Während Microsoft, Google und OpenAI im Wochentakt neue KI-Rechenzentren ankündigen, verdient ein Familienunternehmen aus dem Schwarzwald an jedem einzelnen davon mit. ebm-papst baut die Ventilatoren, ohne die kein Serverraum funktioniert.

drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügen

Die Rechenzentrumskühlung ist das unscheinbare Rückgrat des KI-Booms, und ein deutscher Mittelständler aus Mulfingen sitzt an einer Schlüsselstelle. Mit jeder neuen GPU-Generation steigt die Abwärme pro Rack, und genau dort setzt das Geschäft von ebm-papst an.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Stromverbrauch in Rechenzentren soll laut Prognosen bis 2030 um rund 160 Prozent steigen
  • Der Energiebedarf allein für die Kühlung wird etwa dreimal höher liegen als 2023
  • Das deutsche Energieeffizienzgesetz schreibt Neubauten ab Juli 2026 einen PUE-Wert von maximal 1,2 vor
  • ebm-papst beziffert die Gesamtkostensenkung mit Aktiv-PFC-Ventilatoren auf fast 40 Prozent gegenüber Standardlösungen

Warum wird Kühlung zum Flaschenhals des KI-Booms?

Schwarzer, runder Ventilator auf schwarzem Standfuß vor weißem Hintergrund, Frontalansicht
Hochleistungsrechner für KI und Big Data erzeugen extreme Wärmemengen. Der Stromverbrauch von Rechenzentren wird bis 2030 um 160 Prozent steigen

Hochleistungsrechnen wächst, weil moderne Anwendungen immer mehr Leistung verlangen. KI-Training, Big-Data-Analysen und industrielle Simulationen treiben die Leistungsdichte pro Rack nach oben. Mehr Rechenleistung bedeutet mehr Hitze, und Hitze ist der Feind jedes Servers.

Die Zahlen aus der Branche sind deutlich. Der Stromverbrauch in Rechenzentren soll bis 2030 um etwa 160 Prozent zulegen, der Kühlbedarf sogar auf das Dreifache des Werts von 2023 klettern (Quelle: Statista plus Eigenrecherche, zitiert nach ebm-papst). Wer ein Rechenzentrum betreibt, kämpft also nicht zuerst um Rechenchips, sondern um die Frage, wie die entstehende Wärme effizient abgeführt wird.

Dieselbe Dynamik treibt die großen Bauprojekte an, über die DrWeb regelmäßig berichtet. Der Blick auf kritische Rohstoffe für die Industrie zeigt, wie abhängig die Hardware-Lieferkette ist. Und der wachsende Energiehunger verbindet das Thema direkt mit den Lieferketten-Vorgaben der EU.

Die spannendste Stelle im KI-Boom ist nicht der Chip, sondern der Ventilator daneben. Ein Mittelständler aus Mulfingen profitiert von jedem Rechenzentrum, das ein Hyperscaler irgendwo auf der Welt hochzieht.

— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web

Was macht der deutsche Mittelstand daraus?

Holz-Kuckucksuhr mit Roboter, der ein Schild mit
ebm-papst bietet Kühlungslösungen mit EC-Ventilatoren und Wärmetauschern für effiziente Rechenzentrumskühllung

ebm-papst positioniert sich als Anbieter für Kühlung der nächsten Generation. Das Portfolio reicht von EC-Axial- und Radialventilatoren der Baureihen AxiBlade, AxiEco und RadiPac bis zu Lösungen für Rear Door Heat Exchanger, In-Row-Cooling und Liquid-to-Air-Kühlung. Letztere kombiniert Flüssigkeitskühlung mit luftbasierten Systemen und liefert hohe Kühlkapazität bei geringeren Einführungskosten als reine Flüssigkeitskühlung.

Konkret rechnet das Unternehmen vor: In einer Vergleichsauslegung mit 220 Aktiv-PFC-Ventilatoren gegenüber 220 marktüblichen Geräten und einer IT-Last von drei Megawatt ergab sich eine Gesamtkostensenkung von fast 40 Prozent. Die integrierte Aktiv-PFC-Technik senkt zudem Stromspitzen um bis zu 50 Prozent und entlastet damit das Netz.

Wie zwingt das Gesetz zur Effizienz?

Traditionelle Kuckucksuhr aus Holz vor weißem Hintergrund
Ab Juli 2026 müssen neue Rechenzentren in Deutschland einen PUE-Wert von maximal 1,2 erfüllen, Bestandsbauten ab 2027 einen von 1,5. Pflicht sind auch Abwärmenutzung und Ökostrom

Der regulatorische Druck kommt aus Berlin. Das Energieeffizienzgesetz schreibt Neubauten von Rechenzentren ab Juli 2026 einen PUE-Wert von maximal 1,2 vor, für Bestandsbauten gilt ab Juli 2027 ein Grenzwert von 1,5. Hinzu kommen die Pflicht zur Abwärmenutzung und die Umstellung auf Ökostrom. Die Kennzahl PUE misst, wie viel Strom über die eigentliche IT hinaus verbraucht wird, vor allem für Kühlung.

Für Betreiber heißt das: Wer die Grenzwerte verfehlt, hat ein Compliance-Problem. Sinnvoll ist eine nüchterne Prüfung der eigenen Kühlinfrastruktur, idealerweise vor dem Stichtag. Wer Ventilatoren und Regelung früh auf die Netz- und Wärmeanforderungen abstimmt, spart doppelt: bei den Betriebskosten und beim Nachweis gegenüber dem Gesetzgeber.

Effizienz ist im Rechenzentrum keine Kür mehr, sondern Pflicht. Das Energieeffizienzgesetz macht aus einer technischen Frage einen Wettbewerbsfaktor.

— Michael Dobler, Herausgeber Dr. Web

Mehr #ebm-papst News
Mehr zu Rechenzentrumskühlung

Mehr Newshunger?

Kuckucksuhr mit
EU-Strategie für kritische Rohstoffe verfehlt Ziele. Seltene Erden konzentrieren sich auf drei Lieferanten. Fraunhofer Dresden entwickelt Bionik-Robotergreifer bis 2026
4,6 10 Bewertungen

Wie hat Ihnen dieser Artikel gefallen?