RTL Deutschland und Sky bauen bis Ende 2027 rund 500 Stellen ab, gut drei Monate nach dem Zusammenschluss beider Konzerne. Der Umbau soll 250 Millionen Euro pro Jahr einsparen und die neue Nummer drei im deutschen Streaming gegen Netflix und Disney aufstellen. Der Abbau folgt der Rechnung jeder Medienfusion: Zwei Vertriebe und zwei Technikabteilungen bedienen künftig einen einzigen Markt.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDer Stellenabbau bei RTL trifft beide Standorte des neuen Medienkonzerns, Köln und das frühere Sky-Zentrum in Unterföhring. Konzernchef Stephan Schmitter kündigte den Schritt in einem internen Update an, wenige Wochen nach der ersten gemeinsamen Halbjahresbilanz.
Das Wichtigste in Kürze
- Rund 500 Stellen fallen bis Ende 2027 weg, der Großteil schon 2026.
- Etwa 150 Stellen verschwinden über auslaufende Verträge und offene Positionen, betriebsbedingte Kündigungen will RTL vermeiden.
- Das Sparziel liegt bei 250 Millionen Euro jährlich, drei Jahre nach dem Abschluss der Sky-Übernahme am 1. Juni 2026.
- Köln und Unterföhring tragen den Abbau zu ähnlichen Teilen.
Warum kostet ein Zusammenschluss zuerst Stellen?

Jede große Medienfusion erzeugt Doppelstrukturen. Genau die baut RTL jetzt ab. Ein Konzern mit rund 12,3 Millionen zahlenden Abonnenten braucht keine zwei Abo-Verwaltungen und keine doppelte Technikplattform.[1]
Die versprochenen 250 Millionen Euro sind fast vollständig Kostensynergien, also Ausgaben, die im fusionierten Betrieb doppelt anfallen. Von den 500 Stellen sollen etwa 150 über Fluktuation verschwinden, den Rest holt der Konzern über Abfindungen und unbesetzte Positionen, wie mehrere Medien berichteten.
Was treibt die Konsolidierung im Streaming?
Der Werbemarkt im klassischen Fernsehen schrumpft, während die Programmkosten für Sport und Serien steigen. Erst genügend Abonnenten auf einer Plattform verteilen diese Fixkosten sinnvoll. Aus dieser Logik heraus kaufte RTL überhaupt erst Sky, nachdem der eigene Streamingdienst RTL+ zusammen mit dem französischen M6+ erstmals Geld verdiente und der Konzern zur Nummer drei im Streaming aufstieg.
Die Konsolidierung ist kein deutscher Sonderfall. Netflix übernahm Warner Bros. für 83 Milliarden Euro, Bertelsmann bündelte seine Labels BMG und Concord zu einem einzigen Musikkonzern. Wie sich ein solches Streaming-Geschäftsmodell rechnet, entscheidet am Ende die Größe: Ohne genügend Abonnenten lässt sich die nächste Serienstaffel nicht mehr finanzieren.
Die 500 Stellen sind der Preis dafür, dass RTL im Streaming nicht mehr gegen Sky antritt, sondern gegen Netflix. Im Wettlauf um Sport und Serien zählt nur eine Plattform, keine zwei.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was heißt das für den deutschen Medienmarkt?
Die EU-Kommission winkte den Zusammenschluss am 22. April 2026 ohne Auflagen durch, obwohl RTL damit zum drittgrößten Streaminganbieter Deutschlands aufsteigt.[1] Für Werbekunden und Mediaagenturen bleiben so weniger große Vermarkter, die um dieselben Budgets konkurrieren.
Für Entscheider im Marketing heißt das konkret: Verträge mit den einzelnen Sendern und Streamingdiensten vor der nächsten Runde bündeln und prüfen, welche Reichweite nach dem Umbau noch getrennt verkauft wird. Die Barzahlung von nur 68 Millionen Euro zeigt, wie günstig RTL diese Marktmacht eingekauft hat.[1]
Quelle
[1] Bertelsmann / RTL Group: „RTL Group schließt Erwerb von Sky Deutschland ab“