Bertelsmanns Streaming-Sparte verdient zum ersten Mal Geld, nicht in einem einzelnen Quartal, sondern im ganzen ersten Halbjahr 2026. RTL+ und die französische Schwester M6+ kommen zusammen auf 8,7 Millionen zahlende Abos und 31 Millionen Euro Betriebsgewinn. Höhere Preise, mehr Werbung und die frische Übernahme von Sky Deutschland drehen die jahrelange Verlustrechnung ins Plus.
drweb.de als bevorzugte Quelle auf Google hinzufügenQualitätsgeprüfte Inhalte direkt in Google News & DiscoverJetzt hinzufügenDas RTL+ Streaming galt lange als teures Zuschussgeschäft, das die Fernsehsparte mitfinanzieren musste. Seit dem ersten Quartal 2026 kippt die Rechnung, und die Halbjahreszahlen bestätigen den Gewinn erstmals über sechs Monate.[1] Für einen Konzern, der in Europa gegen Netflix und Disney+ antritt, zählt der Sprung in die Gewinnzone.
Das Wichtigste in Kürze
- Das Streaming der RTL Group schreibt im ersten Halbjahr 2026 erstmals schwarze Zahlen: 31 Millionen Euro bereinigtes EBITA nach Jahren im Minus.
- Abos und Umsatz wachsen kräftig: 8,7 Millionen zahlende Abonnenten (plus 20,7 Prozent) und 299 Millionen Euro Streaming-Umsatz (plus 27,2 Prozent).
- Drei Treiber stehen hinter der Wende: höhere Preise in Deutschland, schnell steigende Werbeerlöse und die im Juni abgeschlossene Übernahme von Sky Deutschland.
- Bertelsmann steigert den Halbjahresgewinn um 45 Prozent auf 292 Millionen Euro.
Warum verdient RTL+ jetzt Geld?

Werbung gibt den Ausschlag. Die RTL Group meldet für das erste Halbjahr 2026 ein bereinigtes EBITA von 31 Millionen Euro allein aus dem Streaming, nach roten Zahlen in den Vorjahren.[1] Der Streaming-Umsatz stieg um 27,2 Prozent auf 299 Millionen Euro, die Zahl der zahlenden Abos um 20,7 Prozent auf 8,7 Millionen. Auf RTL+ und M6+ wächst das werbefinanzierte Geschäft schneller als das reine Abo, und diese zweite Erlösquelle je Nutzer hebt die Marge über die Kostenschwelle.
Der Konzern traut dem Geschäft jetzt deutlich mehr zu. Die Prognose für das operative Streaming-Ergebnis 2026 liegt inzwischen bei rund 100 Millionen Euro, nach zuvor 25 bis 50 Millionen.[1]
Wie wurde aus dem Zuschussgeschäft ein Gewinn?
Größe kommt per Übernahme dazu. Seit Juni 2026 gehören Sky Deutschland und der Streamingdienst WOW zu RTL, nachdem die EU-Kommission den Kauf im April ohne Auflagen freigegeben hatte.[1] Zusammen mit RTL+ entsteht ein Anbieter mit rund 12,3 Millionen zahlenden Abos, der von der Bundesliga bis zur Formel 1 die großen Sportrechte hält. Der deutsche Streaming-Markt sortiert sich damit neu, wie schon beim Griff von Freenet nach waipu.tv.
Für die Kundschaft heißt das höhere Preise und neue Pakete. Ab Herbst 2026 verkauft RTL in Deutschland und Österreich ein Kombi-Abo aus WOW und RTL+, ab 2027 wandert RTL+ in die regulären Sky-Abos, beide Marken bleiben vorerst getrennt.
RTL kauft sich mit Sky die Sportrechte und die Größe, die RTL+ allein nie erreicht hätte. Der erste Streaming-Gewinn ist deshalb weniger ein Effizienzwunder als der Start einer teuer erkauften Aufholjagd gegen Netflix.
— Markus Seyfferth, Chefredakteur Dr. Web
Was bedeutet die Wende für den DACH-Markt?
Ein Muster zeigt sich in ganz Europa. ProSiebenSat.1 bündelt sein Angebot in Joyn, TF1 baut in Frankreich TF1+ aus, und alle setzen auf denselben Werbehebel, mit dem auch Amazon auf Twitch verdient. Für Werbekunden und Mediaagenturen im DACH-Raum entsteht neben den US-Plattformen eine zweite, lokale Adresse für Bewegtbild-Werbung.
Für Entscheider mit Werbe- oder Rechtebudget lohnt der zweite Blick. Werbekunden verhandeln ab 2027 mit einem Anbieter, der Fernsehen, Streaming und Premium-Sport unter einem Dach bündelt, und sollten die neuen Kombi-Tarife früh gegen die US-Plattformen rechnen.
Quelle
[1] Bertelsmann: Streaming- und Inhaltegeschäfte treiben organisches Wachstum der RTL Group (Halbjahr 2026)