Greg Peters und Ted Sarandos haben den Abbau von rund 6 Prozent der Belegschaft angekündigt, vor allem in Produktentwicklung, Technik, Recht und Personal. Einen Tag später gab Netflix den Abgang von Programmchefin Bela Bajaria bekannt. Dabei verdient der Konzern weiter gut, nur wächst der Umsatz langsamer als in den Vorquartalen.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenRund 1.000 Arbeitsplätze fallen weg, so steht es im Rundschreiben der beiden Co-Chefs vom 14. Oktober, über das zuerst das Wall Street Journal berichtete. „Entscheidungen wie diese sind nie leicht, und wir treffen sie nicht leichtfertig“, schreiben Peters und Sarandos. Ende 2025 hatte Netflix laut Jahresbericht rund 16.000 Vollzeitkräfte, davon 2.500 in Europa, Nahost und Afrika.[1]
Das Wichtigste in Kürze
- Netflix streicht rund 1.000 Stellen, laut Reuters der größte Abbau seit 2022.
- Das Umsatzwachstum sinkt von 17,6 Prozent Ende 2025 auf prognostizierte 11,7 Prozent im dritten Quartal.
- Peter Rice, früher Disney und Fox, löst am 26. Oktober Programmchefin Bela Bajaria ab.
- Am 20. Oktober legt Netflix die Zahlen für das dritte Quartal vor.
Warum spart ein Konzern mit 33 Prozent Marge?

Im zweiten Quartal setzte Netflix 12,56 Milliarden US-Dollar um, rund 10,93 Milliarden Euro, bei einer operativen Marge von 33,4 Prozent.[2] Entscheidend ist das Wachstumstempo: Für das dritte Quartal erwartet Netflix nur noch 11,7 Prozent Plus, nach 17,6 Prozent im Schlussquartal 2025.
Für 2026 rechnet der Konzern mit 44,4 bis 44,7 Milliarden Euro Umsatz und einer Zielmarge von 31,5 Prozent.[2] Steigen die Erlöse langsamer, bleibt die Marge nur stabil, wenn auch die Kosten langsamer steigen. Genau darauf zielt der Satz aus dem Rundschreiben, Netflix müsse „diszipliniert entscheiden, wo wir Personal und Mittel einsetzen“.[2]
Was hat der geplatzte Warner-Kauf damit zu tun?
Netflix wollte das Studio- und Streaminggeschäft von Warner Bros. Discovery übernehmen, wie Dr. Web über den 83-Milliarden-Plan berichtete. Im Februar entschied sich Warner für das höhere Gebot von Paramount Skydance und kündigte den Vertrag. Paramount überwies Netflix dafür eine Entschädigung von 2,8 Milliarden US-Dollar, rund 2,44 Milliarden Euro.[3]
Damit fehlt der Zukauf für neues Wachstum. Der Rivale dagegen wird größer: Laut der Nachrichtenagentur AP hat Paramount die Übernahme inzwischen abgeschlossen und will HBO Max und Paramount+ zusammenlegen. Zugleich besetzt Netflix die Programmleitung neu. Bajaria, seit 2016 bei Netflix und seit 2023 für alle Serien und Filme zuständig, geht; der frühere Disney-Manager Peter Rice übernimmt am 26. Oktober.
Ist Netflix ein Einzelfall?
Profitable Technik- und Medienkonzerne bauen 2026 auffällig oft Stellen ab. Meta strich im Mai 8.000 Stellen, Oracle finanziert seine KI-Rechenzentren auch mit gestrichenen Stellen. In Deutschland baut RTL nach der Sky-Übernahme 500 Stellen ab. Die Konzerne verdienen Geld und verkleinern trotzdem ihr Personal, bei Meta und Oracle fließen die Mittel in KI und Rechenzentren.
2022 strich Netflix laut Reuters rund 450 Stellen in zwei Runden, damals nach dem ersten Abonnentenrückgang seit mehr als zehn Jahren. Wie Netflix mit Abo, Werbung und Lizenzen Geld verdient, erklärt Dr. Web in der Analyse des Streaming-Geschäftsmodells.
Was gilt, wenn der Abbau Beschäftigte in Europa trifft?
Netflix hat nicht mitgeteilt, in welchen Ländern Stellen wegfallen. In den USA verlangt der WARN Act von Arbeitgebern ab 100 Beschäftigten, Massenentlassungen 60 Tage vorher anzukündigen.[4] In Deutschland gilt ein anderes Verfahren: Nach § 17 KSchG zeigt der Arbeitgeber größere Entlassungen vor dem Ausspruch der Kündigungen bei der Agentur für Arbeit an und unterrichtet vorher den Betriebsrat schriftlich über Gründe und Zahl.[5]
Für Produktionsfirmen und Lizenzpartner im DACH-Raum ändern sich zunächst die Ansprechpartner. Bajaria hatte zuvor die nicht englischsprachigen Eigenproduktionen verantwortet. Ob Rice diesen Kurs fortsetzt, ist offen. Am 20. Oktober stellen sich Peters und Sarandos in der Videokonferenz zu den Quartalszahlen den Fragen der Analysten.
FAQ: Netflix streicht 1.000 Stellen trotz 33 Prozent Marge
Wie viele Stellen streicht Netflix?
Netflix streicht rund 1.000 Stellen, etwa 6 Prozent der Belegschaft. Ende 2025 beschäftigte der Konzern rund 16.000 Menschen in Vollzeit. Am stärksten betroffen sind laut dem Rundschreiben der beiden Co-Chefs die Bereiche Produktentwicklung, Technik, Recht und Personal.
Warum baut Netflix trotz Gewinn Stellen ab?
Das Umsatzwachstum sinkt von 17,6 Prozent Ende 2025 auf prognostizierte 11,7 Prozent im dritten Quartal 2026. Netflix will für das Gesamtjahr eine operative Marge von 31,5 Prozent halten. Die Co-Chefs begründen den Abbau mit mehr Disziplin beim Einsatz von Personal und Mitteln.
Wer folgt auf Bela Bajaria als Programmchef?
Peter Rice übernimmt am 26. Oktober 2026 die Leitung der Inhalte bei Netflix. Rice leitete zuvor das Fernseh- und Unterhaltungsgeschäft von Disney und war Präsident von 21st Century Fox. Bajaria war seit 2016 bei Netflix und seit Anfang 2023 für alle Serien und Filme verantwortlich.
Quellen
5 Quellen anzeigenQuellen ausblenden
- NetflixAnnual Report on Form 10-K for the fiscal year ended December 31, 2025 (23. Januar 2026), Abschnitt Human Capital
- NetflixFellow shareholders, Aktionärsbrief zum zweiten Quartal 2026
- NetflixForm 8-K, Item 1.02 „Termination of a Material Definitive Agreement“ (27. Februar 2026)
- U.S. Department of LaborWorker Adjustment and Retraining Notification Act (WARN)
- Bundesministerium der Justiz§ 17 KSchG, Anzeigepflicht
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