Im Februar 2026 billigte der Bundestag 540 Millionen Euro für Kamikazedrohnen von zwei deutschen Startups: Helsing aus München und Stark Defence aus Berlin. Innerhalb von nur zwei Jahren hatte Stark eine Bewertung von über einer Milliarde Euro erreicht, einen Bundeswehrauftrag von zunächst 270 Millionen Euro gesichert und eine Fabrik in Großbritannien eröffnet. Das Unternehmen, gegründet 2024 von zwei ehemaligen Bundeswehroffizieren, steht heute für das, was viele als neue Stärke Europas feiern: schnell, technologisch, eigenständig.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenHinter dieser Eigenständigkeit steht allerdings Peter Thiel.
Das Wichtigste in Kürze

- Der PayPal-Mitgründer und Trump-Vertraute investierte über seinen Founders Fund eine zweistellige Millionensumme in Stark Defence, als kein europäischer Kapitalgeber bereit war.
- Verteidigungsminister Boris Pistorius ließ im Februar öffentlich prüfen, welchen Einfluss Thiel auf die operative Geschäftsführung ausübt. Stark betont, seine Beteiligung liege unter zehn Prozent, ohne Informationsrechte zu Produkten oder Geschäftsvorgängen.
- Pistorius genehmigte den Auftrag dennoch. Die grundlegende Frage bleibt offen.
Warum das eine ehrliche Frage verdient

Stark ist nicht der Einzelfall. Auch Quantum Systems, die Schwesterfirma für Aufklärungsdrohnen, zählt Thiel zu seinen frühen Geldgebern. Helsing, Europas wertvollstes Defence-Tech-Startup, wird von Prima Materia finanziert, dem Fonds des Spotify-Gründers Daniel Ek. Hinter dem europäischen Verteidigungsaufbruch steckt also nicht allein europäisches Kapital. Das ist kein Versagen, sondern ein strukturelles Problem: Europas Wagniskapitalmärkte waren bis vor kurzem systematisch nicht bereit, Rüstungstechnologie zu finanzieren. Thiel war es.
Souveränität lässt sich nicht einkaufen, und Abhängigkeit entsteht selten durch einen einzelnen Vertrag. Die eigentliche Frage ist, wer künftig die Softwareschicht dieser Systeme kontrolliert.
— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web
Kapital ohne Einfluss: geht das?

Stark-Gründer Florian Seibel brachte das Argument schon im Februar auf den Punkt: Thiel sei eingestiegen, als kein europäischer Investor bereit gewesen sei. Das stimmt. Die Kritik an dieser Finanzierung rührt an einer Doppelmoral, die den europäischen VC-Markt jahrelang geprägt hat: Ethikklauseln schlossen Rüstungsinvestments aus, die Bundeswehr blieb unterausgestattet, und jetzt stellt sich Europa die Frage, warum ein US-Investor aus dem Thiel-Netzwerk früher da war als heimische Fonds.
Die Antwort auf Peter Thiel heißt NATO Innovation Fund. Der Fonds, dem auch Deutschland angehört, ist inzwischen bei Stark investiert. Sequoia Capital hat eine Finanzierungsrunde angeführt. Der CIA-nahe VC In-Q-Tel ist beteiligt. Das Bild ist kein Thiel gegen Europa, sondern ein transatlantisches Geflecht aus Staatskapital und privatem Silicon-Valley-Geld, das gemeinsam in die Lücken des europäischen Marktes geflossen ist.
Was Europa jetzt tun müsste

Das Kernproblem ist nicht Thiels Anteil von unter zehn Prozent. Das Kernproblem ist, dass Europa keine schnelle Antwort darauf hat, wie souveräne Rüstungstechnologie finanziert werden soll, ohne auf US-Wagniskapital angewiesen zu sein. Deutschland diskutiert über Lieferkettengesetze und ESG-Verpflichtungen, während ein Tech-Investor aus San Francisco als Geburtshelfer für Kamikazedrohnen der Bundeswehr fungiert.
Stark Defence selbst zeigt, wie schnell der Aufbau gehen kann: vom Gründungsjahr 2024 in weniger als zwei Jahren zum Bundeswehrlieferanten. Das Tempo belegt nicht, dass europäische Souveränität im Rüstungsbereich unmöglich ist. Zu den Voraussetzungen gehört aber, dass jemand in der Frühphase das Risiko trägt. Solange Europa diese Frage nicht beantwortet, kauft es Souveränität auf Kredit.
Mehr Newshunger?
