rund 435 Millionen Euro, davon 391,5 Millionen Euro in bar und 43,5 Millionen Euro in eigenen Aktien.
  • Resonant setzte in den vergangenen zwölf Monaten über 87 Millionen Euro um, rund 40 Prozent mehr als im Vorjahr, bei einer bereinigten EBITDA-Marge im hohen Zehnerbereich.
  • Joby rechnet allein für das zweite Halbjahr 2026 mit einem Mittelabfluss von 335 bis 361 Millionen Euro und hält dafür rund 2 Milliarden Euro an liquiden Mitteln.
  • Der Abschluss steht für die erste Jahreshälfte 2027 an, vorbehaltlich der behördlichen Freigabe.

Warum kauft ein Flugtaxi-Bauer Radarhauben?

Drohne unter weißer Halbkugel mit Notizzettel „zahlt die Zulassung“ auf grauem Grund
Resonant Sciences (gegr. 2015, 250 Mitarbeiter) fertigt Radome, Antennen und Missionssysteme für Radar, elektronische Kampfführung und Navigation für US-Regierung und deren Zulieferer

Resonant Sciences entstand 2015, beschäftigt rund 250 Menschen und fertigt Radome, Antennen und Missionssysteme für Radar, elektronische Kampfführung und Navigation, überwiegend für die US-Regierung und deren Zulieferer.[1] Der eigentliche Hebel steckt in der Zulassungslogik: Ein Rüstungsauftrag verlangt keine Musterzulassung der Luftfahrtbehörde, ein Passagierflugzeug schon. Joby kauft damit keine fehlende Technik, sondern Erlöse, die neben dem Zertifizierungspfad herlaufen. Die Sparte übernimmt zugleich Jobys eigene Doppelnutzungs-Programme, darunter das turbinen- und wasserstoffelektrische Fluggerät sowie den Autonomie-Stack.

„Die Verbindung führt Resonants etablierte Fähigkeiten mit Jobys weltweit führender Antriebstechnologie für Fluggeräte zusammen“, sagt JoeBen Bevirt, Gründer und Vorstandschef von Joby Aviation.[1] Geführt wird die neue Sparte von Resonant-Mitgründer J. Micah North. Denselben Weg ging der Wettbewerber vor zwei Tagen, als Archer Boeings Drohnensparte übernahm, nachdem zuvor schon Anduril und Archer eine autonome VTOL-Plattform aufgesetzt hatten.

Wie lange trägt die Kasse?

Die Zahlen aus dem Quartalsbericht vom 5. August erklären die Eile. Joby saß zum 30. Juni 2026 auf rund 2 Milliarden Euro an liquiden Mitteln und kurzfristigen Anlagen, erwartet für das zweite Halbjahr aber einen Mittelabfluss von 335 bis 361 Millionen Euro.[2] Der Barteil des Kaufpreises entspricht damit ziemlich genau einem Halbjahr Zulassungskosten. Die Rechnung geht nur auf, weil Resonant profitabel arbeitet und seine Auftragseingänge im ersten Halbjahr 2026 verdreifacht hat.

Auf der Erlösseite hob Joby die Jahresprognose 2026 auf 100 bis 109 Millionen Euro an, wovon der Hubschrauberdienst Blade im zweiten Quartal allein 31,5 Millionen Euro beisteuerte.[2] Erst der Zukauf hebt das Unternehmen aus dieser Größenordnung heraus. Das zivile Geschäft bleibt unterdessen an Termine gebunden, wie sie der erste zertifizierte Vertiport in Dubai und die von Florida verplanten Landeplätze vorgeben.

Joby kauft mit Resonant keine Technik, sondern Zeit. Genau diese Zeit konnten Lilium und Volocopter sich nicht erkaufen.

Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
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435 Millionen Euro für eine Umsatzbrücke
Jobys Zukauf von Resonant Sciences in Zahlen, Stand 12.08.2026
435 Mio. €
Kaufpreis für Resonant Sciences, davon 391,5 Millionen Euro in bar und 43,5 Millionen Euro in Joby-Aktien
87 Mio. €
Umsatz von Resonant in den vergangenen zwölf Monaten, rund 40 Prozent über dem Vorjahreswert
361 Mio. €
Obergrenze des Mittelabflusses, den Joby für das zweite Halbjahr 2026 erwartet
2,0 Mrd. €
liquide Mittel und kurzfristige Anlagen von Joby zum 30. Juni 2026

Der Kontrast: Resonant verdreifachte seine Auftragseingänge im ersten Halbjahr 2026, während Jobys Flugtaxi noch in der fünften und letzten Zulassungsstufe steckt.

Was lernt Europa aus Lilium und Volocopter?

Beide deutschen Hersteller verfolgten die Musterzulassung nach dem EASA-Sonderstandard SC-VTOL und hatten daneben kein Geschäft, das Geld einbrachte. Lilium meldete im Oktober 2024 Insolvenz an und stellte den Betrieb im Februar 2025 endgültig ein, Volocopter folgte Ende Dezember 2024 und gehört heute dem chinesischen Konzern Wanfeng. Die Umsatzbrücke fehlte in beiden Fällen, nicht die Technik. Genau daran hängt auch die Frage, ob Europas Drohnen-Boom auf Kredit trägt.

Für Investoren und Zulieferer im deutschsprachigen Raum verschiebt sich damit die Prüffrage. Vor der Technik steht die Kalkulation, welche Erlöse ein Hersteller während der Zertifizierung erwirtschaftet und aus welcher Quelle. Zwei Punkte gehören in jede Bewertung:

  • Die erwartete Dauer bis zur Musterzulassung gegen die vorhandene Liquidität rechnen, nicht gegen die letzte Finanzierungsrunde.
  • Prüfen, ob ein zweites, bereits zugelassenes oder zulassungsfreies Standbein existiert, etwa im Verteidigungs- oder Komponentengeschäft.

Die Zulieferseite sortiert sich bereits nach dieser Logik. CATLs Flugbatterie bestand den Sicherheitstest fürs bemannte Flugtaxi. Die Serienfertigung von Sensorik und Antrieben läuft dort, wo Stückzahlen aus anderen Anwendungen anfallen.

Quellen

2 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
  1. Joby AviationJoby Aviation to Scale Defense Business Through Acquisition of Resonant Sciences (Pressemitteilung)11.08.2026
  2. Joby AviationJoby Reports Second Quarter 2026 Financial Results05.08.2026

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