AMD hat eine Sicherheitsfunktion aus seinen Consumer-Prozessoren entfernt, ohne Käufer zu informieren. Betroffen ist die automatische Verschlüsselung des Arbeitsspeichers. Wer sensible Daten verarbeitet, verliert damit einen Schutz, von dem viele gar nicht wussten, dass er aktiv war.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDie Speicherverschlüsselung namens TSME ist nach einem Firmware-Update aus aktuellen Ryzen-CPUs verschwunden. Ein Linux-Nutzer entdeckte den Wegfall zufällig bei einer Routineprüfung. AMD schweigt bislang zu den Gründen.
Das Wichtigste in Kürze
- Das Firmware-Update AGESA 1.2.7.0 deaktiviert TSME auf Consumer-Ryzen-CPUs.
- PRO- und EPYC-Modelle behalten die Funktion, Consumer-Chips verlieren sie still.
- Entdeckt wurde der Wegfall im April 2026 über die Sicherheitsprüfung HSI von fwupd.
- Die BIOS-Option bleibt sichtbar, greift aber nicht mehr.
Was schützt TSME überhaupt?

TSME verschlüsselt den kompletten Arbeitsspeicher automatisch und ohne Zutun des Betriebssystems. Der Schutz greift gegen physische Angriffe wie Cold-Boot-Attacken, das Mitlesen am Speicherbus und den Diebstahl von RAM-Riegeln.
Gerade für Notebooks und Arbeitsplätze mit vertraulichen Daten ist das relevant. Ein gestohlenes Gerät gibt seinen Speicherinhalt ohne Verschlüsselung deutlich leichter preis. Der stille Wegfall trifft damit ausgerechnet einen Schutz, der im Hintergrund und ohne Konfiguration arbeitete.
Aufgefallen war die Änderung dem Linux-Anwender Ben Kilpatrick auf einem Ryzen 7 9700X. Bei einer Prüfung mit der Sicherheitsfunktion HSI des Open-Source-Tools fwupd stand plötzlich „verschlüsselter RAM: nicht unterstützt“. Ein einzelnes Firmware-Flag war für Consumer-Modelle auf inaktiv gesetzt, für Profi-Chips blieb es aktiv.
Eine Schutzfunktion klammheimlich zu streichen und dann zu schweigen, beschädigt das Vertrauen mehr als jede offen kommunizierte Einschränkung. Sicherheit braucht Transparenz, keine versteckten Flags.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was sollten betroffene Nutzer jetzt tun?

Prüfen Sie über fwupd oder die HSI-Ausgabe, ob Ihr Ryzen-System den Speicher noch verschlüsselt. Fällt der Schutz weg, helfen eine Datenträgerverschlüsselung des Betriebssystems und der physische Schutz des Geräts.
Für die meisten Heimanwender ändert sich im Alltag wenig, weil physische Speicherangriffe Aufwand erfordern. Für Firmen mit mobilen Geräten oder strengen Vorgaben sieht die Lage anders aus. Eine vollständige Festplattenverschlüsselung über das Betriebssystem fängt einen Teil des Risikos ab. Verlässliche Auskunft von AMD steht weiter aus.
Der Fall zeigt, wie wenig Käufer über die Sicherheitsmerkmale ihrer Hardware erfahren. Funktionen lassen sich per Firmware ändern, ohne dass ein Hinweis erscheint. Eine eigene Prüfung der aktiven Schutzmechanismen gehört deshalb in jede IT-Beschaffung.